Buenos Aires 25.07. - 26.07.2018

Donnerstag, 26.07.2018

Letzter Halt: Buenos Aires. Doch zuerst müssen wir von Foz do Iguaçu (Brasilien) nach Puerto Iguazú (Argentinien), um hier den Flieger zu nehmen. Für die knapp 30 Kilometer planten wir drei Stunden ein, obwohl der Grenzübergang relativ unkompliziert sein sollte. Allerdings hat der Bus beim Ausstempeln aus Brasilien nicht auf uns gewartet und so mussten wir eine geschlagene Stunde auf den nächsten warten. In Argentinien stellte sich dann heraus, dass es keinen Bus zum Flughafen gibt, also müssen wir wohl oder übel das teurere Taxi nehmen. Aber na gut, was solls.
Am Flughafen angekommen bestätigte sich das Bild, das wir bisher von den Argentiniern hatten: Immer mit Thermoskanne und Matebecher mit Strohhalm bewaffnet wuseln die Bürger der wohl größten Hippikultur auf der Welt in dem kleinen Flughafen mit nur zwei Gates völlig unorganisiert herum. Der Grund: Innerhalb von nur fünf Minuten wurden von mehreren Flügen die Gates mehrmals gewechselt, sodass noch nicht einmal das Personal mehr einen Plan hat, was denn nun Phase ist. Hat uns ehrlich gesagt nicht verwundert, in solch ein Chaos zu stürzen, nachdem alle Argentinier, die wir trafen eine das-wird-schon-mit-tranquilo-Einstellung an den Tag legten und eine Produktivität von einem Beamten auf Ritalin an den Tag legten.
Dieses Chaos wurde dann auch konsequent fortgesetzt, als wir um 19 Uhr mitten in der Rush-Hour mit dem Öffibus zu unserem Hostel fahren wollten. So benötigten wir für die acht Kilometer gut anderthalb Stunden und beobachteten die Sroßgebete des Busfahrers zur Jungfrau Maria vor jeder Kreuzung. Kein Wunder, denn so wuselig wie am Flughafen war es auch auf der sieben-spurigen Bahn, wo aus drei Richtungen die Autos sich vor schoben. Quasi nach dem Motto : Wer bremst muss warten. Wir wären ja auch gelaufen, wenn es nicht so in Strömen geregnet hätte und wir von den drei Meter zum Bus laufen nicht schon klitschnass gewesen wären.
Am Abend saßen wir dann noch Matetee trinkend mit einem Brasilianer und einem Argentinier beisammen, welche sich über die Beste Art und Weise Mate zu trinken stritten und jeder den Mate aus seinem Land anpries. Man muss dazu wissen, dass der Genuss von Mate in einer Runde von Menschen nicht ohne Regeln funktioniert: Man teilt sich einen Becher und einen Strohhalm. Niemand darf den Strohhalm berühren (außer natürlich mit dem Mund) und schon gar nicht den gleichen Matetee mit einer anderen Person teilen, sondern jeder hat den Becher alleine zu leeren, bis der Besitzer neues Wasser aus seiner Thermoskanne wieder reinkippt und der nächste an der Reihe ist, den Becher zu leeren. Unter Herpesviren ist dieses Ritual schon ein beliebter Szeneumschlagpunkt geworden.

 


Am letzten Tag auf diesem Kontinent wollten wir wenigstens noch etwas über die Stadt erfahren und nahmen an einer Free-Walking Tour teil. Da das Wetter immernoch nicht besser war, hatten wir quasi eine Privattour, denn die angekündigten 18 anderen Teilnehmer erschienen nicht. So liefen wir durch die Stadt und erfuhren viele interessante Sachen aus der Geschichte von Buenos Aires. Zum Beispiel, dass auf dem Haupt-Streikplatz (Plaza de Mayo) jeden Donnerstag Mütter von verschollenen Kindern protestieren und die Regierung fragen, wo ihre Kinder sind (denn die Regierung ließ die Kinder zwischen 1976 und 1983 verschwinden). Dieser Protest besteht seit über 30 Jahren und noch heute wurden nicht alle Kinder gefunden.

Madres de Plaza de Mayo

Jede Ecke in Buenos Aires erinnert an eine andere Stadt. So finden wir uns in Italien, Paris und auch in Berlin wieder, denn die Häuser wurden in den verschiedenen europäischen Stilen erbaut.


Achso und um euch etwas zu beruhigen, wir hatten ja Gruselgeschichten gehört, wie man hier am helligten Tage ausgeraubt wird und dass diese Stadt gefärlicher als Rio sein soll. Wir hatten nicht den Eindruck. Weder am Abend als wir ankamen und es schon dunkel war, noch am Tag.

Das wars dann nun mit unserer Reise und wir freuen uns auf einen Tropenurlaub in Berlin. Wir hoffen, dass ihr einen kleinen Einblick in unsere Reisewelt erhalten konntet und evtl. haben wir euch hungrig auf das eine der andere Abenteuer gemacht. Vielen Dank, dass ihr dabei wart.

Con mucho gusto
Erik y Josi

Foz do Iguaçu 21.07.-25.07.2018

Mittwoch, 25.07.2018

Nach anderthalb Tagen in Paraty kann man hier nicht mehr viel machen und so gings weiter nach São Paulo. Die Megastadt, die wir schonmal von oben gesehen haben, würden wir uns nun nochmal von Näherem ansehen. Aber eigentlich sind wir nur auf Transit hier, um anschließend weiter nach Foz do Iguaçu zu fahren. Erster Eindruck, als wir an der Station Luz im Stadtzentrum von São Paulo aussteigen: ,,Man is dit dreckig hier!'' Also ,,dreckig'' muss man an dieser Stelle etwas relativieren, denn für eine Südamerikanische Stadt ging es noch, aber nach Rio traf uns erstmal der Schlag: Überall liegen Kinder und Bettler auf den Gehwegen und schlafen, ganze Häuserblöcke scheinen unbewohnt, da vor allen Fenstern Pappe oder Holzbrätter hängen (Abends wurde jedoch klar, dass da tatsächlich jemand drin wohnen muss, da Licht zwischen den Schlitzen hindurchschien) und überall treiben sich dubiose Gestalten herum. In unserem Hostel, das direkt neben einem Waffenshop, in dem es die Pistole schon für 20 Euro und das Sturmgewehr für etwas mehr gab, war das Publikum auf dem ersten Blick auch nicht gerade vertrauenserweckend. Zudem verbrachten wir die Nacht mit sechs weiteren Männern in einem Kellerraum ohne Fenster oder Klimaanlage. Da waren Kopfschmerzen am Folgetrag also praktisch schon vorprogrammiert, weshalb wir uns vorsorglich ein paar Bierchen vor dem Schlafengehen zu Gemüte führten.
Den kommenden Vormittag erkundeten wir noch etwas die nähere Umgebung, zu der auch ein fünfetagiges Rockkaufhaus ,,Galeria do Rock'' gehört. Hier findet man alles von trendigen Schuhen über Metal T-Shirts bis hin zu unzähligen Tättowiershops. Am frühen Nachmittag machen wir uns dann mit 20 Minipizzen zu je 25 Cent auf zum Terminal, um die 17-stündige Busfahrt nach Foz do Iguaçu anzutreten. Da wir es noch gewöhnt waren, für eine zehnstündige Fahrt in Perú oder Bolivien ca. zehn Euro zu zahlen und in mega komfortablen Sitzen, die bis zu 180 Grad verstellbar waren, zu reisen, waren wir von dem stolzen Preis von 50 Euro für ganz normale Sitze etwas schockiert. Also Reisen in Brasilien kann einen echt arm machen und ist bei weitem nicht so komfortabel wie in den anderen Ländern. Kein Wunder, dass wir in diesem Land kaum Backpacker, sondern nur Koffertouristen getroffen haben.

Mehr oder weniger ausgeruht kommen wir am Folgetag um neun Uhr morgens bei frischen zehn Grad an und fahren mit dem Öffibus, auf den wir etwa eine Stunde gewartet haben, zu unserem Hostel. Hier werden wir drei Nächte bleiben, um die Brasilianische und die Argentinische Seite der Iguazú Wasserfälle zu sehen. Achso. Wir befinden uns übrigens im Dreiländereck dieser beiden Länder mit Paraguay.

Bei strahlendem Sonnenshein machen wir uns am nächsten Tag auf zu den Wasserfällen. Mit den Öffibus können wir bis zum Eingang fahren, wo schon gefühlt 100.000 Menschen darauf warten, in den Park gelassen zu werden. Zu Beginn werden wir mit einem Bus in das Innere des Parks gefahren und werden fast vor den Wasserfällen raus gelassen. Ab hier können wir einen Wanderweg nehmen, der uns zu verschiedenen Platformen führt, um die Wasserfälle aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Nur bevor es los geht fängt Josi schon an zu qietschen und sich in ein Kleinkind zu verwandeln. " Erik, Erik, guck guck guck !!!! Sooooooo süüüüüüüüüüßßß!" Hier haben sich einige Nasenbären angesammelt, die sich von den Touristen füttern und fotografieren lassen. Nachdem 100 Fotos gemacht wurden, können wir nun weiter und kommen an der ersten Plattform an, von der aus wir die gewaltigen Wasserfälle aus der Ferne sehen.

Nach einigem Gedrängel und Geschubse der Touristen auf dem Weg, kommen wir zur Hauptplattform und können nun den "Garganta Del Diablo" von nahem sehen. Nur hier hießes Anstehen und Drängeln, bis wir am Ende der Plattform angekommen sind und endlich Fotos ohne Touris drauf machen zu können. Einfach nur beeindruckend. Dabei haben wir eigentlich etwas Pech, denn heute ist der Wasserstand auf Grund des Staudamms in Paraguay niedriger als an den anderen Tagen. Trotzdem sind wir einfach nur beeindruckt von dem Naturschauspiel.

 


Danach geht es an weiteren kleinen Nasenbären, die natürlich alle fotografiert werden müssen, vorbei und mit dem Bus zurück. Schon am Vortag haben wir geplant, dass wir Brasilien nicht verlassen können, ohne der Churascarria nochmal einen Besuch abzustatten. Hier in Foz werden wir auch für nur die Hälfte des Preises in Rio fündig. Erik erfreut sich diesmal an noch besserem Pikanha und schwebt auf Wolke sieben des Fleischhimmels.

 

Am nächsten Morgen geht es nun auf die Argentinische Seite der Wasserfälle, da hier auch mehr Wanderwege entlang der verschiedenen Wasserfälle führen. Leider haben wir heute nicht so ein Glück mit dem Wetter und der Himmel ist wolkenverhangen und immer mal wieder regnet es. Naja, man sagt ja: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Also Regenjacke an und los. Die Einreise in Argentinien verläuft hier so problemlos. Aus dem Öffi Bus raus, Stempel holen, in den Öffi Bus wieder rein und weiter. Am Park angekommen, fahren wir mit der Bimmelbahn weiter in den Park hinein in Richtung Garganta del Diablo (diesmal von der anderen Seite). Von der Station aus führt ein Weg über die verschiedenen Flüsse und Zuläufe des Wasserfalls und endet am Rand der Schlucht, wo das Wasser geräuschvoll hinunter saust. Auch hier heißt es wieder drängeln uns schubsen, um an das beste Bild zu kommen. Danach besichtigen wir noch die für jeweils zwei Stunden ausgeschriebenen Wanderpfade, die wir jedoch in jeweils einer halben Stunde abgelaufen sind (heute sind nicht so viele Touristen unterwegs und man kommt relativ zügig voran). Der eine Pfad führt dabei oberhalb und der andere Pfad unterhalb der verschiedenen Wasserfälle entlang. Trotz des schlechten Wetters war es doch ein sehr schöner Ausflug und entspannter, da nicht so viele Touris vor Ort waren.

Der vorletzte Tag ist angebrochen und so machen wir uns gegen Mittag rum auf den Weg zum Flughafen, um uns in Buenos Aires nochmal ordentlich den Popo abzufrieren. Warum wir diesmal nicht 18 Stunden mit dem Bus fahren? Fliegen ist entspannter und auch noch günstiger!

Paraty 18.07. - 20.07.2018

Montag, 23.07.2018

Im letzten Eintrag haben wir euch ja von unserer Flip Flop Wanderung berichtet. Leider haben wir die Beweisfotos vergessen und hier sind sie:

   

Nach den wünderschönen Tagen auf Ilha Grande verfolgen wir nun  unseren eigentlichen Plan weiter. Es geht in das nur zwei Stunden entfernte Städtchen Paraty. Hier gibt es weitere hundert Strände aber von denen hatten wir nun genug. Der eigentliche Grund ist die wunderschöne Altstadt. Mit dem Charm des alten Kolonialstiel, bildet Paraty ein Touristenmagnet aber zum Glück ist gerade Nebensaison. Als wir am Nachmittag ankamen, beziehen wir erst einmal unser Quartier und schlendern noch etwas durch die Innenstadt. Da Josi leider stark mit einer Blasenentzündung zu tun hat (war ja klar, dass auf den letzten Metern der Reise nochmal was kommt), kommen wir nicht all zu weit.

Am nächsten Morgen klingen die Beschwerden doch allmählich ab und wir können uns die Stadt und ihren Hafen nochmal genauer angucken und schlendern durch die Gassen.

 

Am späten Nachmittag nehmen wir noch an einer Freewalking-Tour teil und erfahren eine Menge über die Geschichte Brasiliens und die Höhepunkte von Paraty. Unser Guide erklärt uns wie die verschiedenen Bauweisen zustande kommen und das hier damals viele Sklaven gehalten und gehandelt wurden. Die Bezahlung der Sklaven war jedoch nicht die schlechteste, denn die Sklaven wurden von ihren Besitzern mit Cachaça abgefüllt, so wie  die Touristen heute. Paraty war nämlich die Stadt mit den meisten Cachaça-Destillerien, denn alles was in Brasilien rein oder raus ging, musste durch dieses Örtchen und so auch das Zuckerrohr. Eine ebenfalls interessante Eigenschaft sind die Straßen von Paraty. Zum laufen sind sie etwas anstrengend, denn überall ragen aus dem Kopfsteinpflaster Steine raus und man hüpft quasi von Stein zu Stein. Das besondere jedoch ist, dass die Straße konkarv, also wie ein U in das Landesinnere verlaufen. Denn durch diese Form hat Paraty eine Art "Selbstreinigungssystem" für die Straßen: Abends kommt die Flut und reicht weit in die Stadt hinein. Zu Vollmond ist die Flut so stark, dass die ganze Stadt einmal durchgespült wird. So wurde damals der ganze Müll aus der Stadt raustransportiert. Mehr interessantes gibt es hier nicht und so beginnt Morgen dann die nächste große Reise nach São Paulo.

Ilha Grande 14.07. - 18.07.2018

Sonntag, 22.07.2018

So einige Leute, die wir in Rio getroffen haben, haben uns von der Ilha Grande (große Insel) erzählt und uns unbedingt empfohlen, da doch auch mal vorbeizuschauen. Da wir in Rio das mit den Strandtagen etwas vernachlässigt haben und es auf Ilha Grande 102 davon gibt und die Insel sowieso auf unserem Weg nach Süden lag, haben wir uns dafür entschieden.
Nur zwei Stunden nach Abfahrt aus Rio kamen wir in Conceição de Jacarei an und sind für ein Schnäppchen von 30 Reales mit dem Schnellboot ca. eine halbe Stunde in den Hauptort Vila do Abraão übergesetzt. Pünktlich zum Sonnenuntergang um 17 Uhr kamen wir hier an und waren erstmal vom Anblick der Bucht geflasht: Anstatt riesigen Hotelketten, Casinos und so weiter wie man es aus Touristenorten kennt, besteht Vila do Abraão nur aus wenigen Häuserreihen und maximal zweigestöckigen Gebäuden. Im Hintergrund erstrecken sich die bis zu 1.000 Meter hohen mit Urwald bedeckten Hügel und man kommt sich vor wie in einer Szenerie aus King Kong, wo sie auf der Insel ankommen.

Da zur Zeit Nebensaison ist, sind die Straßen auch relativ leer und nur wenige Touristen treiben sich hier herum. Im Hostel checken wir dann für vier Nächte ein und gehen nochmal runter an die Strandpromenade, um bei einem Bierchen nochmal den Moment einzufangen.
Am nächsten Morgen steht dann Strand auf dem Plan, deshalb packen wir Bücher und Snacks in unseren Kauflandbeutel, der uns schon den ganzen Urlaub lang begleitet (keine Schleichwerbung), ausgezeichneten Tragekomfort gewährt und dabei auch noch ein modisches Accesoir ist.

Naja, zumindest schlendern wir so mit unseren FlipFlops die Promenade entlang und stoßen auf einen awegweiser. ,,Ach kiek ma an. 'N Rundjang zu nem Strand und noch ein zwei Ruinen. Prima! Wolln wa dit machen?'' Klaro! Sollen ja nur 50 Minuten sein und der meiste Teil des Weges führt an nem Strand entlang, geht also mehr oder weniger konform mit unseren Strandplänen. Von hier aus hat man die gesamte Bucht samt der kleinen vorgelagerten Inseln im Blick - wunderbar. So gehts ein paar Minuten den Strand entlang und dann Inselneinwärts zu einem Aquädukt. Von hier aus wollen wir den Zirkel schließen und gehen weiter. ,,Dit jeht aber janz schön Berg auf hier...'' beschwerte sich Josi nach einer weiteren schlappen Stunde und gefühlten 500 Metern Höhenunterschied FlipFlop-wandernd durch den Dschungel. Eine halbe Stunde später kommen wir an einem ,,Wasserfall'' raus, der diesen Namen gar nicht verdiente, da es eher ein Loch mit heraus plätscherndem Wasser ist. Wir fragen uns durch, wo denn der Weg für den Rundgang weiter geht und werden nur verdutzt angeschaut. Hier gibt es keinen Rundgang und der Weg ins Dorf ist der gleiche Weg, wie wir hergekommen sind. Da haben wir wohl an irgendeiner Stelle die falsche Abzweigung genommen. Mittlerweile haben Eriks FlipFlops auch schon kapituliert, sodass er barfuß laufen muss. Prima!

Aber die Aussicht ist toll

Gute anderhalb Stunden und drei Liter Schweißverlust später kommen wir nach einem ,,wunderschönen Strandtag'' wieder in Vila do Abraão an und machen uns ein paar Caipirinhas und Borritos im Hostel, was uns sabbernde Blicke der Pasta mit fertiger Tomatensoße futternden anderen Hostelgäste einbrachte. Mittlerweile wissen wir halt, wie man disfrutiert.
,,Jetz aber wirklich maln richtiger Strandtag!'' forderte Josi am nächsten Morgen. Gesagt, getan. Und so machten wir uns wieder auf in Richtung Strand und liefen diesmal in die andere Richtung, wo vier Strände sein sollten. Wir klapperten alle vier ab und blieben an dreien für jeweils ca. eine Stunde hängen. Ab vier Uhr verschwand jedoch so langsam die Sonne hinter den Hügeln und wir beendeten den Strandtag.
Am letzten Tag checkten wir dann noch den Praia das Palmas (Palmenstrand) aus. Allerdings muss man da wieder gut anderthalb Stunden durch den Dschungel stapfen. Also zogen wir vorsorglich unsere Straßenschuhe und keine FlipFlops an. Auf dem Weg zum Praia das Palmas stießen wir auf eine gut zwei Meter lange Schlange, die den Weg vor uns kreuzte. Haben wir das auch mal gesehen. Und weiter gehts. Am Strand angekommen ist es allerdings ganz schön windig und die Sonne versteckte sich immer wieder hinter Wolken. Deshalb verharrten wir kurz und liefen dann doch wieder an den Hauptstrand, um hier noch ein wenig die sich wieder zeigende Sonne zu genießen.
Die Bilanz ist also folgende: Von drei intendierten Strandtagen haben wir 1,5 Tage tatsächlich am Strand liegend verbracht. Nicht schlecht...

Rio de Janeiro 26.06. - 14.07.2018

Mittwoch, 18.07.2018

WOW! Mit diesen drei Buchstaben lässt sich unser Aufenthalt in Rio de Janeiro wohl am schnellsten und besten beschreiben. Schließlich haben wir unseren hiesigen Aufenthalt nicht umsonst von drei auf 18 Nächte verlängert. Aber von vorne...
In Bonito checkten wir zunächst einmal die Buspreise von Campo Grande (der nächsten großen Stadt) nach Rio. Da sind wir beinahe aus den Latschen gekippt, als man 100 Euro von uns für die 24-stündige Busfahrt verlangte. Dann lieber doch noch mal nach Alternativen umschauen und siehe da: Ein Flug von Campo Grande nach Rio de Janeiro dauerte nur drei Stunden und kostete sogar einen Tick weniger. Also wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht und wir befanden uns am 26.06. im Flugzeug nach São Paulo, denn hier mussten wir schnell umsteigen. Als wir in São Paulo starteten, war es bereits dunkel und so sahen wir das riesige Lichtermeer der 21 Millionen Menschen berherbergenden Megastadt. Auch der Landeanflug nach Rio war sehenswert, denn wir sahen beispielsweise schon aus dem Flugzeug das berühmte Wahrzeichen Rios: Den Christo Redentor, wie er beleuchtet auf seinem Hügelchen auf die Stadt herunter sah. Um zum Hostel in Copacabana zu kommen, wurde uns ein Linienbus angeboten, der jedoch übermäßig teuer war: 15 Reales, fast soviel wie eine Übernachtung in einem Hostel. Bitte?! Wir wollen doch nicht den ganzen Bus mieten! Außerdem war das Hostel nur zehn Fahrminuten entfernt. Also guckten wir uns nach einer günstigeren Lösung um. Laufen viel allerdings weg, da es in Rio nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr ganz sicher ist. Durch Herumfragen (natürlich auf Spanisch) erfuhren wir, dass es auch eine U-Bahn gibt, mit der man nur einen Bruchteil der Busgebühr bezahlt. Ein netter Mitarbeiter erklärte uns in einem Englisch-Portugisisch-Gemisch, wie das mit dem Ticketkauf am Automaten funktioniert - alle sind mal wieder super freundlich hier, wirklich alle. Mit der Straßenbahn ging es also vom Flughafen aus nach Cinelândia und hier in die U-Bahn bis nach Cardeal Arcoverde, der Station, in dessen unmittelbarer Nähe sich unser Hostel befand. Auch hier werden wir herzlich begrüßt und uns wird alles erklärt. Das Hostel ist sogar recht modern und sauber. Sowas haben wir lange nicht gehabt. Schnell beziehen wir unser erstes Zimmer. Es handelt sich um ein zwölf-Personen-Dorm mit eingebauter Schnarchfunktion. Im Verlaufe unseres Aufenthalts wechselten wir noch dreimal unser Zimmer aus verschiedenen Gründen und jedes Mal war mindestens eine Person dabei, die mit ihrem Geschnarche den gesamten Amazonasregenwald abgeholzt und den anderen somit das Einschlafen äußerst schwierig gestaltet hat. Nicht selten kam einem der Gedanke, sich einfach mal neben diese Personen zu stellen und ihnen ganz laut auch einmal ins Ohr zu schnarchen oder schlimmere Dinge mit ihnen anzustellen. Ansonsten kamen Nachts natürlich auch Leute vom Feiern oder so zurück und haben immer wieder einfach mal das Licht angemacht, um den überaus komplizierten Weg zu ihren Betten zu finden. Oder es haben sich morgens um vier mehrere Frauen aus heiterem Himmel angekreischt weil irgendjemand Sex hatte oder ein anderer onanierte. Jap, alles erlebt. Und so konnten wir von den 18 Nächten schätzungsweise drei tatsächlich gut schlafen. Dies lag vor allem an den geraumen Mengen Alkohol, die wir im Vorfeld konsumiert hatten.


So schlimm die Nächte auch manchmal waren umso schöner waren die Tage. Zum Beispiel haben wir hier in Rio drei Spiele der Brasislianer in der WM gesehen. Auch wenn man keine Ahnung von den Spielplänen hatte, so wusste man immer schon Stunden vor Anstoß, dass heute die Brasilianische Mannschaft spielen würde, denn wenn den Brasilianern eines wichtiger ist als die Kirche, dann ist es Fußball... und Karneval natürlich. So wurden nahezu alle Supermärkte und sonstige Läden eine Stunde vor Anpfiff geschlossen, die Straßen waren ausgestorben und jede Bar und jeder Späti stellt seinen Fernseher auf die Straße. Das erste Spiel hatten wir mehr oder weniger an uns vorbeigehen lassen. Zum zweiten Spiel haben wir ein Französisches Pärchen mit auf die hiesige Fanmeile am Praça Mauá mitgenommen, wo um die 20.000 Menschen das Spiel sahen. Vorher holten wir uns noch an einem der vielen Straßenstände einen halben Liter Caipirinha für zwei Euro, da die Franzosen dieses Getränk gar nicht kannten - Kulturbanausen! Die zubereitende Dame schien ihre Aufgabe sehr ernst zu nehmen, nachdem wir ihr erklärten, dass die beiden in Kürze ihren ersten Caipirinha verköstigen würden und teilte eine Einliterflasche 51er Cachaça auf die vier Becher auf. Dazu noch Limetten, Eis und weißer Zucker. Jedoch haben wir nur ,,la mitad'', also die Hälfte an Zucker bestellt, da sie ansonsten wohl auch das Kilo Zucker auf die vier Becher aufgeteilt hätte. Mit einem leicht irritierten Blick fuhr sie dann fort. Brasilianer mögen es halt süß.

Die Stimmung während des Spiels fand dann natürlich bei den Toren und beim Schlusspfiff ihre Höhepunkte, war aber nicht so berauschend, wie wir es und vorgestellt hatten. Als die Franzosen dann nach Abpfiff ziemlich schnell wieder zurück zum Hostel mussten, verbrachten wir noch ein wenig Zeit in der Innenstadt um Uruguayana herum. Hier ist ein riesiger Markt. Allerdings nicht für Lebensmittel, sondern für jeden, wirklich jeden sonsigen Mist. Von knappen Bikinis bis zu Flachbildfernsehern findet man alles. Wahrscheinlich auch so einiges an Diebesgut, das hier wieder an den Mann gebracht wurde. Bevor es dann wieder zurück nach Copacabana ging, holten wir uns noch ein paar Salgados und Tapioca. Ersteres sind kleine Snacks wie Minipizzen oder Würstchen im Teigmantel. Letzteres sind eine Art Tacos, nur aus Cocosmehl und beliebiger Füllung. Von Erdbeeren über Eis bishin zu herzhaften Käse-Fleisch-Gemischen konnte man da alles hineintun lassen.

Taipioca... Jammmiiiii

So ein Tapioca kam uns ungefähr einen Euro und die Salgados ca. 50 Cent. Straßenessen ist hier also sehr günstig, wenn auch nicht sehr gesund. Zum Abend hin kamen dann die vielen Grillstände zum Vorschein und verkauften ihre köstlichen Spieße auf der Straße. Erik gönnte sich fast abendlich einen der leckeren Rinderspieße und auch Josi fand eine Knoblauchhuhnvariation.
Von den 18 Tagen, die wir hier in Rio waren, hatten wir zwei schlechtere Tage mit Regen. Eigentlich ist hier gerade Winter (zwischen 25-35 Grad, im Sommer bis zu 45 Grad) und Trockenzeit aber ein paar Regentage gibt es trotzdem noch. Die sonnigen Tage verbrachten wir schlendernd an der 4,5 Kilometer langen Copacabana oder am Strand in Leme oder Ipanema. Leme war auf Grund der überragenden Aussicht über die gesamte Copacabana unser Lieblingsstrandabschnitt und da gerade keine Touristensaison ist, war der Strand auch relativ leer.

Copacabana Aussicht von Leme

Nur die vielen Strandverkäufer, die von Caipirinha über Ganelenspieße bis hin zu Buddeleimern alles an den Mann bringen wollten, sich aber durch ein einfaches ,,Obrigado. Tudo bem'' (Danke, alles gut) begleitet durch ein Daumen hoch Zeichen relativ schnell wieder abschütteln ließen. Eben diese Strandverkäufer sind auch in den meisten Fällen die Überltäter, wenn es um Diebstahl am Strand geht. Einigen Leuren, die wir getroffen haben, wurde alles am Strand gemopst, während sie daneben lagen. Deshalb haben wir uns wirklich nur mit Büchern und Strandtuch an den Strand begeben.
An dem regnerischen Tag haben wir dem Museum of Tomorrow einen Besuch abgestattet. Hier wurde anschaulich der Einfluss des Menschen auf die Erdentwicklung dargestellt. Sollte sich Herr Trump eventuell mal antun, da sogar Kinder hier eine Idee vom Klimawandel bekommen.
Nach einer Woche stand dann das Spiel Brasilien gegen Belgien auf dem Plan. Wir hatten vorsorglich unsere Einkäufe schon am Morgen getätigt, da um das Spiel herum wieder die ganze Stadt still stehen würde. Naja also eigentlich haben wir uns nur Dosenweise mit Bier eingedeckt, um dieses kaltzustellen und am Nachmittag dann bei uns um die Ecke das Spiel auf der Straße zu gucken. Zu diesem Zweck hat man einen gesamten Straßenabschnitt einfach mit eine Strippe mit grün-gelben Bändchen provisorisch abgesperrt, um Autos vom Durchfahren abzuhalten. Vor einer der zahlreichen Bars machten wir es uns dann mit dem gekühlten Dosenbier gemütlich und sahen uns den Untergang der Brasilianer mit an.

In den Straßen wurde natürlich gegrillt

Nach dem Spiel war alles einfach nur still und keiner sagte etwas. Schnell kam das Geschäftsleben wieder ins Rollen und es wurde kein Wort mehr über das Spiel verloren. Da war der Brasilianische Stolz wohl doch etwas gekränkt.
Im Folgenden werden wir unsere Tagesausflüge ins Favela Santa Marta, auf den Pedra Bonita, den Cordovalo und unsere nächtlichen Ausflüge ins Partyviertel Lapa etwas mehr ausführen.

 

Santa Marta


Um neun Uhr morgens machen wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Weg nach Botafogo, genauer gesagt an den Fuße des Favelas Santa Marta, dem wohl berühmtesten Favela der Welt. Denn hier drehte Michael Jackson einige Teile des Musikvideos ,,They don't care about us''. Auf dem Weg dorthin sprangen die kleinen Stadtäffchen über unsere Köpfe hinweg, obwohl wir hier mitten in der Stadt sind. Die Kleinen haben sich anscheinend in den vielen Bäumen hier eingenistet und nutzen die viel Oberleitungen als eine Art Highway.
Aber wieder zurück zum Thema: Ein Favela ist im Grunde ein am Berghang erbautes Slum. Jedoch nicht ganz so arm, wie sich später herausstellen sollte. Mit unserem Guide, einer Bewohnerin des Favelas und fünf weiteren Touristen gehen wir den ersten Teil der Favela hoch. Hier am Bergfuß findet das soziale Leben statt. Man findet viele Bars und Fressbuden. Die ersten Bewohner des Favelas kommen uns schon entgegen und machen sich auf den Weg zur Arbeit: Von Taxifahrern über Hotelmitarbeitern bis hin zu einfachen Dienstleistungen wie Strandverkäufen findet man hier alle Berufe. Dementsprechend normal sehen die Menschen auch aus. Vom verwahrlosten Obdachlos weit gefehlt. Anstattdessen sind die Menschen meist gepflegt und jeder, aber wirklich jeder hat einen Flachbildfernseher im Wohnzimmer zu stehen.


Mit dem Lift fahren wir bis ans obere Ende von Santa Marta. Den Lift gibt es übrigens nur, weil das Favela touristisch attraktiv ist und der Staat das Ganze somit subventioniert. In den anderen Favelas wurden solche Projekte mal angefangen, dann aber auf Grund des ausbleibenden Tourismus wieder aufgegeben. Dementsprechend sicher waren wir auch als Touristen in Santa Marta, denn durch den Tourismus entstanden hier Arbeitsplätze wie beispielsweise ein Hostel, zwei Souveniershops usw. Der Guide meinte sogar, dass man hier sicherer sei als an der Copacabana oder sonst wo in Rio, denn hier gelten Regeln, an die sich jeder zu halten hat. Die Einhaltung dieser wird jedoch nicht von der Polizei kontrolliert. Die sieht man hier gar nicht. Anstattdessen bildet die jeweilige Drogengang die Exekutive. Wenn jemand z.B. Touristen ausraubt, wird er wohl getötet. Da braucht man auch nichts schönreden.
Wir kommen also oben an und steigen aus dem Lift aus. Das erste, das wir hören ist eine Explosion. Aber wohl eher kein Polenböller, sondern ein paar Kinder, die mit Bomben experimentieren, wie unsere Begleiterin uns lachend gestand. Außerdem spielen die Kinder hier wohl mit Drachen an einer Strippe, wobei sie die Drachen so zu manövrieren versuchen, dass sie mit der äußerst scharfen Leine die Leine ihrer Konkurrenten zerschneiden. Man könne mit diesem Material sogar mehrere Lagen Papier problemlos zerschneiden. Da ist es kein Wunder, dass der ein oder andere Motorradfahrer hier schon seinen Kopf verloren hat und andere Motorradfahrer eine Eisenstange mit Haken vorne auf ihrem Gefärt installiert haben. Wir gehen also nach Santa Marta rein und gucken uns die Häuser genauer an. Bis auf die oberen Häuserreihen, welche die ältesten sind, bestehen alle Häuser aus Backstein. Also eindeutig kein Slum. Da haben wir in Kolumbien, Perú und Bolivien eindeutig provisorischere Unterkünfte gesehen. Sogar Strom und Wasseranschluss hat hier fast jedes Haus und Miete muss auch gezahlt werden. Im Großen und Ganzen also ein ganz normales Wohnviertel, wie wir finden. Nur halt nicht so reich wie die unterhalb liegenden Viertel. Naja, ganz normal ist es nur in dem Sinne nicht, dass ca. 50 von den 6.000 Menschen hier zu einer Drogengang gehören und sich regelmäßig mit anderen Favelas um Reviere bekriegen. Als wir am Michael Jackson Platz ankamen (ein kleiner Ausguck mit seiner Statue) sahen wir ein paar Späher dieses Kartells, die mit Fernglas und Maschinengewehren nach Eindringlingen oder Polizei Ausschau hielten. Auch wir werden ständig beobachtet, während sie die riesigen Haufen weißen Pulvers in kleine Zipbeutel verpackten, in Funkkontakt mit den anderen Spähern standen und mit ihren Maschinengewehren posierten. Jetzt kamen wir an die Reihe, uns an die hiesigen Regeln zu halten: Keine Fotos von Personen! Wir halten uns daran, gehen nach vorne zum Geländer zwei Meter neben den Dealern und bewundern die Aussicht. Schnell noch ein Bild mit der Michael Jackson Figur (zwei Meter neben Maschinengewehren) und weiter geht die Tour. Und zwar abwärts durch die engen Gassen zu einem Açaí-Stand, wo wir das Eiscremeartige Gemisch genießen und schließlich ganz raus gehen.

Hinter dem Fotografen, die schwer bewaffneten Drogendealer Açaí mit Schokiperlen
Unser Fazit: Während der gesamten Zeit haben wir uns sicher gefühlt, da Veronica (die Bewohnerin des Favelas und unsere Führerin) wirklich jeden Bewohner kannte und jeder uns mit offenen Armen begrüßt hat. Außerdem gibt es hier viele soziale Projekte, um den Kindern eine Beschäftigung neben dem Bombenbauen zu geben. Wirklich touristisch erschien uns Santa Marta allerdings nicht, da wir die einzigen Fremden waren. Aber das hat ja auch seinen Charme.

Pedra Bonita (schöner Stein)


Am Vortag hatten wir Stan, einen Niederländer, bei ein paar Bierchen kennengelernt. Spontan entschlossen wir uns dazu, ihn am kommenden Tag mit zu unserem Ausflug zum Pedra Bonita mitzunehmen. Dazu ging es mit der Metro nach São Conrado, einem etwas ausgelagerten Vortort, der vor allem Wohlbetuchte beherbergte. Nach kurzer Orientierung fanden wir den Weg nach oben. Es handelte sich jedoch nicht um einen Wanderweg. Dieser würde weiter oben kommen, doch zunächst mussten wir ein paar Kilometer am Straßenrand hinaufgehen. Es gab anscheinend auch einen Bus nach oben, aber es war schönes Wetter und wir hatten Wanderlust, was auch gut war, wie sich später herausstellen sollte. Auf den ersten Metern wurde uns dann klar, dass hier doch nicht nur die Reichen wohnen, denn auf der linken Seite der Straße waren zwar einige Villen zu sehen, doch auf der anderen Straßenseite war ein Favela. Weiter gehts bergauf bis wir ein bekanntes Geräuch aus der Zeit im Amazonas hörten. Sollten das etwas Affen sein? Und siehe da! Eine ziemlich große Affenfamilie winkte uns aus Bananenbäumen am Straßenrand zu. Wir machten kurz Pause und beobachteten die Familie eine Weile. Dieser Moment wäre völlig an uns vorbeigegangen, wenn wir den Bus genommen hätten.


Eine Weile später kommen wir dann endlich an. Allerdings nicht auf dem Pedra Bonita, der übrigens eine wunderschöne Aussicht verspricht wie uns Einheimische versicherten, sondern am Beginn des Pfades hoch zum Pedra Bonita. Also nochmal gut 2,5 Kilometer weiter bergauf. Na da wird sich Josi ja freuen... Auf der Hälfte des Weges kommen wir an einer Absprungrampe für Fallschirmspringer vorbei. Auch hier hat sich eine Affenfamilie angesiedelt und ist zum Greifen nahe. Vielleicht ist ein Fallschirmsprung ja eine gute Alternative für einen Abstieg vom Berg überlegten wir kurz. Nachdem wir allerdings erfahren, dass der Spaß um die 120 Euro kostet, fällt uns die Entscheidung dagegen allerdings nicht mehr so schwer.

Weiter gehts bergauf in Richtung Bergspitze. Die letzten 1,5 km geht's nochmal richtig steil hoch aber als wir oben angekommen sind, wurde schnell klar, dass sich der mühsame Aufstieg gelohnt hatte. Wie es scheint, ist der Pedra Bonita tatsächlich noch eine Art Geheimtipp, denn selbst einige Einheimische, die wir unterwegs nach dem Weg fragen mussten, kannten den ,,schönen Stein'' gar nicht und auch oben waren nicht sehr viele Leute dafür dass die Aussicht tatsächlich so atemberaubend war. Doch seht selbst:

Wir verharren ein wenig und lassen das Ambiente auf uns wirken. Dann gehts wieder runter - natürlich wieder zu Fuß. Und siehe da: Wir sehen live ein Túcanpärchen, dass ein paar Nüsse knackt aus nächster Nähe. Wunderbar

 

 

Christo Redentor

Was wollen wir heute machen? Lass doch mal den Parque Lage angucken, ist umsonst und sah auf den Bildern ganz hübsch aus. Schnell hat sich auch unser Compañon Stan angeschlossen. So fuhren wir mit der Metro bis Jardim do Alah. Von hier aus ging es ca. eine Stunde an dem nur wenige hundert Meter vom Atlantik entfernten und von Bergen umschlossenen See vorbei. Hier haben sich besonders die Schönen und Reichen angesiedelt. Man kann auf einem schönen Weg um den See herumjoggen und genau wie an der Strandpromenade findet man alle paar hundert Meter eine Muckistation, an der man Klimmzüge usw. machen kann. Doch im Hintergrund sieht man überall auch die Favelas. Überall haben sich Ruderclubs und andere Freizeitbeschäftigungen angesiedelt. Da hat sich der Ausflug schon an dieser Stelle gelohnt, denn wenn wir irgendwann mal auswandern müssten, dann würden wir am liebsten an diesen Ort hier ziegen. Irgendwo zwischen Atlantik und dieser Lagune.


Am Park Lage angekommen, erwarten uns schon riesige Palmen und eine Art Museum in einem alten Herrenhaus, was für uns jedoch weniger interessant war. Lieber beobachteten wir kaffeeschlürfend die Touris, die gefühlte 100 Selfis machten und dabei jede einstudierte Pose zur Schau stellten. Danach liefen wir weiter in den 620.000 m² großen Garten und stießen auf die Sklavenwäscherei. Das Haus, welches heute das Museum beherbergt, war früher das Heim von Adelsleuten und nun stehen wir vor ihrer Wäscherei. Einfach ein Becken mit Wasser in einer kleinen "Höhle". In Perú wird heute noch so gewaschen. Weiter geht es und wir stoßen auf einen Wegweiser zur Christus Statue. Hmm...eigentlich wollten wir ja dort gar nicht hoch, da die Touren zu teuer sind, aber laufen wäre die günstige Alternative. Der Weg soll nur zwei Stunden hoch und eine Stunde runter dauern, was somit ja ein angenehmer Spaziergang ist. Wäre da nur nicht das riesige Warnschild mit der Aufschrift:" Vorsicht, bewaffnete Raubüberfälle!".

Schon davor haben wir von unserem Tourguide gehört, dass er mit einer ca. 30 Mann starken Truppe auf dem Weg durch den Dschungel von Bewaffneten ausgeraubt wurde. Das Schlimme war, dass den jenigen, die keine wertvollen Sachen dabei hatten, sogar die Schuhe abgenommen worden sind. Nach langem hin und her und einem Gespräch mit dem Security Mann, entschließen wir uns, das Risiko in Kauf zu nehmen und los zu wandern. Wir hatten nur etwas Geld und ein Handy mit, also wenn sie uns überfallen sollten, dann werden wir hoffentlich die Schuhe behalten können.
Etwas angespannt machen wir uns auf den Weg durch den dichten Dschungel und hier und dort lässt sich sogar ein Äffchen blicken. Der Pfad geht teilweise stark bergauf und so artet es sogar an dem einen oder anderen Punkt ins Klettern aus. Durch die Wurzeln der Bäume haben sich eine Art Stufen gebildet, die teilweise fast einen Meter hoch sind. Hier kommen wir das erste Mal ins Schwitzen und gönnen uns eine kurze Pause. Nachdem es eine Weile wieder langsam Bergauf geht, stehen wir plötzlich vor einem riesigen Felshaufen.
In diesem sind Eisenstreben reingehauen und eine Kette festgemacht, damit man hier hoch kommt. Wir hatten eigentlich mit einem Wanderweg gerechnet aber sowas bringt natürlich Abwechslung in die ganze Sache.

Auch diese Hürde lassen wir hinter uns und erklimmen weiter den Gipfel. Nach weiteren 20 Minuten erreichen wir die Straße, wo die reichen Touris sich hoch fahren lassen und legen den Rest der Strecke auf der Straße zurück. Schon von hier aus haben wir einen unglaublichen Ausblick auf Rio. Oben endlich angekommen sehen wir den Christus von seiner Hinterseite, wie er auf Rio herunterblickt. Nur zum Christus hinauf gehen wir dann nicht, da der Eintritt 26 Reales kostet und nur ein Foto mit 100 Touristen da drauf möglich ist. Außerdem hatten wir auch schon vorher eine gute Aussicht. Na gut, der Weg hat sich gelohnt und wir hatten trotzdem wunderschöne Ausblicke. Da das Wetter sich aufklart, machen wir uns auf den Rückweg, um uns ein Belohnungsbier am Strand bei den letzten Sonnenstrahlen zu gönnen. Juhu, nicht überfallen worden!

 

Lapa by Night

Lapa ist das Partyviertel von Rio de Janeiro und so verirren wir uns das eine oder andere Mal dorthin. Unsere erste Nacht in Lapa wollten wir eigentlich mit einer Freewalking Tour machen. Am Treffpunkt angekommen, treffen wir auf die anderen Tourteilnehmer und Astrid, die wir am Vormittag bei der letzten Tour kennen gelernt haben. Wir unterhalten uns mit der Truppe, bestehend aus einer Niederländerin, zwei Kolumbianern, einem Schweizer und uns. Nachdem die Tour eigentlich schon vor einer halben Stunde starten sollte, meldeten wir uns bei dem Touranbieter. Uns wird gesagt, dass es Ihnen sehr leid tut und das unser Guide auf dem Weg zu uns niedergeschlagen und ausgeraubt wurde. Später erfahren wir, dass das ganze nur zehn Meter von uns entfernt stattgefunden hat. So beschließen wir, auf eigene Faust los zu laufen und der Anfang eines grandiosen Abends war gelegt. Bald schon treffen wir auf die unzähligen Caipirinhastände, Fressbuden und Bars, die sich mit der Musik zu übertönen versuchen. Natürlich gibt es erstmal einen Caipirinha für nur 5 Realis (ca. 1,25 € und der Cocktail umfasst einen halben Liter). Die erste Kostprobe verrät: Verdammt lecker und verdammt gefährlich. Denn durch den hohen Zuckeranteil schmeckt man den Alkohol nicht. Danach gesellen wir uns unter dem alten Aquädukt zu einem Sambatrommelkreis, der in der Mitte Platz für zwei Tänzer bietet. Es wird geklatscht gesungen und getanzt. Schon bald folgt der zweite Caipirinha und Josi und Astrid überwinden ihre Scham und stürzen sich in die Mitte des Kreises und tanzen, was das Zeug hält. Danach ziehen wir noch etwas durch die Straßen und holen weitere zwei Caipirinhas. Wobei wir den letzten lieber hätten stehen lassen sollen, denn am nächsten Tag hängen wir durch und erleben den Kater unseres Lebens (zumindest Josi). Ab sofort heißt es: Den vierten Überspringen und mit dem fünften fortfahren!

An einem Donnerstag holen wir die Freewalking Tour nach und erleben Lapa nochmal anders. Unserem Guide geht es wieder besser, denn er war es, der in der letzten Woche niedergeschlagen worden war. Auf Hilfe kann man hier leider nicht hoffen, denn man weiß nie, ob einer der Angreifer bewaffnet ist und sich so selber in Gefahr bringen würde. Aber na gut, in Berlin kann einem das auch passieren. Wir ziehen von Bar zu Bar, wo wir hier und dort Cachaça in verschiedenen Varianten probieren. Wir kommen an einer abgeranzten "Kneipe" an, die unzählige Cachaça Variationen anbietet. Wir nehmen einen Cachaça mit Mango und ein Teilnehmer ist mutig und probiert Cachaça mit Jambu. Jambu ist eine Art Betäubungsmittel und wird in den Amazonasgebieten wie Tee getrunken. Man verliert das Gefühl in der Zunge und es fällt einem schwer zu sprechen. Zum Glück hält es nicht lange an und er kann bald wieder normal sprechen.

Danach sollen wir nun endlich den guten Cachaça probieren und wir kommen an einer Destillerie an. Der Besitzer scheint das Showleben zu genießen und erklärt uns detailliert und mit Kostproben, wie der Cachaça aus dem Rohrzucker gewonnen wird und unterhält dabei den ganzen Laden. Am Ende der Vorführung dürfen wir den frischen Cachaça aus dem Hahn probieren und dabei " Viva Cachaça" durch das Lokal brüllen. Naja wenn er sich darüber freut, machen wir den Spaß mit. Der Cachaça war außerdem überraschend gut, im Vergleich zu der teuren Plörre in Deutschland.

Einen weiteren Abend verbringen wir mit unserem neuen Freund Stan aus den Niederlanden, dem wir das Nachtleben und die Caipirinhas von Lapa zeigen wollen. Diesesmal jedoch nicht mehr als drei, oder den vierten dann halt überspringen. Wer denkt, dass es hier nur Samba Bars gibt, liegt falsch. Sogar eine kleine Rockkneipe hat sich hierher verirrt und eine Liveband schmettert Klassiker von den Skorpions oder brasilianischen Künstlern runter.
An der berühmten Treppe ,,Escadaria Selarón'', die nach Santa Teresa führt, schlürfen wir dann unsere letzten Caipirinhas. Sowohl Nachts, wie auch am Tag ist hier ständig was los und mit ihren tausenden verschiedenen Fliesen, bietet sie ein wunderschönes Bild.

Unser letzter Abend im Hostel ist angebrochen und der wird natürlich in Lapa gefeiert. Die Hostelchefin (Helen) und ein paar andere Gäste des Hostel kommen mit und so haben wir ein gutes Partytrüppchen zusammen bekommen. Als sich alle versammelt haben (hier wird jede Strecke mit den Uber-Taxen zurück gelegt), und dem obligatorischen Straßen-Caipi, gesellen wir uns zu einer Trommeltruppe, die Technobeats mit ihren Instrumenten nachspielt. Man fühlt sich wie auf einer kleinen Mini-Loveparade, denn alles tanzt verrückt zu den klängen. Zwei Gassen weiter sind wir wieder an der berühmten roten Treppe von Santa Teresa. Hier probieren wir uns das erste mal an einem Maracuja-Caipirinha. Auch sehr empfehlsenwert!
Nun wollen alle noch in eine völlig überfüllte Sambabar, nur uns ist der Eintritt zu teuer und wir schlagen vor, einfach auf der Straße zu tanzen. Nach zwei Minuten kommt Helen mit einem Freiticket zurück und wir zahlen nur die Hälfte. Perfekt! Dann kommen wir doch mit. Auf gehts zum Samba!! Nach eimem kurzen Crashkurs auf der Tanzfläche wackeln unsere Hüften ebenfalls zu den Sambabeats. Der ganze Club scheint Samba zu können und so bietet sich uns ein tolles Spektakel der Ausgelassenheit und wir bekommen einen minimalen Eindruck, was hier zum Carneval abgeht. Als die Band sich eine Pause gönnt, wechseln wir den Floor und ebenfalls ertönt Livemusik. Vor uns tanzen vier Kerle eine Art Minichoreo, an die sich jeder umstehende Anschließt. Da sind wir natürlich dabei und feiern ausgelassen die Musik. Man wird es kaum glauben, aber wir lassen uns sogar dazu hinreißen, zu Justin Biber zu tanzen (live gecovert). Schande auf unser Haupt! Nur ist das hier natürlich nicht alles. Die Mädels zeigen, wie sie mit ihren Hüften wackeln können und es geht mit dem Popo hoch und runter. Da bleibt natürlich der ein oder andere, an Dirty Dancing erinnernde Tanz mit jemand Fremden nicht aus. Wenn denn auch noch zwei Minuten später geknutscht wird, war es ein gelungener Abend. Erik musste die ganze Zeit über Josi festhalten, da diese ansonsten von irgendwelchen Männern entführt und in der nächsten Ecke abgeschlabbert worden wäre. Für unsere Begleiterinnen wäre an diesem Abend ein Kerl natürlich nicht genug gewesen und so machten die Mädels auch gerne mit mehreren Kerlen hintereinander rum. Wir gucken etwas verdattert und so wird uns schnell gesagt, dass das hier komplett normal ist und keiner dadurch einen schlechten Ruf bekommt. Na Gut, also hier gehen nicht viele alleine nach Hause.


Als eine Art Abschluss besuchen wir am vorletzten Abend mit zwei Argentinierinnen und zwei Niederländern eine Churrascería. Dabei handelt es sich um eines dieser typischen Restaurants, in denen die Kellner mit Spießen umher rennen und es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, die Gäste so voll mit Essen zu stopfen, dass diese danach nicht mehr aufstehen können. Da wir eine relativ große Truppe waren, bekamen wir auch ein Sonderangebot und zahlten anstatt 84 nur 64 Reales, also ca. 15 Euro. Das ist eine Menge Geld, aber wir hatten noch etwas vom Kindertag über und man gönnt sich ja sonst nichts. Was nun folgte, war ein wahres Fleischfest. Während Josi sich am Buffet sattaß und allen anderen Gästen die Scampis vor der Nase wegschlang und sich am gegrillten Lachs an Maracujasoße labte, verschmähte Erik kaum einen Fleischspieß und war im Himmel. Die Krönung bildete dann das von den Brasilianern vergötterte Picanha, ein Stück vom Rind. Saftig zart. Muito bom! Ein wunderbarer Abend!

  Da jeht noch wad

Die Odyssee von La Paz nach Bonito 19.06. - 26.06.2018

Sonntag, 01.07.2018

1.500 Kilometer in 30 Stunden. So lautete der Plan, um von La Paz an die Brasilianische Grenze zu gelangen. Wie vorangegangenen Blogeintrag waren die Gründe für diese Mammutreise eigentlich ganz einfach: In Bolivien gab es nichts weiter, das uns großartig interessierte außer der Wüste Uyuni, welche zu dieser Zeit jedoch überschwemmt war und mit Nachttemperaturen von unter minus 20 Grad Celsius aufbot, welche wir dann auch noch in zugigen Holzhütten verbracht hätten. Außerdem hätte uns die Tour zu den Salzlagunen in der Wüste um die 200 Euro gekostet, was uns zu teuer gewesen wäre. Anschließend wäre es dann ins zu dieser Jahreszeit kalte Argentinien gegangen, was hieße, dass wir auf dieser Reise nicht nochmal in Badelatschen durch die Gegend hätten Stapfen können. Der Ausweg aus dieser ungemütlich kalten Situation: Brasilien! Also gehts um zwölf Uhr mittags aus unserer Unterkunft in La Paz in Richtung Terminal. Hier finden wir auch gleich einen Bus nach Cochabamba. Für 40 Bolivianos (vier Euro) verbringen wir die neunstündige Fahrt oben am Panoramafenster in Sitzen, die man bis 170 Grad zurücklehnen kann und beobachten die wahnwitzigen Manöver des Busfahrers aus mehr oder weniger Sicherer Höhe. Nebenbei machten wir noch Bekanntschaft mit den indigenen Frauen um uns herum, die in Cochabamba ihre Waren verkaufen wollten. Abends um neun werden wir dann im völlig chaotischen Busterminal von Cochabamba abgeladen und machen uns sogleich auf die Suche nach einem Übernachtbus nach Santa Cruz. Schnell werden wir fündig und machen uns auf den Weg zum Bus. Nach einer Stunde Verspätung ging es dann endlich los. Wir schlafen auch relativ schnell ein, bis wir morgens um sechs plötzlich stehenbleiben. Was ist denn da draußen los? Mitten auf der Straße macht der Busfahrer die Türen auf und wir analysieren die Situation: Vor uns stehen so weit das Auge reicht Busse und LKWs. Der Grund ist ein Streik in Yapacaní. Und wenn die Leute hier streiken, dann geht wirklich gar nichts mehr. Wie wir erfuhren, wusste der Busfahrer (jap, nur ein Busfahrer für eine ursprünglich zehnstündige Strecke) darüber bescheid, befand es aber anscheinend für nicht wichtig genug, die Fahrgäste darüber zu informieren, dass zehn Stunden bis zur Ankunft in Santa Cruz doch recht optimistisch geschätzt sind. Egal, hauptsache das vollgeschmadderte Unterhemd sitzt...


Na gut, mittlweweile ist es um sieben und wir haben uns ein Bild von der Situation gemacht. Es gibt Kleintransporter, die eine Mitfahrgelegenheit nach Yapacaní anbieten. Aber wo wollen die an den ganzen LKWs vorbei? die Linke Spur ist zwar frei aber die Frage ist bis wohin? Die werden ja hier wohl nicht umsonst stehen. Andere Möglichkeit: Laufen. Allerdings sind es noch gut und gerne 80 Kilometer bis Yapacaní. Außerdem meinte der kleine unhöfliche Rotzbengel von Busfahrerbegleiter (er wollte uns nicht mal an unsere Koffer lassen, damit wir unsere Zähne putzen konnten), dass man noch nichtmal zu Fuß über die Absperrung gelassen wird. Das heißt dann wohl Füße stillhalten und abwarten. Ungefähr die Hälfte der Fahrgäste hat eine Mitfahrgelegenheit nach Yapacaní genommen. Ob sie da wirklich früher als wir ankommen ist fraglich und gekostet hat der Spaß auch bestimmt einiges. Und siehe da! Um neun Uhr morgens rollt es auf einmal wieder. Uns entgegenkommende Autofahrer rufen aufgeregt ,,Hay un paso!!!'' (Es gibt einen Durchgang!). Wunderbar! Schön blöd die Leute, die eben noch in einen der Minivans oder Kleintransporter gestiegen sind. Nach rund 500 Metern wars das dann aber leider auch schon wieder mit den Hochgefühlen, denn der Durchgang wurde anscheinend wieder zugemacht. Stillstand. Wir setzen uns mit Schrippe, Avocado und unserem Besteck an den Straßenrand und frühstücken erstmal eine Runde unter neidischen Blicken der anderen Reisenden.

Dabei können wir die Papageien und andere Vögel, die über unsere Köpfe hinwegfliegen beobachten. Wir sind ja wieder quasi im Dschungel von Bolivien. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass wir normalerweise jetzt schon längst in Santa Cruz angekommen wären. Aber aus irgendeinem Grund hatten wir noch ein bisschen an Verpflegung über. Und auch Wasser hatten wir noch ca. einen Liter. Also wenn das nächste mal so in drei Stunden vielleicht aufgemacht wird und wir durchkommen, dann könnten wir es bis Santa Cruz schaffen ohne größere Schwierigkeiten mit der Verpflegung zu bekommen.
10 Uhr. 11 Uhr. 12 Uhr. 13 Uhr. 14 Uhr. Nichts passiert und der Hunger quält einen doch so langsam. Eine Avocadoschrippe zum Frühstück sättigt halt auch nicht so lange. Noch schlimmer: Wir haben nur noch wenig Wasser und weit und breit isr nichts zum Einkaufen. Nur ein kleiner vollkommen mit Plastikmüll verdreckter Bach, aus dem sich die Einheimischen schon verdienen. Wenn wir allerdings daraus trinken würden, müsste vermutlich innerhalb von einer Stunde ein Rettungshubschrauber kommen, um uns wegen einer Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus zu bringen. Vorausgesetzt, es gibt hier überhaupt Rettungshubschrauber...
Ein wenig Später kommt dann endlich jemand vorbei, der die Chance gewittert hat und verkauft für einen Schmalen Taler ein kleines warmes Mittagessen aus der Schubkarre. Nur Minuten später kommt ein Eisverkäufer vorbei, deren Dienste wir ebenso gerne in Anspruch nehmen. Ein Hochgefühl! Endlich wieder was in den Mägen!

Doch auf dieses Hoch folgt ein psychisches Tief, denn auch in den nächsten drei Stunden passiert rein gar nichts und wir bekommen langsam echt Panik wegen unserer Wasserversorgung. Wir gehen mittlerweile davon aus, auch die kommende Nacht im Bus zu verbringen. Allerdings war es tagsüber zum Glück schon wieder relativ warm, da wir nicht mehr so hoch waren und wir die elenden Stunden nicht noch in der Kälte verbringen müssen. Dementsprechend brauchten unsere Körper auch Wasser und wir hatten keins mehr. In so einer hilflosen Situation waren wir noch nie: Das dreckige Bachwasser trinken und eine weitere schwere Lebensmittelvergiftung riskieren oder weiter durstig sein? Wenn wir hier noch bis morgen stehen, dann werden wir auf jeden Fall eine verdammt durstige Nacht vor uns haben. Es ist gerade mal 15 Uhr und wir haben kein Wasser mehr. Die Sonne haut erbarmungslos herunter und man kann sich mit nichts von dem Gedanken des Wassermangels ablenken. Nur der Gedanke, dem Busfahrer richtig fett eine ins Gesicht zu kleben und ihn anzubrüllen, warum er so fahrlässig Menschen in solch eine Situation bringt, verschafft uns Genugtuung. Man könnte an dieser Stelle vermuten, dass wir mit latenten Aggressionsproblemen zu tun hatten, aber wie gesagt, wir standen mittlerweile seit gut zwölf Stunden an der selben Stelle in der prallen Sonne, hatten mit realen Problemen zu kämpfen und unsere Psyche hatte etwas verrückt gespielt. Es ging hier teilweise um Existenzängste. Das mag zwar etwas komisch klingen, aber so war es nunmal in dieser Situation. Allerdings muss man auch das Gute an der ganzen Sache sehen: Es war warm! Und das wollten wir ja schließlich. 
Um 17 Uhr rum kam dann endlich ein Mädel mit einer Schubkarre voll Getränke vorbei. Die Erlösung!!! Wir deckten uns sofort mit einigen Flaschen ein. Sie verlangte nur fünf Bolivianos pro halben Liter Wasser. Wir hätten auch 50 bezahlt! (Zum Glück hatten wir in Cochabamba nochmal Geld abgehoben, weil eigentlich hätten wir ja keins mehr gebraucht bis zur Brasilianischen Grenze, aber wir sageten uns vielleicht passiert ja noch ein Notfall und da haben wir lieber etwas - Touché!)
Jetzt hatten sich unsere Nerven wieder ein wenig beruhigt und es wurde auch so langsam dunkel, sodass wir zusammen mit anderen verbliebenen Fahrgästen ein Feuer am Straßenrand entfachten und ein wenig mit ihnen sprachen. Um 21 Uhr kamen auf einmal wieder Autos aus der entgegengesetzten Richtung und riefen wieder ,,Hay paso! Hay paso!'' Jawolla! Es geht weiter. Alle in den Bus! Und tatsächlich, nur einige Male blieb der Bus noch stehen. Ansonsten ging es Problemlos weiter Richtubg Santa Cruz und wir schliefen ein.


Um drei Uhr morgens kamen wir dann am Terminal in Santa Cruz an. Mist! Das war die schlimmste Situation, die wir uns ausmalen konnten. Lieber hätten wir die Nacht nochmal im Bus auf der Straße verbracht, anstatt mitten in der Nacht in einer riesigen uns unbekannten Stadt zu stranden. Was willste denn da machen? Alles hat zu, man kennt sich überhaupt nicht aus, weiß nicht wohin und nur wenige Menschen sind auf der Straße unterwegs. Da ist es eine äußerst schlechte Idee, mit Sack und Pack verwirrt durch die Straßen zu ziehen und nach einer Unterkunft zu suchen. Die Wahrscheinlichkeit, in solch einer Situation in Südamerika ausgeraubt zu werden liegt bei schätzungsweise 98% und wir übertreiben hier überhaupt nicht: Denn wie es den Anschein hatte, wollten auch die Einheinischen aus genau diesen Gründen nicht den Bus verlassen. Zusammen konnten wir den Busfahrer dann überzeugen, uns bis zum Sonnenaufgang noch im Bus zu lassen. Wenigstens zeigte er Einsicht und ließ uns dies auch tun. Er war auch recht glücklich, nochmal eine Mütze Schlaf zu bekommen. Denn schließlich war er seit 36 Stunden als einziger Busfahrer im Dienst!
Um halb sieben verließen wir dann relativ ausgeruht den Bus und taten was? Die nächste Busfahrt buchen! Juppiii!!! Über Nacht sollte es dan nach Puerto Quijarro gehen (wieder zehn Stunden). Unsere großen Rucksäcke konnten wir bei der Busgesellschaft lassen und nutzten die Zeit bis zur Abfahrt, um Santa Cruz zu erkunden und außerdem hatten wir meeega Hunger. Mit dem Öffibus gings dazu erstmal in Richtung Zentrum. Ein Blick auf die Uhr verrät, es ist mittlerweile 8.30 Uhr. Umso verwundernder war deshalb, dass kein Mensch auf der Straße anzutreffen war und alle Shops, Bäckereien usw. zu hatten. Na toll! Was ist denn jetzt schon wieder los hier?! Nach einer guten halben Stunde hungernd herumirrend entdeckten wir einen Supermarkt, der sogar offen hatte. Dann gibts halt nur Schrippe mit Tomate zum Frühstück. Als Ort muss dafür der hübsch anzusehende zentrale Platz herhalten. So langsam kamen auch die Menschen aus ihren Löchern gekrochen und es kam ein bisschen Leben in die Stadt: Erste Schuhputzer bauten ihre Stände auf und Maisverkäufer bezogen Stellung, um Kinder und Touristen mit Taubenfutter zu versorgen, denn von diesen Luftratten gab es hier jede Menge! Aber es war lustig zu beobachten, wie die ganzen Menschen vollgekackt wurden und wie die männlichen Tauben ihren Baltztanz vor den Damen aufführten, welche sich davon jedoch nicht beeindrucken ließen.


Einen Kaffee genossen wir noch in einem der nun offenen Restaurants am Platz und nutzten gleich das Internet, um uns über mögliche Streiks zu informieren. So wie es aussieht sind keine weiteren angesetzt. Aber wir werden sehen...
Den restlichen Tag verbrachten wir lesend im Park und durch die schönen Gassen der Kolonialstadt flanierend. Aber die ganzen Shops und Einkaufsmöglichkeiten waren immernoch geschlossen. Warum denn das? Es ist doch nur ein stinknormaler Donnerstag?! Am Markt fragten wir einen Fruchtsaft genießend eine Standverkäuferun, welche meinte, dass hier Neujahr gefeiert wurde! Aaaahhhh!!! Ja klar, es istder 21.06. - Sommersonnenwende! Ist irgendwie auch viel logischer, an diesem Tag Neujahr zu feiern als an einem willkürlich gewählten Wintertag.
So, in drei Stunden fährt der Bus los. Also nochmal was essen und dann zurück zum Busbahnhof. Da bietet sich doch BurgerKing an, um schnell etwas zwischen die Zähne zu bekommen, denn das restliche Angebot scheint ganz schön überteuert. Bitte was?! Ein blöder kleiner Burger 14 Bolivianos? Das sind fast vier Euro!!! Doppelt so teuer wie in Deutschland! Wütend und hungrig verlassen wir diesen Kommerztempel und suchen uns günstigere Alternativen in Busbahnhofsnähe.
Gesättigt mit einem günstigen Mahl setzen wir uns dann in die Bahnhofshalle und beobachten ein paar weiße Familien mit Hemden, Latzhosen und Cowboyhüten. Von denen haben wir doch schonmal gehört! Das sind diese Deutschen, die irgendwo in Paraguay völlig abgeschieden leben und nur zum Einkaufen mal nach Santa Cruz kommen. Das Interesse beruhte auf Gegenseitigkeit, denn wir beobachteten die wie aus alten Filmen aussehende Bauern und diese uns, wenn wir mit dem Telefon oder einem Buch über schwarze Löcher dasitzen. Denn diese leben wie die Armisch völlig abgeschieden von Technik. 
Die Übernachtfahrt nach Puerto Quijarro verlief dann zum Glück ohne größere Geschehnisse. Nur Josis Sitz hatte leider ein Eigenleben und stellte sich immer wieder auf die übergerade Ausgangsposition zurück. Halbwegs ausgeruht nehmen wir zusammen mit einer anderen Deutschen aus dem Bus ein Taxi bis zur Brasilianischen Grenze. Da es noch recht früh ist und die Grenze erst um acht Uhr aufmacht, stehen wir zwei Stunden erstmal nur dumm rum. Als wir dann endlich in das Gebäude kommen, hat Bolivien mal wieder für einen absoluten Knaller gesorgt: Um ausreisen zu dürfen, müssen Einhemische 18 und Ausländer 158 Bolivianos bezahlen. Das sind gut und gerne 20 Euro! Davon kann jeder von uns zwei Tage leben! Haben die ein Ei am Wandern?! Na wir werden mal sehen, ob wir uns da nicht dran vorbeimogeln können. Gekonnt schlängeln wir uns zu den Stempeltypies vor. Bumm! Den Stempel haben wir schonmal. Jetzt noch an der Kasse vorbei und siehe da! Keiner hält uns auf. Mit schnellen Schritten gehen wir rüber nach Brasilien, falls die es sich doch nochmal anders überlegen und Zack! Zweiter Stempel. Da wussten die Bolivianer wohl selbst, dass das nicht so ganz legal war, was die da abgezogen haben. Es gibt aber bestimmt genug Leute, die das ohne zu hinterfragen einfach bezahlen...
Um unseren Plan, nach Bonito zu fahren, mussten wir erstmal zum Terminal von Corumbá. Hier stellten wir allerdings fest, dass nur einmal am Tag um sechs Uhr morgens ein Bus fährt. Also laufen wir mit Sack und Pack mal wieder in die Stadt rein und suchten ein Hostel. Moment mal. Sind wir hier in Brasilien oder in einem Vorort von Miami? Eigentlich hatten wir keine große Veränderung zu den restlichen Ländern in Südamerika erwartet. Aber anstatt TucTucs, abgeranzten Autowracks, Straßenverkäufern, Bettlern, herumhängenden Kabeln, vermüllten Straßen und totalem Verkehrschaos fanden wir mega breite Straßen, gepflegte Autos (sogar mit Anschnallgurten), große Geländewagen, freundliche Menschen, Einfamilienhäuser und allgemeine Sauberkeit vor. Wahnsinn. Sowas haben wir seit sieben Monaten nicht mehr gesehen. Es gibt hier sogar Bushaltestellen für den öffentlichen Nahverkehr anstatt herumbrüllender Busfahrer, die ihr Fahrtziel anpreisen. Man könnte tatsächlich meinen, dass wir in einem Erste-Welt-Land gelandet sind.


Die Hostelsuche verlief recht Problemlos. Bei einem Bierchen in einem Tienda fragten wir den Besitzer einfach, ob er weiß wo ein Hostel ist und tadaa! Schräg gegenüber wurden wir fündig. Nur ein Haken hatte das ganze, nämlich der Preis. Die wollten allenernstes 40 Reales (zehn Euro) pro Person haben. Da ist wohl Verhandeln angesagt. Eine gute Viertelstunde sitzen wir mit der älteren Besitzerin an einem Tisch und versuchen, den Preis zu drücken. Dabei sprachen wir auf Spanisch und sie auf Portugisisch. Eigentlich ganz lustig, dass man den jeweils anderen dennoch versteht. Aber eigentlich auch nicht weiter verwunderlich, da Portugisisch wie eine Mischung aus Spanisch mit Argentinischem Dialekt und Französisch ist. Hört sich ehrlich gesagt an wie der kleine retardierte Bruder von Spanisch. Lange Rede kurzer Sinn: Am Ende kommen wir auf 25 Reales pro Person, was OK ist. Dabei stellten wir als knallharte Verhandler deutlich heraus, dass doch bitte das Klopapier inkludiert sein möchte, was uns ein bis zwei verdutzte Blicke einbrachte. Ist hier anscheinend Standard, aber man weiß ja nie.
Corumbá selbst hat nicht viel zu bieten, ist aber bekannt für sein wunderschönes Umland: Das Pantanal mit seinen vielen Tieren.
Den Abend verbringen wir Brahma trinkend auf der Veranda des Hostels. Nach kurzer Zeit gesellten sich zwei Russen zu uns und mit Google-Übersetzer kam sogar eine Art Gespräch zustande. Überraschend neugierig fragten uns die beiden über normale Alltagsdinge in Deutschland aus. Zum Beispiel wie hoch der Zinssatz bei einer Hypothek ist (in Russland 50%!!!). Das Ende vom Lied war dann, dass die beiden wegen der Unzufriedenheit mit Putin usw. nach Deutschland auswandern wollten. Wir haben ihnen Marzahn-Hellersdorf empfohlen.
Um vier Uhr am nächsten Morgen klingelte der Wecker und wir machten uns auf zum Busbahnhof. Das Busticket für die sechsstündige Fahrt kostete 100 Reales (25 Euro), was im Vergleich zu den vorherigen Ländern absoluter Wucher ist! Normalerweise hätte man nicht mehr als fünf Euro bezahlt. Aber die höheren Preise gehen wohl zwingenderweise mit dem gehobenen Lebensstandard einher...
Die Busfahrt nach Bonito war atemberaubend. Links und rechts von der Straße war ein Termitenhügel neben dem anderen und man hat viele verschiedene Vögel gesehen, unter anderem Túcans: Das sind die mit dem riesigen bunten Schnabel.
In Bonito quartieren wir uns dann für drei Nächte in einem günstigsten Hostel ein. Es befindet sich hinter einem Pub, was vermutlich auch den Preis erklärt. Aber hier kann man es auf jeden Fall aushalten. Vor allem freuen wir uns darauf, endlich mal wieder zu schlafen! Die drei Nächte im Bus und heute früh aufstehen haben ihre Spuren hinterlassen, denn anstatt 30 Stunden haben wir insgesamt 60 Stunden im Bus verbracht.


Den restlichen Tag nutzten wir, um uns über hiesige Aktivitäten zu informieren. Das war ja in den letzten Tagen auf Grund des erschwerten Internetzugangs nicht möglich. Zu unserem großen Entsetzen stellten wir fest: Man kann viele Touren in die Natur machen. Da wir jedoch keine sonderlichen Fans von Touren sind, erkundigten wir uns darüber, was man denn ohne Tour machen kann. Es folgt die Anzahl der Dinge, die auf eigene Faust in der Natur unternommen werden können: 0.
Der Grund ist der hier herrschende Ökotourismus. Das bedeutet, dass man die Natur durch Kontrolle des Tourismus erhalten möchte. Berechtigt, aber man wird ja wohl noch ohne Begleitung durch den Wald latschen dürfen?! Nein. Na gut. Wie viel kostet denn so eine Tour? Viel. Na toll. Was ist das denn jetzt fürn Mist?! Erst die teure Busfahrt und jetzt auch noch sowas. Sind wir jetzt völlig umsonst hierhergekommen? Das kanns ja wohl auch nicht sein. Wir entschließen uns, an der günstigsten Schnorcheltour teilzunehmen. Dazu ging es den kommenden Tag zum Fluss Sucurí, welcher der drittklarste Fluss der Welt ist.

Um zehn Uhr geht es am nächsten Morgen zum besagten Fluss. Hier müssen wir erstmal eine Stunde warten, bis wir in das Wasser dürfen, denn auf Grund des Ökotourismusses dürfen nur eine bestimmte Anzahl von Leuten zur gleichen Zeit in den Fluss. Die Zeit verbringen wir damit, die riesigen Fische im Wasser zu beobachten, die gegen die Strömung anschwimmen. Hier ist nämlich kein normales Schnorcheln möglich, sondern wir lassen uns von der Strömung treiben.

Nach der Warterei dürfen wir endlich in die Neoprenanzüge schlüpfen und auf geht es in das Wasser. Der Guide gibt uns noch einige Instruktionen, aber wir verstehen nur Bahnhof, denn alle sprechen ausschließlich Portugiesisch. Weder Spanisch noch Englisch kann uns hier helfen. Aber egal, wir werden einfach alles nachmachen, was die anderen machen. So fragt unser Guide, wer denn noch nie eine Taucherbrille aufhatte. Da sich alle melden, melden wir uns auch, da wir vom Gegenteil ausgegangen sind. Prompt erklärt der Guide, wie man denn eine Taucherbrille benutzt... Naja ok. Nun geht es endlich los und wir paddeln mit einem Kanu gut 1,5 km Stromaufwärts, die wir uns später zurück treiben lassen werden. Die Natur ist wunderschön und sogar ein kleines Äffchen zeigt sich uns am Ufer. Da einige Teilnehmer Angst haben, dass wenn sie das Paddel zu doll in das Wasser tauchen, es kaputt gehen könnte, müssen wir umso mehr Kräfte aufbringen, um das Kanu voran zu bringen. Aber nach der Quälerei geht es endlich in das erfrischende... nein, scheiß kalte Wasser! Jetzt verstehen wir auch die Neoprenanzüge. Das Wasser besitzt gefühlt nicht mal 20 Grad und so sind wir gar nicht mehr so traurig, dass es nur eine Stunde ist, die wir uns treiben lassen können. Aber die Sicht ist dafür unglaublich, auch wenn dss auf den Bilden nicht so rüberkommt. Wir treiben an riesigen Fischen vorbei, an spannenden Vegetationsstrukturen und vielen mehr.

Uns kommt eine andere Gruppe entgegen und verkündet, dass ein paar Meter Flussabwährts gerade eine riesige Boa sei. Wir versuchen, sie ausfindig zu machen, aber sehen leider außer viel Gestrüpp nichts. Unser Guide versucht uns noch zu zeigen, wo sie ist, aber für unsere ungeschulten Augen bleibt sie außer Sichtweite. Zurück im Hostel wärmen wir uns erstmal unter einer warmen Dusche auf und lassen den Abend mit ein paar Caipirinhas ausklingen. 

Den letzten Tag in Bonito verbringen wir damit, unsere nächsten Ziele ausfindig zu machen und endlich mal Wäsche zu waschen! Das Hostel besitzt leider keine Waschmaschine aber wenn wir unsere Wäsche mit der Hand waschen, müssen wir nichts bezahlen. Also Ärmel hochgekrempelt und losgewaschen. Das Waschbecken ist sogar schon recht modern, denn das Waschbrett ist in der Waschschüssel bereits integriert! Da hat Erik aber nochmal Glück gehabt, dass er seinen Bauch nicht hinhalten musste. Kleiner Scherz am Rande. Ansonsten heißt es früh schlafen gehen, denn Morgen geht es nach Rio de Janeiro!!

La Paz 17.06. - 19.06.2018

Montag, 25.06.2018
 
Nach den schönen Tagen verlassen wir Copacabana und ziehen weiter nach La Paz, der heimlichen Hauptstadt von Bolivien. Um hier eine Höhenangabe machen zu können, muss man definieren, wo man gerade ist. Ist man im Stadtzentrum, so befindet man sich auf ca. 3200 m. Ist man jedoch in El Alto, also am Rande des Kessels, ist man auf etwas mehr als 4000 m. Der größte Höhenunterschied innerhalb einer Stadt auf der ganzen Welt! Jedoch gilt hier: Umso höher du wohnst, desto geringer ist dein Einkommen und dein Lebensstandard. So suchen wir uns im Stadtzentrum ein Hostel, denn mit geringerem Lebensstandard sinkt auch die Sicherheit. Aber wer denkt, dass es im Tal alles planar ist, liegt falsch. Auch hier führen steile Wege zum Ziel und unsere Beinmuskulatur wird nach dem kurzen Ausfall wieder beansprucht. Da es schon Nachmittag ist und es langsam bitter kalt wird, wollen wir nur noch schnell auf dem Markt einkaufen. "Nur schnell einkaufen" kann man hier jedoch vergessen. Das Marktgebäude ist rrriiiiieeeesssiggg. Bis zu vier Stockwerke ziehen sich durch das Gebäude und jede davon hat große Ebenen mit vielen kleinen Gassen. Fündig werden wir nur leider nicht, denn es sind nur vereinzelt kleine Hüttchen mit lauter Schnickschnack von Kopfhörern bis Glühlampen offen. Passt jetzt nicht so zu unserem Abendessen. Dann müssen wir also auf den überteuerten Supermarkt zurückgreifen. Hier wird uns auch klar, warum die Menschen hier so schlechte oder nicht vorhandene Zähne haben. Eine Packung mit EINER Zahnbürste kostet umgerechnet ca. vier Euro! Bei dem geringen Einkommen würden wir dann auch lieber gleich in die dritten Zähne investieren.
Im Hostel ist es Abends mal wieder arschkalt und so versuchen wir, etwas wärme durch das Kochen zu erhalten, was jedoch nur halbwegs funktioniert. Also schnell ins Bett und mit den vorhandenen vier Decken einmuckeln. 


Am nächsten Tag fahren wir mit dem Teleférico (einer Stadt-Seilbahn) nach El Alto, um einen Überblick über die riesige Stadt zu erhalten. Auf dem Weg zum Rand des Kessels schweben wir über einer Art Stadt in der Stadt dahin. Was ist das? Beim näheren Hinschauen, erkennt man riesige Mausoleen, die sich über mehrere Stockwerke ausbreiten. Bis zu vier oder fünf Etagen haben die Massengräber und es sieht durch die Blockbauweise und den verwelkten Blumen etwas nach Marzahn aus. Hier scheint der zentrale Friedhof zu sein, wo wahrscheinlich nur reiche Leute ihr eigenes Grab erhalten. 


In El Alto (zu dt.: die Höhe) angekommen, gönnen wir uns einen leckeren Orangensaft, bei einer kleinen Verkäuferin und lassen kurz die Seele baumeln. Nur hier gibt es nichts weiter zu sehen und so machen wir uns wieder auf den Rückweg in das Tal. Am Nachmittag besuchen wir noch den Hexenmarkt, der von Lamaföten in verschiedensten Geburtsstadien bis zu Potenzmitteln alles hat. Selbst Kräuter gegen "böse Blicke" soll es hier geben. Beim weiteren Schlendern durch die Gassen stoßen wir durch Zufall noch auf einen "Straßenmarkt". Also eher mehrere Straßen, die vollgepackt mit Waren sind. Hier gibt es mannsgroße Säcke mit süßem Zeug drin, Shops mit den hiesigen Trachten und natürlich sämtlichen anderen Kram. Also alles, was man irgendwie verkaufen kann. 


Am Abend gibts wieder unsere Leckeren Tortillas mit Reis, die mit interessierten Blicken der anderen Hostelbewohner begutachtet werden. Jammi! 
Unser nächstes Ziel sollte eigentlich die Salzwüste von Uyuni werden. Nur durch ein paar Recherchen stoßen wir auf Tourenpreise, die ganz und gar nicht in unser Budget passen. Die Touranbieter verlangen mehrere Hundert Euro, allein für die Fahrt. Der Eintritt in das Reservat und die Wüste, der ebenfalls horend teuer ist, ist dabei noch nicht mit einbegriffen. Dazu berichtigen einige, dass die Nächte in der Wüste bis zu -20 Grad werden können und man nur in einem Bretterverschlag unterkommt. Zusätzlich erfahren wir durch zwei Mädels, die wir immer mal wieder auf der Reise getroffen haben, dass die Wüste derzeit wahrscheinlich gar nicht passierbar ist, da alles Schneebedeckt sei. 
Alternativplan? Uns ist kalt, die Leute sind nicht wirklich nett (obwohl wir in La Paz postiv überrascht wurden) - Nach Hause fahren? Wir spielen ernsthaft mit den Gedanken.
Aber wo ist es warm und wo können wir mit dem knappen Zeitlimit noch hin? BRASILIEN!

Nach ein paar Recherchen
werfen wir alles übern Haufen und entscheiden, dass es Morgen nach Brasilien geht. Wie wir da hin kommen? Wir haben einen groben Plan, der mehr als 30 Stunden Busfahren beinhaltet aber dazu mehr, wenn wir den Ritt hinter uns haben. 

 

Titicacasee 11.06. - 17.06.2018

Donnerstag, 21.06.2018

Nur noch fünf Wochen!!! Jetzt heißt es, alles nochmal mitnehmen, was geht auf den letzten Metern. Leider fühlte sich da auch eine kleine Lebensmittelvergiftung mit angesprochen, die wir uns in Puno zugezogen haben... Zum Glück konnten wir zuvor noch die schwimmenden Uro-Inseln sehen. Dazu haben wir uns auf dem Weg zum Hafen an den ganzen Tourenanbietern vorbeigeschlängelt, um auf eigene Faust per Kollektivo da rüberzutuckern. Samt Eintritt kommen wir so auf ca. vier Euro pP. Nach nur einer halbstündigen Bootsfahrt unter gequatsche mit einem anderen Deutschen Pärchen (die allenernstes 43 Dollar für Wäsche waschen bezahlt haben - schön blöd!) kommen wir in dem Dorf an. Ja, man kann schon von einem Dorf reden, denn links und rechts von der Einfahrtsschneise sind 98 komplett aus Schilf gebaute Inseln, die 4000 Menschen beherbergen. An einer der Inseln machen wir Stop und steigen aus. Sofort kamen die Frauen und Kinder aus den Häusern und der selbsternannte ,,Präsident'' der Insel heißt uns mit einer gar nicht mal so spannenden halbstündigen Rede willkommen. Dabei erklärt er den Aufbau der Inseln und dass hier nur Quechua und Aymara gesprochen wird.

Zwischendrin macht er immer wieder auf seinen ,,Mercedes'' aufmerksam: Ein aus Schilf bestehendes Bötchen, auf das er uns anschließend einladen wird. Doch zuvor dürfen die Frauen ihren Schmuck, Deckchen und sonstigen Krimskram unterbreiten. Ausnahnsweise entscheiden wir uns für eine schicke Holzkette, da Josis letztens kaputt gegangen ist. Wir lassen uns sogar dazu breitreden, mit dem Mercedes mitzufahren, nachdem der Stammeshäuptling und die Obermutti bestimmt zehn Minuten auf uns eingeredet hatten und um die Hälfte vom Ursprungspreis runtergegangen sind. Wirklich spektakulär ist das nun nicht gerade, denn anstatt zehn stramme Wikinger treibt ein Motorboot den Schilfhaufen vor sich her. Mit den Wikingern wäre es authentischer gewesen, wie wir finden. Gefahren werden wir auf die Hauptinsel, die eine als ,,Hotel'' umfunktionierte Schilfhütte und ein Restaurante beherbergt. Serviert wird vor allem der letzte verbleibende und verseuchte Trucha (ein Fisch). Wir verzichten dankend und spazieren lieber nochmal über die Inseln und lassen anschließend die Beinde vom Schilfufer baumeln. Es ist übrigens ganz lustig, auf dem Schilf zu laufen, denn trotz ca. einem Meter Dicke sinkt man ab und zu gut 20 Zentimeter ein - ein etwas seltsames Gefühlt.
So langsam haben wir dann aber auch die Schnauze voll von der ganzen Tourieshow hier und wollen zurück aufs Festland, wo wir uns dann die günstigere aber krankheitbringende Mahlzeit einverleiben. Naaa toll. Eigentlich wollten wir in dieser nun wirklich nicht schönen und völlig überteuerten Stadt nur eine Nacht bleiben, sind nun aber gezwungen, noch zwei Nächte ranzuhängen, bevor es weitergehen kann. Das heißt dann wohl auch, der niemals lächelnden Hausherrin noch zwei Nächte zu bezahlen, obwohl wir ihr das Geld bei der Unhöflichkeit echt nicht gegönnt hätten... Die nächsten zwei Tage ist also hochfrequentes routieren zwischen Bett und Klo angesagt. Bei nächtlichen Temperaturen von minus zwei Grad und durch die fehlende Wärmeisolierung der Fenster geschweige denn einer Heizung resultierende Raumtemperatur um die fünf Grad wird ebendieses Routieren zu einem echten Krampf. Duschen? Müsste man auch mal machen. Man hat die Wahl zwischen zwei Einstellungen: Tröpfelnd pupslau oder Eiswürfel. Wir entscheiden uns natürlich für erstere Variante. Jedoch ist der Strahl so mau, dass uns da, wo das Wasser entlangfließt mehr oder weniger warm wird, Stellen, die vom Wasser nicht benetzt werden aber fast abfrieren. Dementsprechend schlittern wir wohl nur haarscharf an einer Erkältung vorbei. Als bei Josi wieder die Magenkrämpfe anfingen und das mit dem Durchfall kein bisschen besser wurde, gingen wir zu einer Apotheke, um Pillen gegen beides zu holen. Allerdings muss man da der wahrscheinlich nicht vorhandenen Kompetenz der Verkäuferin trauen, da man nur die Pillen ohne Verpackung oder Verpackungsbeilage bekommt. Na gut. Hauptsache, es hilft! Und tatsächlich, den nächsten morgen fühlen wir uns fit genug, um endlich dieses Loch in Richtung Copacabana zu verlassen. Von der Copacabana hat wahrscheinlich schon jeder einmal gehört: Halbnackte Männer und Frauen, Caipirinha und Samabamusik! Jap, genau. Zu dieser Copacabana fahren wir nicht. Sondern zu der am Titicacasee auf kalten 3.800 Metern in Bolivien. Anstatt hübscher Menschen und Sambamusik gibt es hier kleingewachsene zahnlose Bolivianer und nerviges Chinesisch anmutendes Gejaule und Gedudel. Aber wir wollen uns nicht beschweren. Tagsüber kann man es schon in der Sonne aushalten und hässlich ist es hier auch auf keinen Fall.

 

Bevor wir allerdings die Copacabana genießen können, kommt der Grenzübergang nach Bolivien. Bereits vorab sammelte der Busfahrer zwei Soles pro Person ,,Eintritt'' ein. Alle bezahlten diese schön brav, doch wir wollten diese lieber erst an der Grenze bezahlen, anstatt irgendein Gequatsche von Eintritt zu glauben. Wir vertrauen hier niemandem! Alle wollen nur unsere Kohle! An der Grenze dann die Überraschung: Keiner will Geld. Dafür steigt allerdings ein paar Minuten später ein älterer Mann in den Bus und verlangt EINEN Sol, nicht zwei, pro Person. Der Busfahrer bezahlt für alle (außer uns - hat er wohl vergessen) und steckt sich das übrige Geld wohl selbst in die Tasche. Alles Verbrecher hier. Wir recherchieren diesen Sachverhalt später und finden heraus, dass es tatsächlich eine nicht ganz legale Eintritts- und auch eine Austrittsgebühr gibt. Naja, wir sind fürs erste drum herumgekommen.

Auf blauen Dunst suchen wir uns ein Hostel vor Ort, da im Internet alles völlig überteuert war. Im Algas del Titicaca werden wir fündig: Für den halben Preis (drei Euro) bekommen wir ein Privatzimmer mit Toilette und Seeblick inklusive völlig genervtem Personal. Mit den Menschen hier haben wir aber auch wirklich kein Glück. Wir regen uns so oft über diese Leute auf, dass wir aufpassen müssen, nicht zynisch zu werden. Hier nur ein paar Beispiele: Während die berüchtigte Berliner Unfreundlichkeit wohl eher missverstandene Ironie oder Sarkasmus ist, resultiert die Peruanisch-Bolivianische Unfreundlichkeit wohl eher aus purem Hass und Ignoranz, denn in Berlin kriegt man auf ein Hallo wenigstens irgendein Gebrumme zurück und hier wird einem eher noch vor die Schuhe gerotzt oder man wird ganz ignoriert.
Ein weiteres Beispiel: Wir wollten fragen, ob bei unsere Gastgeberin das Wifi funktioniere, da es bei uns zwar da war, aber kein Signal ankam. Sie meinte nur, dass es bei ihr funktioniere und knallte uns ohne Weiteres die Tür vor der Nase zu. Später stellten wir fest, dass das Wifi einfach nur alle paar Stunden mal funktioniert, man aber nie genau weiß, wann und ob. Wir tauften es ,,Schrödingers Wifi''. Achja, und Klopapier hat man hier gefälligst selber zu kaufen. Den restlichen Tag nutzten wir, um uns über die Menschen hier aufzuregen und gleichzeitig die Schönheit der Natur zu bewundern, denn etwas vom Paradies hat der riesige von Bergen umgebene See schon, auch wenn die Leute hier nicht wirklich Bewusst mit dieser Schönheit umgehen und alles verdrecken.
Muy temprano nos levantamos el próximo mañana, porque queremos ir a la isla del sol. Pero que es esto?! La Lancha ya se fue! AYAYAY!
Oh, da hat sich wohl der Spanischteufel eingemischt. Auf gut Deutsch: Wir wollten am nächsten morgen zur Isla del Sol und sind deswegen schon früh aufgestanden. Allerdings war das Boot schon längst weg, als wir im Hafen ankamen. Der Grund: Wir hatten überhaupt nicht auf dem Schirm, dass in Bolivien die Uhren anders ticken als in Perú. Also waren wir quasi eine Stunde zu spät dran, was einen am Hafen herumlümmelnden Opa zur Belustigung verholf. Aber er war wenigstens nett und hat uns darauf hingewiesen. Der erste nette Bolivianer, den wir bisher getroffen haben. Man könnte ihn den Quotenbolivianer nennen. Um den Tag nicht völlig zu verschwenden nutzen wir unsere neu erlangten Kräfte, um den Hügel neben der Copacabana zu erklimmen. Es dauerte nicht lange und schon hatten wir wieder einen hundlichen Begleiter. Die 200-300 Meter bergauf waren dann allerdings doch kräfteraubender als gedacht, denn so ganz auf dem Damm waren wir immernoch nicht.

Als wir nach einer guten halben Stunde endlich oben ankamen stellte sich der Hügel als Friedhof heraus, der allerdings eine wunderbare Aussicht auf die Bucht gewährte. Eine gute viertel Stunde verweilten wir hier, bis uns die Rückstände der Lebensmittelvergiftung dann zwangen, den Rückweg anzutreten...
Den Nachmittag verbrachten wir Kaffee trinkend und lesend an der Promenade in der Sonne. Wobei das mit dem Kaffee stellte sich als gar nicht mal so einfach heraus: Unsere erste Wahl war ein Restaurant mit Dachterrasse, wo man besagtes Heißgetränk für zehn Bolivianos (1.25 Euro) bekommen konnte. Also ganz schön teuer eigentlich. Aber man bezahlt ja die Aussicht auf den See und die überall herumhängenden Stromkabel mit. Bereit, diesen stolzen Preis zu zahlen machten wir es uns gemütlich und nutzten sogleich das zuverlässigere W-Lan. Als dann der ,,Kaffee'' kam, merkten wir sogleich, dass etwas nicht Stimmt: Man konnte den Boden der Tasse sehen! Das darf doch wohl nicht wahr sein. Also gleich den Kellner rangeholt und ihm freundlich gesagt, dass er sein ,,agua moreno'' (braunes Wasser) gleich wieder mitnehmen könne. Hat er dann auch schnell selber eingesehen, dass das so nicht geht und kam sogleich mit einer dunkleren Flüssigkeit zurück. Na geht doch! Eine Kostprobe verriet auch: Ja, es ging in Richtung Kaffee, allerdings eher der von Gestern, denn er war kalt wie Josis Füße seit ca. einem Monat. Also seeehr kalt! Es kann doch nicht so schwer sein, einen schönen heißen starken schwarzen Kaffee herzurichten! So jetzt reichts, er hatte seinen zweiten Versuch. Sachen gepackt, unten am Kassierer vorbei und gesagt, dass er den Kaffee oben gerne selber trinken könne und ohne zu bezahlen abgehauen. Sowas haben wir auch noch nie gemacht...
Eine Ecke weiter finden wir einen Laden mit einer Kaffeemaschine und bestellten sogleich ,,un café caliente, negro, fuerte y hermoso'', welchen wir dann zum Glück auch unter einem Lächeln des Kellners bekamen. Dieser meinte dann auch, dass ,,die hier alle keine Ahnung vom Kaffee machen hätten''.
Jetzt kann der Tag endlich weitergehen. Also das haben wir hier auf jeden Fall gelernt: Ganz genau klarstellen, was man für sein Geld erwartet, denn sonst wird man übers Ohr gehauen. Allerdings bedeutet dies auch ständiges Verhandeln. Und die Leute hier wissen ganz genau, dass es bei Weißen Geld zu holen gibt und geben deswegen gleich völlig überteuerte Preise an und versuchen einen wo es nur geht zu bescheißen. So geht das schon seit Perú und so langsam wurde es ein wenig anstrengend, da man jedes Mal in den Gesichtern sah, dass die Leute sich gerade einen Preis für uns ausdachten. Mag zwar zur Kultur hier dazugehören aber es geht einfach aufn Keks, bei jeder Taxifahrt, bei jedem Einkauf, bei jeder Übernachtung usw. zu Verhandeln. Allerdings kann man hier wenigstens etwas dagegen tun, um nicht verarscht zu werden. In Deutschland wird man ja auch jeden Tag von bspw. der Politik verarscht und kann nichts dagegen tun (wir gucken hier immer fleißig die ,,Heute Show'' und ,,Die Anstalt'').
So! Genug Kaffeeanalysen und Gejammer! Heute geht es auf die Isla del Sol (Sonneninsel), der angeblichen Geburtstätte der Inka. Die Uhren sind umgestellt und das Boot liegt noch im Hafen. Also los! Unter Geblubber der Fähre geht es mit gut zwei km/h Richtung Sonneninsel. Kein Wunder, dass wir bei dem Tempo gut zwei Stunden brauchen. Da überholen uns ja sogar die Rentnerenten schwimmend!
Aber egal, als wir endlich an der Anlegestelle ankamen, war die Fahrt in den für kleine Bolivianer ausgelegten Sitzen fast vergessen. Vor uns erhob sich ein riesen Hang, den es nun zu erklimmen galt. Vorbei an unzähligen Terrassen (die Inka haben die Hänge Terrassenförmig gestaltet, um sie besser beackern zu können) ging es bergauf, durch das kleine Dörfchen hindurch und an mehreren Aussichtspunkten vorbei. Da die Bilder wahrscheinlich mehr sagen als 1000 Worte, belassen wir es dabei und genießen den Ausblick über den von Bergen und Gletschern umgebenen See.

 

Da der Norden der Insel auf Grund hoher Aggressivität gegenüber Touristen gesperrt ist, hat es sich jetzt auch schon ausgewandert und wir suchen eine Gelegenheit zum Mittagessen. Auch hier werden wir Zeuge der bolivianischen Unhöflichkeit. Da uns der Hunger plagt, setzen wir uns in eins der geöffneten Restaurants. Es gibt gefühlt 100 Restaurants in dem Dorf, die alle angeblich geöffnet haben, jedoch sind die Türen verschlossen. Wir setzen uns und warten darauf, dass jemand von den drei Angestellten unsere Bestellung aufnimmt. Nachdem zehn Minuten immer noch nichts passiert ist, unterbrechen wir unhöflicherweise den Kellner beim Fußball gucken und wollen Nudeln bestellen. Darauf kommt nur ein plumpes ,, Haben wir nicht'' und es wird sich dem Fernseher wieder zugewand. Okay, zweiter Anlauf : Gibt es denn Suppe? Darauf folgt erstmal keine Antwort und der Kellner schaut weirerhin die Partie. Die zwei weiteren Damen, die ganz auf ihre Handys fokussiert sind, erbahmen sich dann doch und geben ohne aufzusehen die Antwort ,, Ja haben wir''. Wow vielen Dank für das Gespräch und die nette Gastfreundschaft. Da sich aber immer noch niemand in Bewegung setzt, entscheiden wir uns, auf das Essen zu verzichten und zu gehen. Es ist schon echt zum Verzweifeln mit den Leuten hier.

Valle Sagrado (Das heilige Tal) - 02.06. - 11.06.2018

Donnerstag, 21.06.2018

Den Vormittag haben wir noch entspannt in Cusco verbracht, bevor wir dann nach dem Mittagessen zum wohl abgeranztesten ,,Busterminal'', den wir bisher gesehen haben, gegangen sind. Von hier aus ging es mit einer Klapperkiste von Bus für einen schmalen Taler ins nördlich gelegene Pisaq. Gleich am Ortseingang fanden wir in einem über einer Pizzeria gelegenen Hostel eine Unterkunft und nutzen den Rest des Tages, um das Örtchen zu erkunden. Ganz schön touristisch hier. Der Hauptplatz besteht nur aus Alpakawollproduktverkaufsständen (herlich die Deutsche Sprache), Pizzaläden und Hippi-Cafés. Da wir die super ausgestattete Küche vom Restaurant nehmen dürfen, wollen wir noch schnell alles für das Abendessen auf dem Markt einkaufen. Dort erwartet uns ein Zwergenaufstand, naja also eine Versammlung von Peruanern, die heiß über irgendetwas diskutieren. Kann schnell verwechselt werden bei der größe und den bunten Kostümen. Aber nun schnell wieder in das Hostel, denn es wird langsam frisch. Während des gesamten Abendessens und auch am nächsten Morgen lief übrigens die Best-of-Panflöte, mit Songs von Titanic bis Robbie Williams. Es ist uns immernoch ein Rätsel, wie die Leute das hier rauf und runter hören können.

Am nächsten Morgen wandern wir gute drei Stunden bergauf an riesigen einsamen Ruinenkomplexen vorbei. Das schöne ist: Wir sind so gut wie alleine. Keine Touristengruppen, die hastig ihrem Guide hinterher rennen, denn hierher kommt man wirklich nur zu Fuß. Nachdem wir auch den letzten steilen Gipfel überwunden haben, kommen wir zur Hauptruine, wo sich auch die ganzen Tourenbusse versammeln. Hierher werden die Scharen an Touristen gebracht. Der eine oder andere hatte wohl auch mit der Höhe zu kämpfen, wie man an den sich Übergebenden am Parkplatzrand erkennen konnte. Dabei sehen die meisten gar nicht die anderen, fast sogar schöneren Ruinen.

Nach einer kleinen Verschnaufspause kehren wir zurück ins Dorf. Dazu nehmen wir jedoch nicht den gleichen Weg zurück über die Berge, sondern gehen eher um den Berg herum, was deutlich weniger anstrengend und zeitsparender ist. In Pisaq schnappen wir unsere Rucksäcke, um weiter nach Urubamba zu fahren.
Nachdem wir dort ein Hostel gefunden hatten, in dem die Kissen noch nach den offenbar sehr stark schwitzenden Vorbewohnern rochen, suchten wir schnell das Weite und wurden direkt um die Ecke für nur einen Euro mehr fündig: Ein sauberes Hostel mit Küche und Internet - keine Selbstverständlichkeit und für uns schon purer Luxus! Hier bleiben wir gerne eine Nacht länger. Um den Luxus zu feiern, begossen wir den Abend mit einem dreiviertel Liter billigsten Rums und lauter Musik. Wir waren ja schließlich fast die einzigen Gäste und wenn es jemandem zu laut geworden wäre, hätte er ja was sagen können.
Mehr oder weniger ausgeruht machen wir uns am nächsten Morgen auf nach Maras, um von hier aus zu den Ruinen von Moray zu kommen. Allerdings fährt nach Moray kein öffentlicher Bus und die Taxifahrer wollen unverschämt viel Geld für die halbstündige Fahrt. Dann soll uns Moray doch egal sein. Ruinen hatten wir eigentlich schon genug... Dann doch lieber zurück nach Urubamba und den restlichen Tag auf der Hosteleigenen Dachterrasse ausklingen lassen.
Vorletzte Station der Valle-Sagrado-Tour ist Ollantaytambo (geht runter wie Öl). Wir spielten kurz mit dem Gedanken, hier zu voluntieren und hatten sogar ein sehr gutes Angebot, allerdings gefiel uns die Stadt an sich nicht, da alles völlig überteuert war. Also quartierten wir uns kurzerhand in der günstigsten Unterkunft ein, die wir finden konnten und erkundeten die zum Teil noch uralte Stadt mit teilweise sehr urigen Hauseingängen (siehe Bild).


Am nächsten Morgen wird dann das eigentlich Highlight Ollantaytambos unter die Lupe genommen: Ein riesiger Ruinenkomplex am berghang. Allerdings fällt es uns mittlerweile schwer, auf jedes Detail zu achten und uns dafür zu begeistern, da wir schon so viele Ruinen gesehen haben. Deshalb nehmen wir kurzer Hand den Bus nach Hidroelectrica. Erst geht es in wahnwitzigen Serpentinen hoch auf 4000 Metern und dann am Abgrund wieder runter auf 2000. Nach geschlagenen fünf Stunden können wir endlich aus dem Bus raus und gönnen uns erstmal eine kräftigende Mahlzeit, bevor wir die elf Kilometer mit sämtlichen 18 Kilo Gepäck nach Aguas Calientes laufen. Warum wir das alles auf uns nehmen? Aguas Calientes ist die Stadt am Fuße des Macchu Picchu und nur zu Fuß oder per Zug erreichbar. Da eine Zugfahrt gut 200 Euro kostet, fällt das weg und wir fahren quasi zur letzten Haltestelle vor Aguas Calientes, nämlich Hidroelectrica, um den restlichen Weg zu Fuß auf den Gleisen zurückzulegen.


Dabei kam man sich vor wie in einem Western: Teilweise völlig alleine laufen wir durch durch den Regenwald an den Gleisen entlang. Nur der Regenwald passt nicht so ins Westernbild und es fehlte einsame Zieharmonikamusik. Stellenweise waren aber auch viele Backpacker unterwegs. Die meisten haben jedoch ihre Sachen in Cusco gelassen und nur das Nötigste mitgenommen, um nicht so viel tragen zu müssen. Wo bleibt da die Herausforderung?! Nein, eigentlich hätten wir es vermutlich auch so gemacht, wenn wir nicht vorher so lange durchs heilige Tal gedümpelt wären. Außerdem hatten wir zuerst gar nicht vor, auf den Matchu Picchu zu gehen, da es noch so viele andere Ruinen gibt. Aber wenn man schonmal hier ist... Und außerdem hatten wir ja unsere internationalen Studentenausweise dabei, weshalb der Eintritt nur 20 anstatt 40 Euro sein würde. Also was solls. Hin da!
Über Brück und über Stein erreichen wir nach gut drei Stunden Aguas Calientes. Um uns lästiges Vor-Ort-Suchen zu ersparen, haben wir schon im Voraus ein Hostel gebucht, das wohl illegaler Weise betrieben wurde, da kein Name draußen dran stand und niemand nach unserem Namen gefragt hat. Aber egal. Es war vergleichsweise günstig. Jetzt schnell noch die Tickets für Morgen kaufen und vielleicht noch ein Belohnungsbierchen hinterher. Am Ticketoffice erfahren wir dann, dass es dem Verkäufer scheißegal sei, dass wir Studenten sind und wir den vollen Preis zahlen müssen. Hätte er das in einem anständigen Ton gesagt, wären wir wahrscheinlich nicht so aus der Haut gefahren. Allerdings regten wir uns die nächsten drei Minuten auf Deutsch, Spanisch und Englisch darüber auf, andauernd beschissen zu werden und wie wir die Menschen hier hassen, arme Studenten so auszunehmen, da dieser internationale Studentenausweis überall sonst in Perú gültig ist. Anscheinend haben wir uns so echauffiert, dass der Sicherheitsdienst auf den Plan gerufen wurde. Wir entschieden uns widerwillig dennoch dafür, den vollen Preis zu bezahlen. Wäre quatsch, den ganzen Weg hierhergekommen zu sein, nur um dann zu sagen ,,ne is mir zu teuer'' und eins reingewürgt hätten wir diesem Verbrecherverein damit auch nicht. Also los. Kaufen. Anschließend wurden wir dann vom Sicherheitsdienst hinausbegleitet. Jetzt aber ein Bier. ,,Was?! 4 Euro im Supermarkt?! die haben doch wohln Arsch offen!'' Dann halt kein Bier. Sauer wie wir wareb stapften wir die Treppen fluchend wieder nach oben zu unserem Hostel und machten uns ein Reis-Linsen-Gericht, für das wir die Zutaten zufällig die ganze Zeit mitgeschleppt haben. Irgendwie müssen die 18 Kilo ja zustande kommen.

Nett wie er war, machte unser Hausherr uns schon um vier Uhr morgens Frühstück, damit wir um 4.30 in Richtung Macchu Picchu marschieren konnten. Und wir waren nicht die einzigen, die so früh los sind. Zusammen mit ca. 500 anderen Menschen begannen wir um fünf den 400m Aufstieg zu Fuß. Man hätte auch mit Bus hochfahren können, aber das wären dann auch schon wieder zwölf Dollar und so hätten wir nicht ab und zu stehen bleiben können, um uns den Sonnenaufgang anzugucken. Etwas verschwitzt kommen wir pünktlich zum Einlass um sechs Uhr oben an und erkundigen mit Hilfe der Beschreibungen im Reiseführer die einzelnen Gebäude. Dabei unter anderem die Inka-Brücke, welche einen uralten zweiten Eingang zur Stadt bildete. Der Weg dorthin war gar nicht mal so ungefährlich, da man ca. zehn Minuten an einem Geländerlosen Hang entlanglaufen musste. Rechts ging es da schon mal ein paar hundert Meter steil bergab ins Tal. Mehr gibt es zum Macchu Picchu eigentlich nicht zu schreiben, außer dass es sich wirklich gelohnt hat, den Eintritt doch zu bezahlen. Es war schon beeindruckend, wie geheimnisvoll und gut erhalten das da oben war und als auch noch die Wolken hinter dem Berg hochschossen und die Stadt einhüllten, war das Mystische Perfekt.

Nach gut zwei Stunden begeben wir uns wieder zu unserem Hostel, holen unsere Sachen und machen uns wieder auf den Weg nach Hidroelectrica, da die Busse von dort nach Cusco so um zwei fahren und wir nicht noch eine Nacht in Aguas Calientes verbringen wollten.
So kommen wir Abends gegen neun in Cusco an, verbringen hier noch eine Nacht und fahren am nächsten Tag nach Puno.

Cusco 29.05. - 02.06.2018

Dienstag, 19.06.2018

Jetzt reichts dann aber auch wieder mit dem Entspannen! Auf nach Cusco! Weil das aber nicht gleich um die Ecke liegt, nehmen wir wieder den Nachtbus. Doch ob wir hier aus Arequipa wegkommen, weiß keiner so genau, da die Hauptverkerhrsstraßen Perus durch wütende Bürger wegen eines Generalstreiks geperrrt worden waren. Egal, ob Tiendabesitzer (Tienda=Tante-Emma-Laden), Taxifahrer oder Schuhputzer, alles ist auf den Straßen und demonstriert. Wir versuchen trotzdem unser Glück und fahren mit dem Taxi (öffentliche Busse fahren ja nicht) zum Terminal. Nach ca. einer halben Stunde Verspätung geht es um 21 Uhr los Richtung Cusco. Nach den ersten Kilometern außerhalb der Stadt sieht man die Ausmaße des Streiks: Es liegen riesige Felsbroken auf der Straße, brennende Mülltonnen und Haufen liegen zerstreut auf der Straße. Der Busfahrer und auch der entgegenkommende Verkehr müssen sich im Schlengellauf daran vorbei drängen. Hier scheint ordentlich was los gewesen zu sein.

Am nächsten Morgen kommen wir gegen sieben Uhr in Cusco an und so wie es aussieht, findet genau heute der Christopher Street Day statt, denn überall hängen Regenbogenfahnen (wie sich später herausstellte, sind das allerdings die Farben der Inka und nicht der Verfächter freier Liebe). Nun ja, hier wollen wir ein weiteres mal voluntieren und so machen wir uns samt Gepäck auf die Suche. Wir legen uns mit Google Maps eine Route zurecht, um möglichst viele Hostels abzuklappern, denn die Suche gestaltet sich nicht ganz so leicht. Entweder die Hostels sind zu klein und brauchen keine Volunteers, die Hostels sind leer und brauchen dadurch keine Hilfe oder wir sollen später wieder kommen. Nachdem wir gute drei Stunden bergauf, bergab, treppauf, treppab ca. 30 Hostels abgelaufen sind, werden unsere Beine allmählich müde. Denn man darf nicht vergessen, wir sind auf 3400 m über NN, haben unser gesamtes Gepäck von ca. 18 kg auf den Rücken und es ist hügelig.

Gegen etwa 14 Uhr gehen wir nochmal zu einem Hostel, um dort nachzufragen, da der Chef vorher nicht anwesend war. Da treffen wir auf einmal auf ein bekantes Gesicht aus Montañita. Es ist die kleine Venezuelanerin Marie, mit der wir in Montañita zusammen gearbeitet haben. Sie erzählt uns, dass sie dort langsam verrückt wurde und hat Hals über Kopf das Hostel verlassen hatte und arbeitet jetzt hier. Eine gute Entscheidung! Ihr wisst ja, was wir über das Hostel geschrieben haben: Unorganisiert und chotisch. Klar, dass man da irgendwann durchdreht. Wir warten also etwas und nach etwa einer halben Stunde wird uns gesagt, dass wir doch bitte am Abend wiederkommem sollen. Klar doch... Wir lassen es gut sein und entscheiden uns, erstmal in einem günstigen Hostel unterzukommen. Kein Bock mehr auf das ganze rumgelaufe und ,,kommt doch später nochmal wieder''.

Am Abend sammeln wir nochmal unsere restliche Energie und ziehen ein weiteres Mal los, um die Hostels abzuklappern, die uns zu einem späteren Zeitpunkt wiedersehen wollten. Unseren Favorit gehen wir als erstes an und fragen erneut nach. Aber leider stellt sich heraus, dass sie doch genug Leute haben. Na gut, wir haben ja noch drei weitere Hostels. Also geht es auf zum Loki (das Hostel, welches wir aus Mancora kennen). Hier werden wir vom Security abgefangen der uns grimmig fragt, was wir denn wollen und wer wir sind. Wir erklären ihm, dass wir voluntieren wollen und nochmal her kommen sollten. Er schüttelt nur den Kopf und meint wir sollen in einer Stunde nochmal wieder kommen. Da wird es uns zu bunt und wir bedanken uns und gehen. Dann also noch die letzten Hostels. Wir kehren zu dem Hostel, wo wir Marie getroffen haben, zurück und werden von zwei Halbstarken am Eingang abgefangen. Wieder erklären wir uns und uns wird gesagt, dass wir doch bitte an der Tür warten sollen. Aha, am Vormittag durften wir uns wenigstens noch in den Hof setzen. Wenn sie sich damit besser fühlen, bleiben wir brav an der Tür und warten. Nachdem etwas Zeit vergangen ist, kommt endlich jemand, der sich mit uns auseinander setzen will. Wir gehen mit ihm in das hauseigene Restaurant, wo wir wie bei einem Bewerbungsgespräch mit ihm gegenüber sitzen. Er erklärt, dass er eigentlich nur einen Kerl an der Bar braucht und bietet Erik an, dass er direkt heute anfangen könnte. Nur wir wollen ja beide arbeiten und so fragen wir, was mit Josi sei. Er meint, er braucht eine ,,Chica'', die die Leute zu dusseligen Spielen wie Bierpong oder ähnliches animiert. Na das hat Josi ja schon in Montañita nicht wirklich gemocht. Die Krönung war jedoch, dass sie mit Marie konkurrieren müsste, wer denn den Platz bekommt. Da wurde uns direkt anders und wir sagen ihm, dass wir Marie kennen und nicht gegen sie arbeiten würden, da sie den Job noch dringender braucht als wir. Nachdem es nun eine Weile hin und her geht, verabschieden wir uns mit den Worten, dass wir drüber nachdenken werden. Für uns steht aber fest, dass wir unter diesen Bedingung nicht arbeiten wollen.

So entspannen wir am Abend in der warmen Küche, der der einzige warme Ort im Hostel ist und gehen wiedermal getrennt schlafen, da leider in den jeweiligen Zimmern nur ein Bett frei ist. Aber morgen dürfen wir tauschen!

Am nächsten Morgen schlendern wir über den Hauptplatz und werden bald angesprochen, ob wir denn nicht eine Freewalking Tour mitmachen wollen. Ach klar, warum nicht, ist ja umsonst und wir hatten sowas eh vor. Mit unserem wirklich gut englisch sprechenden Guide und seinem treuen Begleiter, einem Straßenhund, der ihn jeden morgen empfängt und begleitet, schlendern wir durch die Gassen von Cusco. Unser Guide erzählt uns die Geschichte der Inka, dass Cusco in Wirklichkeit Qosqo heißt (das wird ganz tief hinten, fast gluteral ausgesprochen), aber die Spanier zu doof waren, es auszusprechen, dass die ursprüngliche Form der Stadt einem Puma ähnelt und dass es perfekte Wasserzuläufe in Cusco gab, die aber von den Spaniern zu geschüttet wurden. Warum? Die stolzen Spanier wollten nichts mehr sehen von den Inkern, auch wenn es von Vorteil gewesen wäre. Weiter geht es an verschiedenen Bauten vorbei und in einigen Gassen fällt einem die unterschiedliche Bauweise auf. Links sieht man noch originale Inka Mauern mit ihren perfekt ineinander passenden Steinen, die dadurch Erdbebensicher sind. Da passt noch nicht einmal mehr eine Rasierklinge durch. Und das ohne Mörtel! Obendrauf auf den Mauern steht ein spanisches Häuschen. Rechts auf dem Bild sieht man die billige Kopie, die warscheinlich nicht mal ein Erdbebchen überstehen würde und links die erdbebensicheren Inkamauern.

In einer weiteren kleinen Straße wird uns ein Laden empfohlen, in dem wir uns mit Alpacaklamotten für die kalten Temperaturen wappnen können und nicht den dreifachen Touripreis zahlen. Da wollen wir später auf jeden Fall nochmal hin! Aber erstmal gehts weiter mit der Tour. Da kommen die in Trachten gekleideten einheimischen Frauen mit ihren mützentragenden Babyalpacas gerade um die Ecke und fragen, ob wir denn Fotos mit ihnen machen möchten. Unser Guide bittet uns, dies nicht zu tun, denn die Babys werden dafür aus ihrer natürlichen Umgebung und von der Mama weggezogen. Aber süß sind die ja schon mit ihren kleinen Bommelmützchen, die warscheinlich aus dem Papa gemacht wurden. Danach geht es steil bergauf zu dem Künstlerviertel San Blas mit seinen wunderschönen Hinterhöfen.

 

Hier steht die Zeit still und man erhält einen wunderbaren Überblick über Cusco. Das Ende unserer Tour bildet eine Bar mit Panoramablick, wo man für teuer Geld die Aussicht genießen könnte. Hier werden wir noch auf einen Pisco Sour eingeladen, der diesesmal sehr gut schmeckt. Wir haben Pisco Sour ja schon in Trujillo probiert und waren nicht so überzeugt aber dieses mal hat das aus Eierschaum, Pisco, bestehende Getränk doch gemundet und wir erkundigen uns, wo man denn für weniger Geld auf dem Abend den einen oder anderen trinken könnte. Nach der Tour gehen wir noch auf den kleinen Markt in San Blas, der sauberer und ordentlicher ist als der Markt unten in der Stadt. Hier gönnen wir uns einen Fruchtsaft aus diversen Früchten für einen Euro. Einen zweiten Fruchtsaft hätten wir auch nicht gebraucht, da ,,ein Fruchtsaft'' bedeutet ,,ein voller Mixer''. Lecker!

Nachdem wir gestärkt sind, wollen wir nochmal zu den Alpacasachen zurück kehren und mal schauen was es so gibt. Auf drei Läden verteilt gibt es von Socken, Handschuhen, Pullovern, Ponchos bis zu unnötigem Zeug alles. So decken wir uns bei den günstigen Preisen direkt mit warmen Socken, Pullis und Schals ein. Das macht dann 75 Soles bitte (ca.19 Euro). Wow dafür, dass man in Deutschland dafür nicht mal eine Socke bekommt, ist das echt gut.

Am Abend kochen wir uns noch in der warmen Küche etwas und gehen früh in unser gemeinsames Zimmer schlafen, da wir morgen einen anstrengenden Tag vor uns haben.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zu Sexy woman... ähm natürlich Saksaywaman?? Vorsicht, hohe Verwechslungsgefahr. Wir werden uns natürlich nicht eine hübsche Dame anschauen, sondern den riesigen Festungskomplex, der über Cusco hinaus ragt. Es geht diesmal noch steiler bergauf und gefühlt Millionen Stufen liegen auf unserem Weg. Bei einer Höhe von 3400 m über NN kommt man dabei doch schnell ins Schwitzen. Oben angekommen, erwarten uns die gleichen architektonischen Mauern wie in der Stadt, nur dass die Steine hier noch um einiges größer und gewaltiger sind und teilweise 6x4 m messen. Bis heute weiß man nicht, wie die Inka solche riesen Brocken bewegen und formen konnten. Josi meint, dass alles Quatsch ist und die Inka, die Mauern direkt aus den Bergen gehauen haben und nichts hin und her geschoben wurde. Wer weiß das schon, zum Schluss waren es doch eventuell die Aliens.
Wir brauchen gute zwei Stunden, um den Komplex komplett zu erkunden und werden immer wieder vom Regen eingenässt und die Kälte macht sich breit. Kein gutes Erkundungswetter! So machen wir uns auf den Rückweg in das Hostel, um uns zu wärmen.

Am Abend wollen wir dann unser Kindertagsgeschenk einlösen und gehen mal richtig schick essen. Erik hat die Qual der Wahl zwischen nochmal Meerschweinchen, nur diesmal aus dem Ofen, zu probieren oder Alpaca zu essen. Wir entschieden uns für ein Restaurant in der Nähe von San Blas, da es hier das leckerste Alpaca und Meerschweinchen geben soll. Am Ende entscheidet Erik sich, das Alpacasteak zu probieren und Josi bestellt sich einen schönen Fisch. Am Nebentisch sehen wir, wie das Meerschweinchen aus dem Ofen serviert wird und dabei muss jeder anfangen zu lachen, denn die Küchenchefs erlauben sich, das arme Ding mit einem Tomatenhelm und einer Karotte im Mund zu garnieren.
Da kommt auch schon bald unser Essen und wir sind gespannt, was es so hergibt. Nachdem Erik den ersten vorsichtigen Bissen gemacht hat, schmilzt er gerade zu dahin. Noch nie hat er so ein zartes Fleisch gegessen und es schmeckt köstlich. Irgebdwo einzuordnen zwischen Rind und Lamm, aber noch zarter als Letzteres.
Sogar Josi traut, sich ein Stück zu probieren, bereut es aber im nächsten Moment direkt. Nee, dann doch lieber den Fisch. Sie weiß halt nicht, was gut ist. Nachdem wir beide gut gesättigt die Rechnung bestellen, haben wir uns doch für gut 20 Euro insgsamt ganz schön was gegönnt!

Da der Abend noch jung ist, wollen wir nochmal einen Pisco Sour verköstigen, um abzuschätzen, ob er uns denn wirklich schmeckt. Wir werden in einem Eckrestaurant fündig, das schon Meterweit seine Happy Hour anpreiste, wo es zwei Pisco Sour für insgesamt 15 Soles ( 3,90 Euro) gibt. Wir machen es uns auf dem Balkon gemütlich (wir sind ja nun fast komplett in Alpacawolle gehüllt, da ist es nicht mehr ganz so kalt) und beobachten das geschäftige Treiben auf der Straße. Da entdecken wir an der Theke ein Schachspiel mit Spanier und Inkafigürchen. Na denn wollen wir unsere grauen Zellen mal anstrengen und schauen, wie die Geschichte wirklich verläuft. Nebenbei schlürfen wir unseren wirklich leckeren Pisco und schreiben die Geschichte neu, denn dieses mal haben die Inka über die Spanier gesiegt.

Causa- Kartoffelbreiauflauf
Alles in Allem kann man also sagen, dass uns Cusco trotz der riesigen Touristenmengen sehr gut gefallen hat, da es viele unterschiedliche Facetten hat. Aber unterm Strich ist es doch nur eine große Stadt und wir freuen uns auf unser nächstes Abenteuer im Valle Sagrado, fem heiligen Tal.

 

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