Baños 12.04. - 14.04.2018

Sonntag, 22.04.2018
 
Mit dem Taxi am Terminal von Cuenca angekommen werden wir gleich gefragt, ob wir nach Baños wollen. Na klar, wann geht es los? In 50 Minuten, perfekt. Also noch schnell etwas Verpflegung für die lange Fahrt eingekauft und Abwarten... und warten und warten und warten. Eigentlich sollte der Bus schon vor 10 Minuten los gefahren sein. So langsam werden wir unruhig undvfragen uns, ob der Bus hier denn wirklich fährt, aber wir warten noch einen Moment. Nach weiteren zehn Minuten kommt der Herr, der uns die Tickets verkauft hat auf uns zu und meint, wir sollen ihm schnell folgen, denn wir fahren mit einem anderen Bus. Na gut, dann halt mit nem roten anstatt mit nem blauen Bus. Nach ein paar Stunden jedoch merken wir, dass auf der Strecke irgendwas nicht stimmt und fragen den Busfahrer lieber noch mal, ob wir richtig sind. Der Bus fährt nur in Richtung Baños und wir müssen in Arambato nochmal umsteigen. Achso? So viel zum Thema der Bus fährt direkt. Na gut, dann steigen wir um. In Ambato werden wir irgendwo an der Straße raus geschmissen und uns wird gesagt, dass wir mit dem gegenüberliegen Bus fahren sollen und dort noch mal bezahlen müssen. Nachdem wir uns lautstark beschweren, dass wir ja schon bis Baños bezahlt haben, wird uns nur zugerufen, dass wir uns doch an die Organisation wenden sollen und dass das nicht sein Problem sei. Klasse, also gehen wir zum Bus, der uns nach Baños bringen soll und alles muss natürlich wieder in Hektik passieren, denn in fünf Minuten fährt der Bus ab. Ähm eine Toilette wäre noch nett, denn der Bus davor hatte keine und wir waren schon ca. sieben Stunden unterwegs. Neben dem Klohäuschen befindet sich zum Glück eine Filalie von Transportes Amazonas (die Gesellschaft, mit der wir ursprünglich eigentlich direkt bis Baños gefahren wären) und wo wir versuchen, unsern Frust los zu werden. Vergeblich. Denn auch hier stoßen wir auf taube Ohren und werden unter Druck gesetzt, da der Bus ja los fahren will. Sehr nett die Herrschaften in Ecador... nicht. Nach dem ganzwn Ärger mit unserem Exchef nun auch noch sowas. Aber gut. So habe wir von Ambato nach Baños halt nochmal jeder einen Dollar bezahl. Nicht viel, aber es geht ja schließlich ums Prinzip! Am Abend kommen wir endlich in Baños an und wir verköstigen erstmal ein Cerveza und schmieden den Plan für die nächsten Tage. So entscheiden wir uns gegen Rafting, Tubing und Bungeejumping, da wir uf diese Aktivitäten keinen Bock haben oder sie schon in San Gil gemacht haben. Außerdem entachließen wir uns gegen das Wandern, da man das überall machen kann und machen anstattdessen lieber eine Fahrradtour, die uns entlang vieler verschiedener Wasserfälle führen wird. Nach dem Bier machen wir uns erst einmal auf zu unserem Hostel, was etwas abseits des Tummultes des kleinen überaus touristischen Dörfchens liegt aber durch seinen Preis und Charm besticht. Von Außen wirkt es etwas verwildert, ist aber von Innen gemütlich hergerichtet und wir bekommen sogar ein Privatzimmer mit Balkon, inklusive Blick auf den vorbeifließenden Fluss. Leider auch inklusive Dachschräge, die das ein oder andere Mal Bekanntschaft mit unseren Köpfen macht. Doing!
 
Zu unserem Vorteil verleiht unser Hostel Fahrräder für fünf Dollar pro Tag und so machen wir uns am nächsten Morgen nach dem Frühstück auf den Weg zur Wasserfallroute. Das gute an den Fahrrädern: Die Bremsen funktionieren. Das nicht so gute: Die Gangschaltung hat auch schon bessere Tage gesehen und funktioniert so gut wie nicht und Licht oder Schutzbleche sucht man vergeblich. Zum Glück geht es größtenteils bergab und die Strecken, die Bergauf führen, sehen wir als zusätzliche sportliche Aktivität an. 
 
Die Route führt uns teilweise an der Hauptstraße und teilweise an kleinen ausgebauten Wegen entlang und wir können die auf der anderen Seite liegenden Wasserfälle bestaunen. Die Kulisse, die sich uns bietet ist Wunderbar. Satte Vegetation ziert die Berge und im Tal fließt der Fluss entlang. Der Weg zum Highlight unserer Tour spuegelt gut die Haupteinnahmequelle der Einwohner Baños wieder: Tourismus. Denn überall am Weg findet man Stationen zum Siplining, zu denen Touristen sxharenweise mit dem Bus angekarrt werden. 
 
 
DasHighlight unserer Tour bildet dann der Paílon del Diabolo. Den Eingang dorthin konnte man gar nicht verpassen, da sich drum herum lauter Läden und Souvenirshops angesiedelt habeb. Von hier aus gehen wir zu Fuß in das Tal hinab und fühlen uns direkt in den Djungel zurück versetzt, da sich rechts und links von uns die Bäume schlengeln. Nach ca.20 Minuten kommen wir im Tal an, von wo aus wir den Paílon del Diabolo etwas erklimmen können. Die Aussicht und die Massen an Wasser sind unbeschreiblich. Um etwas höher zu kommen, müssen wir durch einen winzigen Felsschlitz krauchen, was unsere Abenteuerlust natürlich anregt. Am Ende angekommen, kommt es zum Stocken und es geht nicht mehr weiter. Nur warum? Die fein rausgeputzen Ecadorianerinnen trauen sich nicht weiter, denn ab hier bleibt keiner mehr trocken. Wir sind quasi in Greifnähe am Wasserfall dran und es befindet sich hinter dem Wasserfall eine kleine Einbuchtung. Nicht lange nachgedacht, bewegen wir uns schnell durch den Wasserstrahl. STOPP!!Kalt, kalt, kalt!!! Hier geht's nicht weiter, Kommando zurück! 
 
So rum kommen wir also nicht bis an die Spitze des Wasserfalls. Also treten wir erfrischt den Rückweg an und erfreuen uns nochmal am rumkraxeln. Unten angekommen gibt es noch einen zweiten Weg, der auf eine Brücke führt und man von dort aus den El Diabolo vollständig sieht. Nur weiter geht es hier auch nicht. Wir fragen den netten Mitarbeiter am Eingang, wie wir denn auf den oberen Teil des Wasserfalls kommen (denn dort sehen wir auch Menschen herumgehen) und er antwortet uns, dass dies ein zweiter Eingang sei und wir nochmals dafür bezahlen müssen. Hmm... nö, dann also erstmal wieder den ganzen Weg bergauf zu unseren Fahrrädern. Oben etwas aus der Puste wieder angekommen, bieten Truckfahrer eine Rückfahrt an, damit man sich nicht den ganzen Weg bergauf nach Baños abstrampeln muss. Etwas bergauf strampeln ist ja ok, aber da es auf dem Hinweg teilweise sehr steil bergab ging und wir uns hier mit der schlechten Gangschaltung und den am Gestell schabenden und dadurch bremsenden Reifen nicht wieder hochkämpfen wollen, entscheiden wir uns für die Rückfahrt auf dem Truck, den wir uns mit vier anderen Touristen teilen. Sehr entspannt! Am Hostel zurück unterhalten wir uns eine ganze Weile mit zwei Australiern, die uns die Thermalquellen hier im Ort empfehlen. Hierher hat der Ort übrigens seinen Namen: ,,Baños'' bedeutet nämlich ,,Bäder''. So machen wir uns am Abend nochmal mit den Fahrrädern auf und wollen den Thermalquellen einen Besuch abstatten. Entgegen der Empfehlung von den Australiern, wollen wir die Stadtnahe Quelle Piscina de la Virgen (Jungfrauenpool) besuchen, da wir viel Gutes gehört haben. Dort angekommen werden wir jedoch enttäuscht. Die "Quellen" erinnern eher an ein Spaßbad und kosten doppelt so viel wie angenommen. Dann also doch zu dem etwas weiter außerhalb liegendem Bad... egal, wir haben ja zum Glück noch die Fahrräder und bis dorthin ist es nicht ganz so weit. Nachdem wir einmal durch die Stadt geradelt sind und uns durchgefragt haben, wo die Quellen seien, kommen wir mit unseren Fahrrädern jedoch an unsere Grenzen. Die Zugangsstraße ist so steil, dass man Strampeln hier vergessen kann. Ca. 20 Minuten geht es steil die Straße hinauf, was auch mit Schieben der Räder anstrengend ist. 
Endlich an den Quellen angekommen, werden wir jedoch belohnt. Es gibt vier verschieden temperierte Becken und nebenan prasselt der eiskalte Fluss herab, den die mutigen zur Abkühlung nutzen. 
 
So entspannen wir uns erstmal nach der Tortour in einem der heißen Becken und lassen die Seele baumeln. Der Anblick hier ist zusätzlich eine Augenweide, da Badekappenpflicht gilt. So sieht man überall bunte Häupter in den Becken. Nur Erik hat Glück und braucht auf Grund seiner fehlenden Haarpracht keine Baeekappe. Höchstens für seinen Bart, der mittlerweile länger ist als so mancher Männerhaarschnitt! Aber die Badetante lachte ohn nur an und winkte ihn durch. Nach einiger Zeit wird es uns zu warm in dem gut 45 Grad warmen Becken und wir wollen zu den Mutigen gehören und gehen zum Eiskalten Fluss. Die ersten Schritte kosten einiges an Überwindung aber unter leisem Gekreische lassen wir das Wasser über die kleine Kaskade auf uns prasseln und erfrischen die Lebensgeister.

 

Cuenca 26.3. - 12.4.2018

Montag, 16.04.2018
 
Dass der Lebensstandard hier in Ecuador deutlich höher als in Perú ist, fiel uns schon auf der Busfahrt von Chiclayo nach Cuenca auf. Denn Während sich in Perú noch überall Müll an den Straßenrändern häufte und die Hütten meist aus mit Lehm verkleidetem Stroh bestanden, ist es hier in Ecuador deutlich sauberer und man findet auch in den ländlichen Gebieten fast nur solide und hübsche Steinhäuser.
Um sieben Uhr morgens kommen wir dann in Cuenca an und fahren mit dem Taxi ins Mocheliers, unserem Hostel für die nächste Nacht. Eigentlich wollten wir in einem anderen Hostel voluntieren, aber der Besitzer hat in letzter Sekunde abgesagt. Na gut, dann machen wir uns halt selbst auf die Suche nach Arbeit, denn der höhere Lebensstandard geht leider auch mit gehobenen Lebenserhaltungskosten einher. So muss man hier pro Nacht mit ca. acht Euro rechnen, was verglichen mit den anderen Ländern ziemlich teuer ist und auch unser Budget übersteigt. Wir wollen ja schließlich noch bis Ende Juli hier bleiben. So erkunden wir auf der Suche nach Arbeit nebenbei noch die schöne Altstadt mit der pompösen Kathedrale und finden etwas auswärts vom Stadtzentrum im Hostel Dreamcatcher für die kommenden zwei Wochen eine Unterkunft gegen fünf Stunden an sechs Tagen in der Woche arbeiten. Von den zwei vorherigen argentienischen Volunteers werden wir an unsere täglichen Aufgaben herangeführt. Dazu gehören das Vorbereiten des Frühstücks, das Sauberhalten des Hauses, Gästebetreuung und sonstige Kleinigkeiten. 
 
Sonnenterrasse im Hostel Unser Arbeitsplatz
Eigentlich ganz entspannt bei maximal 14 Gästen, wenn da nicht unser A****loch von Chef wäre, der uns von oben herab herumzukommandieren versucht. Aber wir lassen es über uns ergehen und gut erzogen, wie wir sind, lächeln und nicken wir und denken uns unseren Teil. Naja oftmals sprechen wir auch laut aus, was wir denken, aber zum Glück versteht uns hier keiner. Hier ein paar Beispiele: Eines Abends bietet er allen Gästen selbstgemachte Gnoccis (von uns zubereitet) an und verlangt am nächsten Tag vier Dollar von jedem, was natürlich zur Überraschung einiger führte, da es vorher nicht kommuniziert wurde und sich jeder eingeladen gefühlt hat. Verständlichetweise wollten einige dieses dann auch nicht bezahlen, da man mit vier Dollar hier schon recht viel machen kann. Als sich unser Landsmann Christopher gegen eine Bezahlung mit guten Gründen wehrte, beleidigte ihn unser Chef aufs wiederwertigste und schmiss ihn raus. Weiterhin nimmt er andauernd Geld aus der Kasse und motzt uns ein paar Stunden später an, wo denn das Geld hin sei... Aber kein wunder bei jemandem, der pro Woche ein 1 Liter Einmachglas an Gras wegraucht und bis morgens um fünf mit seinen Kumpels die Gästesuite einräuchert, sodass er am nächsten Morgen seine Schicht nicht wahrnehmen kann und wir den ganzen Scheiß saubermachen dürfen. Aber na gut, der Job hat auch seine guten Seiten. Allem vorweg die enorme Geldersparnis und das Quatschen mit den Gästen. Außerdem darf sich jeder von uns jeden Tag ein Bier nehmen, was wir natürlich auch gerne tun. Nach drei Tagen riecht unser Chef jedoch den Braten und bittet uns, doch nur jeden zweiten Tag Bier zu trinken. Da kannte er wohl die Deutschen nicht und dachte, es gibt doch wohl keinen, der jeden Tag ein Bier trinkt. Falsch gedacht, mein Herr!
Der Knaller war aber, dass wir nach einer 24-Stundenschicht (wir mussten die Schicht vom Chef übernehmen, weil dieser nach einer kleinen Partynacht nicht mehr nach Hause kam) um 17 Uhr feierabend hatten, dann schon um neun ins Bett sind und unser Chef uns dann um elf Uhr nochmal aus dem Bett geholt hat, um die Kasse zu zählen. Dabei führen wir haargenau Buch über Einnahmen und Ausgaben. Er wollte es aber vorgelesen haben... Gerne, aber dann doch bitte während unserer Schicht! Josi wäre ihm beinahe an die Gurgel gegangen und auch Erik musste sich zügeln. Einige weitere Kleinigkeiten führen dann zu einer relativ unentspannten Stimmung zwischen uns und dem Chef und so versuchen wir, ihm den Rest unserer Zeit hier aus dem Weg zu gehen und lieber schöne Ausflüge in die Stadt zu machen. 

Als eines Tages El Nacional aus Quito zu Besuch bei Deportivo Cuenca ist, lassen wir uns diese Möglichkeit natürlich nicht entgehen, nehmen uns den Sonntag Vormittag frei und gehen endlich mal wieder ins Fußballstadion. Geil! Endlich wieder rumgrölen und Pfeffi saufen! Ach ne, das gesundig grüne Genussgetränk ist ja noch nicht mal bis in den Westen Deutschlands, geschweige denn bis in diesen Teil der Welt vorgedrungen. Na dann muss halt das gute alte Stadionbier mit ner Bratwurst herhalten. Was?! Bratwurst gibt's hier auch nicht? Anstattdessen nur Zwiebelsuppe mit Reis. Na super, wie soll denn da Feeling aufkommen? Bereits eine Stunde vor Anpfiff sitzen wir am Rande des Ultrablocks von Cuenca und beobachten belustigt den Aufbau der Zaunfahnen, Trommeln (mit integrierten Schellen) und Trompeten. Bitte was? Trompeten? Haste schonmal 'n Hooligan mit ner Trompete gesehen?! Ein lustiges Bild. Und so wird die Partie durch ein ganzes Orchester begleitet. Einige lassen nebenbei auch noch das Radio laufen und lauschen dem Reporter, um zu wissen, was denn auf dem 20 Meter entfernten Spielfeld los ist. Das Spiel an sich erinnert an die dritte Deutsche Liga und hat wenig Höhepunkte. So mussten die Ultras von Cuenca ein bisschen nachhelfen und versuchten, eine Zaunfahne von El Nacional in die eigenen Reihen zu bringen. Ein eher plumper Versuch, der in einem Handgemenge und einem Polizeieinsatz endete. Als wäre nichts gewesen, geht die Partie weiter und endet vor den Augen der 6000 Fans (ca. 500 aus Quito) mit 0:0.
 


Die übrigen freien Nachmittage verbringen wir mit Bummeln auf dem Markt und durch die Altstadt, mit Museumsbesuchen und mit einem Käffchen im nahen Plaza San Sebastian, der deutlich ruhiger und schöner als der Hauptplatz Parque Calderón ist. Hier erfreute sich Josi mit den nicht ganz unsarkastischen Worten ,,na ganz Klasse'' an den Tauben, die auf den Wurf von Brotkrumen, ausgeführt von einer älteren Frau, wie wild um unsere Köpfe herumschwirrten und uns vor Freude auf das Mahl beinahe vollkackten. 
 


Das Highlieght unseres hiesigen Aufenthalts bildete jedoch die Wanderung im Parque Nacional de Cajas. Um ein wenig am Weg zum Busterminal einzusparen, bestreiten wir diesen zu Fuß. Am Terminal de Sur soll der Bus um 8.45 Uhr abfahren. Angekommen am Terminal fragen wir uns durch, wo denn dieser abfährt. Ein netter Security Mann zeigt uns den Weg und wir landen hinter dem Terminal, in einer kleinen Nebenstraße. Uns erwarten zwei Busse und die jeweiligen Busfahrer schicken uns weg, da sie woanders hin fahren. Ok und nun? Fragen wir also in einem der Büros nach, wo und wann uns nun ein Bus nach Cajas bringt. Uns wird gesagt um 10 Uhr fährt der nächste. Na toll, also heißt es warten. So schlendern wir noch mal über den Markt nebenan und Erik hat Schwierigkeiten, Josi vom Kauf der süßen Hundebabys abzuhalten, die in Meerschweinchenkäfigen angeboten werden. Die eigentlich dazugehörigen Meerschweinchen liegen fast nebenan und zwar nackig und vorgefertigt für den Grill. Nachdem wir uns die Zeit vertrieben haben, geht es um kurz nach zehn endlich los. 
 
Cuys

Nach ca. einer Stunde Fahrt kommen wir am Startpunkt unserer Wanderrute an und es kann endlich los gehen. Das Wetter ist leider nicht wirklich schön. Immerwieder regnet es und die Wolken hängen trüb am Horizont. Aber nichts desto trotz machen wir uns los und genießen die Lagunen, die sich rechts und links neben uns erstrecken und verweilen immer wieder, um die Aussicht zu würdigen. Nach gut einer Stunde kommen wir an einem Waldstück an, welches von außen betrachtet wenig spektakuläres erahnen lässt. Doch nach den ersten paar Schritten in den Wald hinein sind wir direkt verzaubert. Man könnte denken, wir sind in das Filmset von Herr der Ringe oder Alice im Wunderland geraten. Die Bäume schlängeln sich Korkenzieherartig aneinander hoch und bieten einen unglaublichen Anblick, den wir so schnell nicht vergessen werden. So wandern wir mit offenem Mund durch den Wald und betrachten die ,,Papierbäume'', welche ihren Namen der abblätternden Rinde zu verdanken haben.
 

Die Route führt uns weiter an noch mehr Lagunen vorbei und der Weg wird durch den Regen zu einer matschigen Schlitterpartie. Da hat Josi einen kurzen Moment mal nicht aufgepasst und Zack lag sie wie ein Mariechenkäfer auf dem Rücken. Höchste Zeit für eine Mittagspause, um wieder neue Kräfte zu tanken. Wir haben uns ja gut mit Quinoasalat vorbereitet. Kurze Zeit später kommen zwei Ranger in wunderbar saugfähigen Tarnanzügen vorbei (prima Arbeitskleidung bei diesem Wetter) und erkunden sich um unser Wohlbefinden. Sehr nett die Ecuadorianer. Hier kann man also nicht verloren gehen. 

Da sich das Wetter weiterhin verschlechtert, machen wir uns wieder auf den Weg und erreichen nach insgesamt ca. drei Stunden den Endpunkt unserer Route.

An einem unserer freien Vormittage besuchen wir noch eine Freewalking-Tour, wo wir mit einem Guide durch die Stadt ziehen und etwas über die Historie Cuencas erfahren. So wird uns eine kleine unscheinbare Kirche gezeigt, die ein Kloster beinhaltet. Das Besondere jedoch ist, dass die hiesigen Nonnen nie jemand zu Gesicht bekommt, geschweige denn, dass diese jemals die Außenwelt sehen. 
 
Verkaufstresen im Kloster
Die Gesichter der Nonnen sind nämlich mit Schleiern bedeckt und sie verkaufen auf Nachfrage nur durch eine Drehtür ihre hergestellte Medizin oder Wein. Diese Tradition geht mehrere Jahrhunderte zurück und so werden sie in der katholischsten Stadt Südamerikas, Cuenca, sehr angesehen. Ebenfalls werden wir über die traditionelle Kleidung der Urcuencaner aufgeklärt. Zum Beispiel kann man an der Art und Weise, wie die Zöpfe der Frauen geflochten sind, erkennen, welchem Stamm diese angehörig sind. Das ist einem vorher gar nicht aufgefallen. Weiterhin schländerten wir am Karfreitag duech die Gssen der Altstadt und stellten verwundert fest, dass viele Straßen abgesperrt waren. Einige Straßen weiter dann die Aufklärung des Rätsels: Auch hier gehen die Menschen zu Ostern mit ihrer Laterne und deren Laterne mit ihnen -Rabimmel Rabammel Rabumm!

Den letzten Tag in dieser schönen Stadt haben wir uns frei genommen und genießen den sonnigen Vormittag in den Hängematten auf der Sonnenterrasse. Entspannung pur - wenn da nur nicht der Chef wäre, der andauernd irgendetwas anzumerken hat und sein rumrotzender Kumpel mit seinem Mariuhanagerauche nicht die Luft so verpesten würde. So machen wir uns nach den zwei Wochen mit guten und nicht so guten Erfahrungen nun weiter auf den Weg zu unserem nächsten Ziel. Es geht Richtung Norden nach Baños.

Chiclayo 23.03. - 25.03.2018

Dienstag, 03.04.2018

Die nächste Stadt auf unserer Reise ist eigentlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Ecuador und heißt Chiclayo. Da hier kaum Tourismus vorhanden ist, gibt es auch keine Hostels, weshalb wir uns für eine Nacht in ein Hotel im Zentrum direkt neben dem Markt einquartieren. Doch leider sind Josis Bauchschmerzen zurückgekehrt, sodass wir den ganzen Tag auf dem Zimmer bleiben und nur Erik mal auf den riesigen Markt geht, um etwas zu Essen zu holen. Die Ausmaße des Marktes sind gewaltig. Es gibt riesige Obst-, Gemüse- und sonst was für Abteile. Sogar eine ca. 100 Meter lange Gasse nur mit Schulranzen oder über 20 Stände nur mit Hundefutter gibt es und an jeder Ecke werden Schubkarrenweise die leckersten Granatäpfel verkauft, die wir je gegessen haben.

Hier wird Frische groß geschrieben


Da die Magenkrämpfe von Josi in der Nacht unaushaltbar werden, fahren wir um zwei Uhr morgens ins Krankenhaus ,,Hospital del Pacifico'', ein Privatkrankenhaus, welches uns der nette Hotelbesitzer empfohlen hat. Mit der Behandlung an sich sind wir zufrieden. Nur ist fraglich, ob die ganzen verabreichten Medokamente wirklich nötig waren, da es sich vermutlich ,,nur'' um eine Lebensmittelvergiftung handelte. Aber egal. Am nächsten morgen war Josi zwar immernoch sehr schwach, aber immerhin ging es ihr schon etwas besser. Ohne Probleme können wir um eine Nacht verlängern und fahren am nächsten Tag auf Grund der verbesserten Geindheitslage Josis eine halbe Stunde lang nach Lambayeque, um dort ins Museum von Señor Sipán zu gehen, einem König aus den Moche-Zeiten. Auf drei Etagen wird in dem modernen Museum gezeigt, was gefunden wurde und auch wie es gefunden wurde. Sehr interessant, nur leider haben die Ersteller nach der Hälfte der Info-Tafel ihr Englisch verlernt, sodass die Wissensaneignung ab hier etwas erschwert war. Aber alles in Allem ein interessanter Ausflug, der durch ein günstiges Mittagessen in einem Restaurant und mit Live-Musik gekrönt wurde (für Josi gab es natürlich nur Nudeln ohne alles).

 

Um 17 Uhr fuhren wir dann mit der Gesellschaft Transportes Azuay toilettenlos 14 Stunden nach Cuenca, Ecuador. Um ein Uhr Nachts kommen wir an der Grenze an und können recht unkompliziert einreisen, auch wenn das Prozedere auf Grund der vielen Menschen bis drei Uhr dauerte. Daraufhin noch ein paar Leute ohne Pass, oder jedenfalls ohne Einreisegenehmigung mitgenommen und ab über die Grenze nach Ecuador. 

Wo lang geht es nach Ecuador? Immer geradeaus   Bis Tumbes haben wir den Bus fast nur für uns.

Wüste,Wüste,Wüste Oh... noch mehr Wüste

Chachapoyas 20.03. - 22.03.2018

Freitag, 30.03.2018

Nach zwölf Stunden nervenaufreibender Busfahrt am Abgrund entlang, kamen wir in Chachapoyas an, weckten um fünf Uhr morgens den zweiten Busfahrer auf, der in dem Gepäckfach sein Schlaflager aufgeschlagen hatte, packten unsere Sachen und fuhren mit dem Taxi in unser Hostel. Dort rissen wir den Rezeptionisten aus seinen Träumen, bezogen unser Zimmer und holten den entgangenen Schlaf nach. Ausgeruht machten wir uns dann zum "wunderschönen" Plaza de Armas auf. So stand es zumindest in den Reiseführern und im Internet. Doch leider ist der komplette Platz aufgerissen und eine riesige Baustelle hat seinen Platz eingenommen. Naja, gleich nebenan gehen wir zur Tourieinfo und hören uns an, was es hier so zu tun gibt, obwohl wir schon ziemlich genaue Pläne haben: In den drei Tagen, die wir hier sind, wollen wir unbedingt das zweite Macchu Picchu namens ,,Kuélap'' und den Wasserfall ,,Gocta'' sehen. Für heute haben wir dafür aber leider keine Zeit mehr und so fahren wir mit einem Collectivo ins 30 Minuten entfernte Dörfchen Huancas, von wo aus wir zum Cañon del Sonche laufen, einem riesiegen Canyon von 11,45 Kilometern Länge und 962 Metern Tiefe. Die Aussicht ist bei diesem klaren Wetter geradezu atemberaubend: Man beobachtet Adler, die sich von den Bergwinden treiben lassen und nach Essen ausschau halten, einsame Wasserfälle, die ins Tal hinein fließen und die unglaublichen Weiten des Canyons. Das verleitet uns zu einem kurzen Spaziergang am Abgrund entlang und einem anschließenden Verweilen, um einfach nur den Moment zu genießen. 

 

Suchbild (Adler voraus)

Nach zwei Stunden geht es dann aber wieder zurück nach Chachapoyas, denn wir müssen die nächsten Tage planen und wollen uns (zumindest Erik) an die hiesige Essenskultur herantasten. Zum Mittagessen gibt es deshalb Cau Cau, was von der Wirten als Rindfleich deklariert wurde, sich aber als mit auf der Innenseite mit Zotteln übersähter Schlauch herausstellte: Ein Dünndarm. Naja, wenigstens weichgekocht war er und mit dem kräftigen Gemüse und viel Reis hat man ihn gar nicht so sehr geschmeckt. Nur die Konsistenz war etwas gewöhnungsbedürftig.

Am nächsten Morgen stehen wir zeitig auf, denn wir fahren mit dem Bus ca. eine Stunde nach Nuevo Tingo (das alte Tingo wurde vor Jahren durch eine Flut zerstört) und von hier aus mit der Gondel 20 Minuten lang einen anderen Berg hoch. Wieder einmal bietet sich uns eine atemberaubende Aussicht ins Tal. Oben angekommen kaufen wir für 2.50 Euro (ohne Studentenrabatt wäre in Peru alles für uns doppelt so teuer) die Eintrittskarten und stehen nach einem 20-minütigen Spaziergang unvermittelt vor einer 20 Meter hohen, massiven Steinmauer. Das ist also die alte Stadt/Festung der Chachapoyas-Kultur. Wahnsinn!!

Aussicht aus der Gondel

Um ein paar Extrainformationen zu bekommen, haben wir uns einen Guide genommen und das war auch gut so, denn die Info-Tafeln in Kuélap selber bestanden nur aus dumpfen Angaben wie ,,Hier ist ein Stein. Er ist rund'', also nicht sehr aufschlussreich. So erfuhren wir aber beispielsweise, dass hier in den 500 Steinhäusern ungefähr 3000 Menschen lebten - doppelt so viele, wie in Macchu Picchu! Wir erfahren etwas über die Geschichte der erst kürzlich entdeckten Stätte: Wie hier die Inkas und anschließend die Spanier eingefallen sind und wie die Menschen damals hier so lebten. Besonders beeindruckend: Jedes Haus hatte zwar keine Toilette, dafür aber einen integrierten Stall für Cuis - Meerschweinchen! Und zwar nicht, um diese als Haustiere zu halten, sondern zum Verzehr. Diese sind bis heute noch eine Delikatesse hier in den Peruanischen Anden.

Dazu aber später mehr. Nach zwei Stunden im völlig touristenleeren Kuélap fahren wir mit der Gondel wieder zurück. Der Wind hat etwas zugenommen und Wolken sind zugezogen, wodurch die Gondelfahrt nicht mehr ganz so gemütlich war. Aber hierher haben die Chachapoyas auch ihren Namen, denn in der alten Sprache heißt Chacha-(Baum) Poyas (Wolke) so viel wie Wolkenwald. Ein lustiger Fakt: Die Chachapoyas waren hellhäutig und teilweise auch blond, wie einige archäologische Funde zeigten. Aus diesem Grund stellten einige Wissenschaftler die Vermutung auf, dass es sich hierbei um Wikinger handeln könnte. Na das wär doch mal was!

Am Abend kommt die große Stunde und wir suchen nach dem heißbegehrten Meerschweinchen, welches Erik endlich mal probieren will. Man glaubt es kaum, aber beim Verspeisen des Meerschweinchen stellt er fest, dass da mehr dran ist, als man zunächst denkt. Das Fleisch ist wie das eines Huhns, nur sehr viel zarter. Unter bösen Blicken von Josi wird also fleißig alles vom Zeh bis zu den Zähnen abgeknabbert. Mehr muss hier jedoch nicht ins Detail gegangen werden, nur zum täglichen Essen wird es für uns nicht, da der Anblick mit ganzen Pfoten, Ohren und Zähnen doch etwas gewöhnungsbedürftig ist und diese Delikatesse nicht in unserem preislichen Budget liegt (eine Hälfte -von Vorne nach Hinten- mit Reis und Gemüse für fünf Euro).

Cui


Am Abend bekommt Josi starke Magenverstimmungen. Wahrscheinlich war das Mittagessen nicht gut oder der Anblick des Meerschweins war zu viel für ihren Magen. Zumindest hat Erik sich so gut es ging um sie gekümmert und ist am nächsten Morgen dann schlechten Gewissens alleine zum Wasserfall Gocta gefahren, da Josi schlief und er unbedingt dort hin wollte. Die längste Zeit seit Beginn unserem Trips, die wir je getrennt ware!!! 



Halloo hier ist Erik:
Mit dem Minibus geht es also ca. eine Stunde lang an Steilwänden vorbei bis zu einer Kreuzung. Von hier aus gibt es zwei Möglichkeiten, zum 780 Meter hohen Gocta zu kommen: Entweder mit dem Mototaxi nach San Pablo oder nach Cocachimba fahren und von dort aus dann wandern. Ich entscheide mich für San Pablo, denn von dort aus kann man sowohl ans obere, als auch ans untere Ende des Wasserfalls gelangen, während man von Cocachimba nur schwer ans obere Ende kommt. Die Eintrittskartenverkäuferin meinte, dass man für die Tour von San Pablo nach Gocta (oben) über Gocta (unten) bis nach Cocachimba ca. 8 Stunden (15 Kilometer Bergauf- und ab) benötigt. Na dann aber mal los, denn man will ja nicht im Dunkeln hier in der Wildnis stecken bleiben. Außerdem trieb mich das schlechte Gewissen an, Josi alleine gelassen zu haben. Ein Blick auf die Uhr verrät: Es ist bereits elf Uhr und um 17.30 geht die Sonne unter. Dann aber los jetzt. Strammen Schrittes geht es durch San Pablo und in den Nebelwald hinein. Das Wetter ist regnerisch und so ist der Pfad auch entsprechend matschig und an manchen Stellen auch entsprechend rutschig. Nach ca. einer Stunde und 5.8 Kilometern ständigem bergauf und bergab komme ich am oberen Ende des Wasserfalls an. Hier geht es auf rutschigen Steinen einen schmalen Pfad am Abgrund entlang. Im nachhinein betrachtet, war es ganz schön gefährlich, bei dem Wetter dort entlang zu gehen. Ein falscher Schritt und Tschüss, doch das Grummeln Goctas treibt voran und so kommt man nach einigen Ecken am oberen Ende des Wasserfall heraus.

Wenn man durch den Regen und den Schweiß vom schnellen Laufen bis hierher noch nicht nass gewesen wäre, dann hätte das Sprühwasser, welches einem hier, zwei Meter vom Wasserfall entfernt, um die Ohren gepeitscht wird, dies erledigt. Beinahe unmöglich, hier ein Foto zu schießen. Aber dieser unglaubliche Anblick der Tonnen von Wasser, das vor einem herunterkommt, dem damit einhergehenden Wind und dem Stechen durch das Sprühwasser im Gesicht, lässt sich eh nicht einfangen.

Endlich oben angekommen

Nur kurz genieße ich den Moment, jogge ca. 1.8 Kilometer zurück bergab und gelange zum Mirador (Aussichtspunkt). Von hieraus noch einmal ein Foto geschossen und schon geht es die 700 Meter in matschig-rutschigen Serpentinen bergab. Bis hierher waren keine Touristen weit und breit. Nur ein jugendliches peruanisches Paar mit Sneakern und Top kamen mir hier entgegen - super Ausrüstung bei diesem Wetter. Der Abstieg erfolgte in weiteren 45 Minuten, begleitet von mehrmaligem, nicht ganz ungefährlichen Ausrutschen und Hinfallen. Jetzt steht das untere Ende des Wasserfalls noch auf der Liste. Also hin da! Nach weiteren 20 Minuten erreiche ich dieses auch schon. Auf dem Weg hierhin kommen mir schon deutlich mehr Touristen entgegen als oben. Anscheinend gehen die ganzen Touren nur den unteren Weg über Cocachomba ab. 

Das untere Ende des Wasserfalls ist noch beeindruckender, da das Wasser aus noch größerer Höhe herunterfällt und von steinernen Steilwänden umrahmt wird. Ein großartiger Anblick. Auch hier ist man trotz der vermehrt auftretenden Touristen ganz alleine und nimmt sich mal zehn Minuten zum Verweilen.

Jetzt aber den Rückweg antreten, denn Josi und eine warme Dusche warten. Also im Laufachritt die sechs Kilometer bis Cocachimba! Total durchnässt komme ich um 14.30 dort an. Mit dem Mototaxi noch die 20 Minuten runter zur Hauptstraße und dann mit dem Minibus zurück nach Chachapoyas. So zumindest der Plan. Allerdings kostet das Mototaxi zehn Soles, also lieber nochmal warten, ob vielleicht noch jemand zweites mitkommt. Die Zeit vertreibt man sich mit einem Gespräch mit dem TucTuc-Fahrer, der sich wundert, ob man in Deutschland im kalten Winter die Seen auftauen muss, um Wasser zu bekommen. ,,Agua de la tierra'' (Grundwasser) kennt man hier nicht. Als sich nach 20 Minuten immernoch keiner gefunden hat, um die Kosten für die Fahrt zu teilen und ich mittlerweile nässebedingt völlig durchgefroren bin, fahre ich lieber doch alleine mit dem TucTuc runter. Unten angekommen kommt auch gleich ein Minibus, in dem die ganze Stunde Fahrt über geschmeidige 90er Techno-Musik lief. 

Um vier Uhr rum im Hostel angekommen und siehe da: Josi geht es zum Glück mittlerweile besser, sodass wir den bereits gebuchten Bus um 20 Uhr nach Chiclayo nehmen können. Wunderbar!

Cajamarca 17.3. - 19.3.2018

Donnerstag, 22.03.2018
 
Nach einer 12 stündigen Busfahrt kommen wir am frühen Morgen im kalten und bergigen Cajamarca an. Diesmal sind wir nicht so ausgeruht, da die Busgesellschaft Linea leider in Sachen Komfort sehr viel einspart. So geht es erstmal mit dem Mototaxi in Richtung Hostel, welches sich sechs Kilometer außerhalb in einer Art Vorort von Cajamarca befindet. Trotzdem es erst sechs Uhr in der Frühe ist, dürfen wir schon unser Zimmer beziehen und sind erstmal baff. Uns erwatet ein riesiges Zimmer mit Balkon und Aussicht auf den Pool. Einen Pool bei der Kälte hier? Der Volunteer, der uns die Tür geöffnet hat, erklärt uns, dass das Wasser aus den Thermalquellen stammt und kontinuierliche 25-27 Grad hat. Na das erklärt es natürlich. Auch sonst ist das "Hostel" eher ein großes Herrenhaus, was seine Zimmer für schlappe sechs Euro vermietet. So geräumig und sauber haben wir lange nicht mehr gehaust und erholen uns erstmal. Nach ein paar Stunden Schlaf geht es auf unsere erste Entdeckungstour zu den Ventanillas de Otuzco. Nach ca. Sechs Kilometern und etlichen Dörfchen kommen wir an den komischen Gesteinsformationen an. Die Ventanillas ("Fensterchen") scheinen Nischen zu sein, wo vor etwa 1400 Jahren die Toten bestattet wurden. Also wenn da nen Mensch reingepasst hat, dann mussten die den schon sehr zusammen quetschen, denn die Nieschen sind nur ca. einen Meter breit und wenige Dezimeter tief. 
 

Zurück gehts mit dem Kollektivo und unser Fahrer gibt uns quasi eine Gratis Stadtrundfahrt durch Cajamarca und schreibt uns die Adresse eines guten Käsehändlers auf. Wir sind schließlich in den Bergen und wollen leckeren Käse probieren. Jedoch die Fahrt mit den hiesigen Kollektivos ist nicht ganz unspannend. Es braucht dazu einen Fahrer mit Hup-tourett und einen Co-Piloten mit einem Puls auf 180 - mindestens. Denn innerhalb der Stadt herrscht ein Kampf unter den Kolleltivos: Purer Kapitalismus, denn wer keine Kunden ran kriegt, verdient kein Geld. So werden gerne andere Kolleltivos ausgebremst, in todeswahnisinnigen Manövern überholt und dabei wird sich ein Späßchen draus gemacht. Auch wir müssen ab und zu über die Dreistigkeit schmunzeln.

Nach dem relativ anstrengenden Aufstieg und der kurzen Nacht verbringen wir den Abend mit Shoppen auf dem hiesigen Markt, kochen, Fruchtsaft mixen und auf unserem Zimmer entspannen. Sowas muss ja schließlich auch mal sein. Auch den nächsten Tag müssen wir entspannen, da die Höhenkrankheit uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und wir mit höllischen Kopfschmerzen, Müdigkeit und Übelkeit zu kämpfen hatten. Bekanntes Heilmittel in den Anden hierfür ist Coca-Tee, weshalb wir dessen Blätter auf dem Markt kauften. Den kommenden Tag verbringen wir am Pool und eingemuckelt Bücher lesend, denn um fünf Uhr Abends fahren wir mit ,,Virgen de Carmen", einer Busgesellschaft, nach Chachapoyas. Leider haben wir auch diesmal nur wenig Komfort, dafür gibt es jedoch in der zwei Stunden entfernten Stadt Caledin erstmal ein ordentliches Abendbrot. Der mangelnde Komfort war hauptsächlich der fehlenden Klimaanlage zu verschulden. Deshalb öffneten wir das Fenster, was gleich zu Protest einiger Peruaner führte. Aber es war einfach so stickig und heiß, dass von den Fenstern innen das Kondenswasser herunterlief und wir es nicht anders ausgehalten hätten. Was können wir dafür, dass die Peruaner so zart beseitet sind und noch nicht einmal 15 Grad außentemperatur durch einen kleinen Fensterschlitz aushalten? So versuchen wir, trotzdem etwas Schlaf zu ergattern. Die Fahrt erweist sich jedoch als kleiner Nervenkitzel. Denn wenn die Angst, dass dir etwas aus dem Rucksack geklaut wird, in den Hintergrund rückt und man Angst vor jeder Kurve hat, dann ist man in Richtung Chachapoyas unterwegs. Es geht an den Bergen auf schmalen Serpentinen entlang, die gerade so für unseren Bus ausreichend sind. Auf der einen Seite kratzt die Steinwand an den Fenstern und auf der anderen Seite sucht man vergebens die Straße, stattdessen geht es mehrere hundert Meter in die Tiefe. So wird vor jeder Kurve ein Stoßgebet abgegeben und man freut sich über jedes Grasbüschel, das man zwischen Bus und Abgrund sieht. 

 

Trujillo und Huanchaco 13.3. - 16.3.2018

Donnerstag, 22.03.2018
 
Über Nacht gehts für 15 Euro mit der Busgesellschaft Oltursa acht Stunden lang in Richtung Norden nach Trujillo. Zum Glück kam die zehnte Person, die wir nach dem Weg zum Busbahnhof von Oltursa (es gibt keinen zentralen Busbhf., sondern jede Gesellschaft hat ihren eigenen Hof in der ganzen Stadt verstreut) fragten darauf, dass doch ein Bus von unserem Hotel aus dorthin fuhr. Denn ein Taxi bei Nacht hätten wir nur sehr ungern genommen und so sparten wir auch noch bares Geld und gaben einer Passagierin einen Anlass, sich darüber auszukotzen, dass wir den ganzen Bus mit unserem Gepäck einnahmen. Man hilft halt, wo man kann. Der Bus war wohlgemerkt sehr groß und leer. Aber solche Menschen gibt es anscheinend doch nicht nur in Deutschland. Als wir dann ca. zwei Stunden vor Abfahrt um acht Uhr bei Oltursa ankamen, waren wir zunächst etwas geschockt: Es gab einen Check-in-Schalter für Gepäck, W-Lan und solche Torbögen, wie man sie am Flughafen findet. Auch der Bus konnte mit auf 140 Grad verstellbaren Sitzen, einem Sandwich zum Abendessen, Fernesehprogramm und guter Klimatisierung beeindrucken. Da kann sich Flixbus noch eine Scheibe von abschneiden. 
So kommen wir sehr gut erholt am nächsten Morgen in der Wüstenstadt Trujillo an, laden unser Gepäck im Hostel mit eigener Schildkröte ,,Hermes'' ab und machen uns gleich auf den Weg zur Huaca de la Luna und zur Huaca del Sol. 
 
Hermes
Huacas sind heilige Orte der alten Bevölkerungen, die hier vor dem Eintreffen der Spanier lebten. In diesem Fall erwarteten uns zwei Pyramiden. Mit dem Minibus geht es durchs beschauliche Örtchen Moche zum Museum der Huacas. Da die Huaca del Sol bisher keinen Sponsor zur Ausgrabung gefunden hat, darf diese noch nicht betreten werden. Unglaublich! Da steht eine riesige Pyramide gleich neben einer Großstadt und keine Sau interessiert sich für deren Erforschung. Naja, dann halt nur die Huaca de la Luna. 
 

Mit einem Guide und ein paar Amis besichtigen wir die alten Mauern, die teilweise noch Originalerhalten und schön bunt sind. Wir werden vorbei an Opferpodesten, Gräbern und verschiedenen Räumen geführt und uns wird die Bauweise der Pyramiden erklärt, denn diese wurde alle paar Jahre um ein paar Meter erweitert- einfach ne neue Schicht oben drauf, um dem Opfergott zu gefallen. An einer der höchsten noch erhaltenen Mauern sieht man, wie die Wandmalerein sich je nach Generation verändern und verschiedene Symbole verwendet wurden. In einer Art Priesterumkleide sehen wir ein Bild mit verschiedenen Symbolen, Tieren und Menschen. Bisher wissen die Forscher aber noch nicht, was dieses Bild zu bedeuten hat (zumal dort Europäische Kronen abgebildet sind, die Kultur der Moche aber nur zwischen 100-700 n. Chr. existierte, und diese somit gar keine Europäischen Kronen gekannt haben konnten - mystisch). Von der Huaca de la Luna bietet sich ein schöner Ausblick zur Huaca del Sol und man kann sich fast bildlich vorstellen, wie die alten Völker ihre Dörfer zwischen den Pyramiden erbaut haben. 
 
Wüste von Trujillo Alte Wandzeichnungen Aufbau Huaca de la Luna Ausblick auf die Huaca del Sol

Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Huanchaco, ein nur ein paar Kilometer entfernter Ort, der sich als Surferparadies so langsam einen Namen macht. Von hier aus wollen wir Chan-Chan besichtigen und die Seele etwas am Wasser baumeln lassen. Also bei unserer ersten Besichtigungstour durch Huanchaco erstmal Richtung Strand und das Wasser antesten. Mal eben den Zeh rein gehalten und scheiße ist das kalt! Da gehen wir nicht baden, aber können wenigstens behaupten: Wir waren (mit den Füßen) im Pazfik. Na gut also doch nur am Strand lang schlendern. 
 
Strand von Huanchaco   Fischer

Am nächsten Morgen geht es also nach Chan-Chan, einer alten und riesigen Stadt mitten in der Wüste. Man kann von der Hauptstraße aus direkt durch die alten, noch teilweise unerkundeten Ruinen schlendern und kommt nach einer Voertelstunde am noch gut erhaltenen Palast an (Der Rest wurde durch die starken Regenfälle, die El Niño mit sich bringt, dtark in Mitleidenschaft gezogen). Wir gehen etwas abseits vom Hauptweg und treffen auf eine Pyramide, die gerade noch von den fleißigen Bauarbeitern ausgegraben wird. Weiter Richtung Haupttempelanlage gibt es bis auf Meter hohe Mauern nichts zu sehen außer Sand und Geröll. Angekommen beim Haupttempel, der nur 2 % des ganzen Areals ausmacht und nur für den König als Grab bestimmt war, teilen wir uns mit einem weiteren Deutschen Paar einen Guide, der uns alles erzählen wird. 
 
Strömungsdarstellung
Dabei zeigt er uns auch, wie sich die Wandmalerein deuten lassen und zeigt auf ein Mauerstück mit einem Eichhörnchen und wellenförmige Strukturen, was die Verbundenheit der Chan-Chan Kultur mit dem Land und dem Wasser zeigt. Die Hauptattraktion für uns ist jedoch eine Wandzeichnung, die das heutige Strömungsverhältnis von Chile nach Ecuador erklärt. Die Chan-Chan wussten anscheind schon, dass der Strom aus Ecuador das warme Wasser bringt und nah an Peru dran liegt, Chile jedoch sehr viel weiter weg liegt und das das kalte Wasser nach Peru bringt. Dafaus resultiert dann auch El Niño. Gut zu wissen, aber warum baut man unbedingt mitten in der Wüste eine Stadt? Da gibt es doch nichts außer Sand und Einöde. Das haben wir natürlich unseren Guide gefragt und er antwortet mit einem Lächeln: Weil sie schlau waren. Denn die Fläche, wo die Stadt erbaut wurde, ist sehr eben und so konnten Feinde, die aus den Bergen kommen, schnell entdeckt werden. Des weiteren bietet die Küste Nahrung und Handelsmöglichkeiten mit China. Ja die sind ernsthaft mit ihren aus Strippen geflochtenen Strohbooten nach China gesegelt. 
Fischerboote
 
Und was wahrscheinlich der größte Standortvorteil war, das Grundwasser ist Trinkbar und liegt nur in 1 m Tiefe und Flüsse aus den Bergen bieten ebenfalls Trinkwasser. Also doch nen guter Standort für eine Stadt. Wenn da nur nicht die brennende Sonne wäre! Das dachten sich auch die Chan-Chan und verteufelten diese. Der Mond hingegen war ihre Hauptgötzin, denn sie hatte die Kontrolle über ihren Mann, die See, und bestimmte die gezeiten und somit auch die Lebensweise der Chan-Chan, denn bei Vollmond gab es hohe Wellen und niemand ist rausgefahren zum Fischen. So überlebte die Chan-Chan Dynastie, bis die Inka kamen und alles einnehmen wollten. Wir alle wissen ja, dass die Inka sehr schlau und wahrscheinlich auch gute Strategen waren. Diese haben es sich nach und nach in den Bergen heimisch gemacht und wollten die Chan Chans aus dem Weg räumen, um wahrscheinlich an deren Schätze zu kommen und natürlich den Platzhirsch raushängen zu lassen. So haben die Inkas den Chan Chans das Wasser aus den Bergen abgedreht und vermeintlich einen guten Schachzug hingelegt. Kein Problem für die Chan-Chan, denn diese wandten sich einfach Richtung Berg, hoben die Mittelfinger und gruben einfach mehr Brunnen. So gab es einen 20-jährigen Krieg zwischen den beiden Volksgruppen, den die Inka jedoch gewonnen haben und die Chan Chans nach Cuzco verschleppt und unterworfen haben. Spannend! Aber genug geschichtliches.

Nachdem wir Chan-Chan wieder verlassen haben, schlendern wir noch etwas durch die Gassen Huanchacos und treffen auf einen alten Weggefährten, der mit uns die Bootsfahrt nach Iquitos mitgemacht hat. Wir verabreden uns zum Abend, um den einen oder anderen Cuba Libre zu genießen (harter Alkohol ist hier um weiten günstiger als Bier...). Aber was wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen: In Peru gibt es ein Landestypisches Gericht, mit dem Namen Ceviche. Alle, die wir bisher getroffen haben, haben davon geschwärmt und so wollen wir uns auch endlich mal rantrauen. In einem kleinen Nieschen Restaurant finden wir ein Menú del día mit Vorspeise Ceviche. Gut, dann probieren wir das mal. Also Ceviche ist roher Fisch, der durch Limettensaft "gekocht" wird und mit Chilli, Zwiebeln und Koriander kombiniert wird. Unser Resultat: Super lecker! Also Essen machen können die Peruaner. 

Am letzten Tag geht es dann Abends nur noch zurück nach Trujillo, um von hier aus den Bus nach Cajamarca zu nehmen. 

 

Lima 8.3.-12.3.2018

Dienstag, 20.03.2018

Der günstigste Weg aus Iquitos raus ist per Flugzeug. Alternativ hätten wir auch mit dem Boot drei weitere Tage weiter stromaufwärts nach Yurimagua fahren können. Aber eine solche Bootsfahrt hat uns dann doch gereicht und so geht es am 8.3. um neun Uhr abends für 30 Euro mit dem Flugzeug nach Lima. Bevor es durch den Sicherheitscheck gingen, wollten wir noch ein Bier in der moskitogeschwängerten Dschungelluft trinken, als auf einmal eine Polizeikolonne mit zehn Wagen und Blaulicht vorfuhr. Bestimmt eine wichtige Persönlichkeit im Anmarsch. Da machen wir uns erstmal unser Bier begleitet von einem lauten ,,Plopp'' auf, was die bewaffnete Spezialeinheit sich fast in die Hose machen ließ und die umstehenden Peruaner zum lachen brachte - die Deutschen.
Um elf Uhr in der peruanischen Hauptstadt gelandet müssen wir uns keine Sorgen um die Fahrt zu unserem eine Stunde entferneten Hostel machen, denn der letzte Bus ist schon gefahren, Taxis kosten zehn Euro und sind bekannt für Entführungen mit anschließendem Raub, also bleibt uns nur noch der überteuerte Flughafenshuttle unseres Hostels. Wenigstens sind wir so sicher unterwegs. Ab ins Achterbettzimmer und gute Nacht. Unser Hostel ist im sicheren Touristenviertel Miraflores und so erkunden wir tagsdarauf die Pazifische Steilküste mit all ihren Parks und Promenaden.

 

 

Miraflores an sich ist schon ein nettes Fleckchen Erde und mutet wie ein Europäischer Großstadtvorort an. Den zweiten Tag stand die Huaca Pucllana - eine Pyramide in Mitten von Miraflores'- an. In einer Führung wird uns hier über die Opfergaben und Rituale der früheren Limakultur berichtet.

 

Nachgestelltes Grab

Auf dem Weg zum Mittagessen kommen wir an einem Ökomarkt vorbei und probieren uns durch den veganen Kokuskäse und sonstige sonderbaren Dinge durch. Den letzten Tag verbringen wir im hippen Nachbarviertel Barranco, wo die Muttis abends im Park Essen und Cocktails verkaufen und Straßenkünstler für lebendige Stimmung sorgen. Alles schön und gut, nur eine Sache stört uns hier bisher ganz gewaltig: Alles ist übertrieben teuer und schmeckt noch nichteinmal. Vom Bier wollen wir gar nicht erst anfangen...
Die letzte Nacht verbringen wir in Downtown, dem angeblich gefährlichen Zentrum von Lima. Hier sind kaum Europäische Touristen unterwegs, was auch die überteuerten Preise der wenigen vorhandenen Hotels erklärt. Hostels sucht man hier vergebens und so kommen wir in der günstigsten Absteige unter: El Gran Hotel. Es gehörte vor 100 Jahren mal einer Italienischen Familie und wurde seitdem auch nicht mehr restauriert. Die vergangene Anmut des Gebäudes lässt sich durch dessen Größe und die Innenhöfe mit heruntergekommenen Springbrunnen nur nich erahnen. Aber für eine Nacht wirds schon reichen.

Das Historische Zentrum ist neben dem langweiligen Miraflores und den verdreckten und chaotischen übrigen Stadtteilen immernoch am sehenswertesten. Wir wohnen der Militärparase am Plaza de Armas bei, folgen einer Bauerndemo mit Kuhglocken durch die Gassen und besichtigen einige der vielen pompösen Kirchen, das Barrio Chino (China-Town) und Kathedralen, sowie Museen. Bei dem Rundgang durch dir Katakomben der Basílica de San Francisco erfahren wir, dass die peruanische Variante des letzten Abendmahls nicht Fisch als Hauptgericht vorsieht, sondern Meerschwein. Na gut, jedem das seine. Ein Spektakel war der abendliche Besuch des Parque de la Exposición - einem Springbrunnenpark mit Beleuchtung der verschiedenen Brunnen. Nur der nächtliche Rückweg durch die Altstadt war etwas unbehaglich, aber sonst haben wir uns in Lima immer Sicher gefühlt. Alles in allem schön, hier gewesen zu sein, aber eindeutig kein Muss.

Im Dschungel von Perú 22.02. - 08.03.2018

Freitag, 16.03.2018

Nachdem wir mit den Mitreisenden vom Boot noch im Café Carma waren und den wohl teuersten Instantkaffee mehr oder weniger genossen haben, machen wir uns nun auf den Weg zu unserer Arbeitgeberin für die nächsten zwei Wochen. Der Deal: Drei Stunden am Tag arbeiten und ein bisschen den Haushalt schmeißen und dafür kostenlos dort wohnen. Allerdings verspricht der Weg dorthin nicht ganz so einfach zu werden. Wir haben zwar eine Wegbeschreibung von Ivonne bekommen, aber zunächst müssen wir den Bus Nummer 60 nach Varrial finden. Einer der gefühlten tausend TucTuc-Fahrern ist auch der Meinung, den Weg zu kennen und so lassen wir uns von ihm zu einer der ,,Bushltestellen'' fahren. Wenn es doch nur so einfach wäre... Denn anstatt uns zum Bus zu fahren, fährt er uns zu seinen Kumpels, die uns für den fünffachen Preis nach Varrial fahren wollen. Nein danke. Zum Bus bitte. ,,No hay un bús a Varrial.'' ,,Si, hay!'' (Es gibt keinen Bus nach Varrial - Doch, den gibts!) Und schon ist seinem Gedächtnis auf die Sprünge geholfen und der nächste Halt heißt Belén, wo wir in den besagten Bus einsteigen können. Na geht doch! Dass man hier etwas mehr auf unser Geld fixiert ist haben wir spätestens nach der Fahrt vom Hafen zum Café Carma gemerkt. Hier stellte der Fahrer auf halber strecke fest, dass er gar nicht weiß, wo dieses ist und fährt uns anstattdessen zum Hostel seines Kumpels. Prima! Anstatt den veranschlagten Preis zu fordern, will er auch noch fast das doppelte wie zu Beginn und dabei sind wir noch nichtrinmal am Ziel angekommen. Nicht mit uns. In fließendem Spanisch wird der erstmal zur sau gemacht. Am liebsten hätten wir den gar nicht bezahlt. Alles Money-Bitshes hier. Aber egal. Es geht also mit dem Holzbus Richtung Varrial. Ja, richtig gelesen: Holzbus. Denn der Import von ganzen Autos nach Iquitos ist extrem teuer, da keine Straßen hierherführen und demnach alles per Boot oder Flugzeug herangeschafft werdwn muss. Das erklärt auch die Massen an TucTucs und so ist es auch günstiger, sich Motor, Räder, Amatur und Frontscheibe einzeln liefern zu lassen und hier dann alles mit Holz zusammen zu bauen. Hat was!


Ungefähr einen Kilometer hinter Varrial Richtung Nauta und 90 Minuten hinter Iquitos steigen wir bei drei Häusern aus, denn der Bus wendet hier und fährt zurück nach Iquitos. Von hier aus geht es zu Fuß noch eine Stunde eine Sandstraße am Dorf Moralillo vorbei und dann nochmal eine halbe Stunde durch dichten Dschungel bis zur Farm, auf der wir die nächsten zwei Wochen arbeiten werden. Wer jetzt Moralillo googelt, wird enttäuscht werden, denn noch nicht einmal Google kennt dieses kleine Hundertseelendorf mitten im Nichts. Dafür versuchen wir, die Marke auf der Karte möglichst genau zu setzen.
Da wir diesen Weg mitten am Tag bei größter Hitze und mit ca. 20 Kilo Gepäck bestritten haben, brauchen wir ersteinmal alle Trinkwasservorräte des Hauses auf.

Wasserfilteranlage

Gearbeitet wird heute nicht mehr. Dafür stehen wir die nächsten Tage immer so zwischen sechs und halb sieben auf, um noch vor der Mittagshitze mit der Arbeit fertig zu sein. Die Arbeit besteht die ersten drei Tage darin, kleinere Bananenpflanzen im Dschungel zu suchen und rund um das Haus zu pflanzen. Eine schweißtreibende Arbeit, da man sich mit Machete und Spaten erstmal durch dichtes Gehölz schlagen und ab zu vor einem wütenden Bienenstamm davonrennen muss, weil man ausversehen das Blatt, an dem ihr Nest hing, abgeschlagen hat. Ansonsten reparieren wir noch das Dach des Brunnens, aus dem wir unser Trinkwasser ziehen und lichten den Dschungel rund um das Haus. Hierbei treffen wir auf diverse Spinnen, sich paarende Gottesanbeterinnen, giftige Frösche und etliche Moskitos. Das gefährlichste Tier war jedoch der verfluchte Hahn der Farm, der uns bei jeder Gelegenheit angriff, um seine Alfastellung zu sichern. Wie gern wir doch die Machete an ihm getestet hätten. Naja, dafür haben wir seine ungeborenen Kinder gegessen. Auch gut.

Pollo peligroso!


Zwischendurch hatten wir natürlich auch ein paar freie Tage, die wir dann in Iquitos verbrachten, um auf dem Markt in Belén einzukaufen und einfach mal wieder lecker zu essen. Denn im Dschungel gabs nur Erbsen, Bohnen, Linsen, Reis, Gemüse und Früchte, da es keinen Kühlschrank gab und man immer für eine Woche einkaufen musste. Als wir eines Abends in der Dämmerung aus Iquitos kommend zurück zur Farm gingen, sahen wir ein sich rekelndes Raubtier am Boden liegen. Oder? Ach ne, doch nicht. Bei näherem Hinsehen erwies sich das angebliche Raubtier als besoffener Einheimischen, der wohl mit dem Feuerwasser nicht so gut zurecht kommt. Wir versuchen, ihm aufzuhelfen, doch lassen ihn dann liegen, da er sofort wieder hingefallen wäre und motorisch da gar nichts mehr ging. Also lassen wir ihn da im Matsch liegen und geben, in der Farm angekommen, Ivonne bescheid, welche das Problem schon kennt und meint, dass hier ab und zu auch mal einer ertrinkt, wenn er Kopfüber im Matsch landet und es dann am besten auch noch zu regnen anfängt. Und es ist wohlgemerkt gerade Regenzeit. Wenns hier mal regnet, dann aber so richtig.
Unser Haus besteht aus drei Etagen, wobei die unterste komplett von einer Flut zerstört wurde. Darüber ist Gemeinschaftsraum und Küche und ganz oben schlafen wir. Das ist ganz lustig, denn nachts gewittert es hier immer sehr heftig, sodass das ganze Holzhaus wie wild wackelt.

Kochstelle Wohnbereich  unser Haus von aussen Toilette mit ¨Spülsystem¨  Regenwasserauffangstation für die Dusche und das Waschbecken unser Zimmer


Die letzten beiden Tage nehmen wir uns frei und verbringen diese überwiegend in Iquitos, denn hier haben wir das Restaurante La Noche direkt an der Promenade gefunden, in dem wir für nur vier Soles super Kaffee bekommen. Mittags sitzen wir dann aber dann doch lieber in einer der vielen Küchen in der Halle neben dem Mercado Central und genießen ein Mittagsmenü mit lecker Suppe, Hauptgericht und Saft für nur fünf Soles. Hier hat man endlich mal wieder wie bei Omi gegessen.

Jeder kocht sein eigenes SüppchenPollo (Huhn) y Lomo (Rind) saltado

Bootsfahrt nach Iquitos 19.2. - 22.02.2018

Mittwoch, 14.03.2018
Wir haben uns den Plan gefasst, von hier aus weiter nach Perú zu reisen, was auch nahe liegt, denn auf Brasilien haben wir keine Lust und zum Fliegen haben wir kein Geld mehr. Man muss ja auch mal sparen können. Drum soll es auch nicht mit dem schnellen Boot innerhalb von zwölf Stunden, sondern mit dem langsamen Boot innherhalb von drei Tagen nach Iquitos gehen. Direkt von Leticia nach Iquitos geht es aber nicht, wie wir beim Herumfragen erfahren. Man muss dazu erst nach Santa Rosa (Perú) und von hier aus legt dann die Fähre ab. Deshalb war es unsere Aufgabe für die nächsten zwei Tage, herauszufinden, was wir für die Ausreise und die Überfahrt zu beachten haben. Fragen wir doch einfach mal im Hostel an der Rezeption nach. Die werden das schon wissen. Aber hier spielen die Regeln anders. Jeder ist der Meinung, dass er etwas weiß, aber weiß dann doch nichts und so erfahren wir, dass heute kein Schiff fährt. Die Frage, wann denn das Schiff fährt wird, uns von jedem anders Beantwortet. Der eine meint früh um neun, der andere meint um die Mittagszeit rum und wieder ein Anderer meint, dass es in den Abendstunden los geht. Na toll, was denn nun. Am Hafen treffen wir auf einem Einheimischen der uns den Tipp gibt, dass das Boot um 19.30 los fährt und es reicht wenn wir um 17 Uhr am Hafen sind, damit wir noch einen Hängemattenplatz bekommen. Um das Schiff mal darzustellen: Es ist eigentlich ein Transportschiff mit Gütern, die von Leticia nach Iquitos gebracht werden. Seit einigen Jahren zählen zu den Gütern jedoch auch Menschen, die es sich mit einer Hängematte auf den oberen Decks gemütlich machen können. So kommt man für einen schmalen Taler in mehr oder weniger drei Tagen nach Iquitos und wir starten am nächsten Tag unseren nächsten Anlauf und lassen uns auf der kolumbianischen Seite ausstempeln. Ciao Colombia, hola Perú! Mit dem kleinen Wassertaxi (hier Lancha genannt) geht es rüber auf die peruanische Seite nach Santa Rosa, wo das Schiff ablegen soll. Als wir dort ankommen, bekommen wir schon den ersten Schock, denn von außen sieht das Schiff schon knüppelvoll aus. Auf dem unteren Deck sieht es aus als wäre der Mensch auch eine Ware. Dicht an dicht hängen hier die Hängematten neben einander.
 
Eine Etage darüber haben wir aber mehr Glück und treffen auf eine große Touristtruppe, wiedermal gemischt aus Franzosen und Deutschen. So weit so gut. Erstmal den Platz mit der Hängematte sichern und nochmal schnell los ins Migrationsbüro auf der peruanischen Seite, denn langsam wird es dunkel. Mit dem Lancha geht es nochmal ein Stück weiter weg und wir fragen uns nach dem Migrationsbüro durch.
 
Vorbei an Bretterbuden und Mototaxis kommen wir völlig verschwitzt durch unseren schnellen Schritt am Büro an und schauen auf die Öffnungszeiten. Geschlossen! Wir sind eine halbe Stunde zu spät. Neben dem Eingang sitzt eine gut beleibte Peruanerin, die wir bitten, uns nur schnell die Einreisestempel zu geben. Sie meint, dass sie keine Schlüssel hat aber gibt ihrem in fünf Metern Entfernung saufenden Companion Bescheid. Dieser weigert sich jedoch, von seinem Kartenspiel mit seinen Kumpels aufzustehen. Nach einigen Bitten gibt er jedoch nach und öffnet die Tür. Puh! Die Dame vom Eingang ist auch super lieb und erzählt uns stolz, dass sie mal Deutsch gelernt hat und präsentiert uns ihre paar Wortkünste. Nach quälend langen Minuten haben wir unsere Stempel und ein Blick auf die Uhr verrät, dass wir noch Zeit haben, bis das Schiff abfährt. Naja trotzdem lieber flinke Füße, denn die Abfahrtszeiten können sich ja mal ändern. So wollen wir nur schnell noch nen Bier kaufen und fragen was das peruanische Bier kostet. 10 Soles?! Die spinnen doch! Achja: Die neue Geldeinheit ist Soles und die Umrechnung ist ca. 4:1. 

Also verzichten wir und machen uns lieber auf den Weg zum Schiff. Dort angekommen kaufen wir uns dann doch ein Bier auf dem Schiff und quatschen mit unseren Parzellennachbarn für die nächsten drei Tage. 

Gegen halb acht geht es wirklich los und wir machen uns auf den Weg nach Iquitos. Nach ein paar Stündchen Fahrt werden wir so langsam müde und wollen es uns in unseren Hängematten bequem machen. Bequem sind sie, doch schlafen ist unmöglich, denn neben uns läuft auf voller Lautstärke der Fernseher mit einem kleinen Kreis bestehend aus Peruanern drum herum. Der Fehrnseher lief schon seit unserer Ankunft und wird nicht müde, Filme mit Knall, Puff und Peng runter zu leiern. Zum Glück wird gegen ein Uhr früh der Strom abgeschaltet und der Fernseher ist endlich mal still. Doch lange hält die Stille nicht, denn um vier geht das Gedudel von vorne los und die Peruaner erfreuen sich an ihren morgendlichen Fernsehstunden. Gegen sechs Uhr früh kommen fleißige Helfer des Schiffs herum und verteilen Brot und etwas undefinierbares in der Tasse. Leider kein Kaffee, also kurz zur Kioskdame und Kaffee holen, naja man bekommt heißes Wasser hingestellt und darf sich das Instandpulver selber dazu mischen. Besser als garnichts. Da so eine Scheibe Brot ja nicht lange satt macht, freuen wir uns, dass bei jedem längeren Halt Kinder und einheimische an Board kommen, die Getränke, Früchte oder Knabberein verkaufen. Da wir nicht genau wissen, ob es auf dem Schiff nun was zu essen gibt oder nicht, probieren wir etwas handgroßes, in einem Blatt eingewickeltes aus, was nur zwei Soles kostet. In den Blättern befindet sich köstlich gewürzter Reis, mit einem Stück Hühnchen drin. Sofort holt sich jeder von unserer Touritruppe solch eine Mahlzeit und die Dame erfreut sich über das Geschäft ihres Lebens. 
 
 
Man weiß ja nicht, wann wir das nächste Mal was bekommen. Nachdem das Gewusel von den Verkäufern abgenomnen hat, wird nun doch Mittagessen herum gereicht. Reis mit einem Klecks Erbsenpüree und einem kleinen Stück Huhn. Ist zwar deutlich weniger Lecker, aber es macht halbwegs satt und wir brauchen uns um die nächsten Tage keine Gedanken machen. Bei unseren Zwischenhalten wird dann immer Ware verladen, darunter Kühe, Menschen, Kartoffelsäcke. Einfach alles.
 
Highlight waren die lebenden Schweine, die unter markerschütterndem Gequieke am Schwanz und an der Schnauze gepackt wurden und dan an Board geschmissen wurden. Barbarisch, aber so ähnlich läuft das in Europa bestimmt auch ab. Da haben wir do inch lieber Zeit mit dem mitreisenden Baby-Nasenbär (dieser Roch einem mit dem Rücken zu ihm stehenden Polizisten während einer Kontrolle am Gesäß, wodurch diesem dann ein recht femininer Aufschrei entfur und das gesamte Deck in Gelächter ausbrach - wunderbar!), mit dem Beobachten des Flussufers oder mit Kartenspielen verbracht. Einige Male haben wir sogar Flussdelfine dabei beobachten können, wie sie den Fischern ihre Beute aus den Netzen naschen. So schippern wir drei Tage gemütlich den Amazonas entlang und freuen uns darauf, was uns in Iquitos erwartet. 

 

Leticia 13.02. - 19.02.2018

Freitag, 09.03.2018


Welcome to the jungle wäre das perfekte Lied zum Flugzeugausstieg in Leticia gewesen. Wer hier einen großen Flughafen sucht, sucht vergeblich. So kommen wir direkt in die kleine Empfangs-, Gepäckannahme- und Touristensteuerzahlhalle an, wo wir den Drogenspürhunden beim schnüffeln auf dem Laufband zugucken können. Mit dem Taxi geht es erst mal zu unserem Hostel La Pirañita. Nettes Plätzchen und uns wird gleich gesagt, dass das Internet hier draußen eher mäßig und bei Regen gar nicht funktioniert. Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, wollen wir etwas durch die kleine Stadt laufen, um zu schauen, was es denn hier tolles gibt. Auf der Suche nach dem Hafen kommen wir nach ein paar Abbiegungen in völlig falscher Richtung am Ortseingangsschild von Brasilien an. Wer sich wundert, Leticia befindet sich am drei Ländereck zwischen Kolumbien, Brasilien und Peru und
so haben wir bei der Gelegenheit auch die Brasilianische Stadt Tabatinga besucht. Hier soll es aber angeblich nicht sehr sicher sein und so machen wir nach ein paar Schritten auf Brasilianischem Boden lieber wieder kehrt. Zurück im Hostel erkunden wir uns bei unserem Rezeptionisten nach den hiesigen Aktivitäten. Er erzählt uns von Mehrtagestouren im Amazonasregenwald und bietet uns für den nächsten Tag eine Viertagestour an. Nach einigem hin und her Überlegen entscheiden wir uns dafür und stürzen uns somit in unser nächstes großes Abenteuer. 

Am kommenden Morgen klingelt um sechs der Wecker und unser Abenteuer beginnt. Unsere Dschungelgruppe besteht aus zwei Guides, die im Dschungel aufgewachsen sind, zwei Franzosen, die erstaunlicherweise englisch können, einer weiteren Deutschen und uns. Bewaffnet mit Gummistiefeln, Hängematte, Moskitonetz, Wechselklamotten und Proviant (ca. 10 kg pro Rucksack) steigen wir ins Taxi, welches uns 25 km aus der Stadt raus bringt. Nun heißt es wandern bis zur Mittagspause. Unsere erste Hürde lässt nicht lange auf sich warten, denn derzeit ist Regenzeit im Amazonas und das bedeutet, dass das Tiefland überflutet ist. So begeben wir uns in hüfthohes Wasser und versuchen, auf einem unter Wasser liegenden Baumstamm balancierend auf die andere Seite zu gelangen. So viel zu den Gummistiefeln. Die helfe bei der Tiefe auch nicht viel. Aber trotzdem klappte das soweit ganz gut, jedoch einer der Franzosen verliert das Gleichgewicht und geht als erstes Baden. 

Nach ca. drei schweißtreibenden Stunden, die uns auf und ab durch den dichten Dschungel geführt haben, kommen wir an unserem Rastpunkt fürs Mittagessen an. Endlich was essen! Das denken sich auch die Moskitos und vermiesen uns durch ihre allgegenwärtige Anwesendheit etwas das Mittagessen. Also schnell zusammen packen und weiter ziehen, denn vor Anbruch der Dunkelheit müssen wir noch unser Nachtquatier finden und aufbauen. So gehts nochmal drei Stunden weiter. Unsere Guides zeigen uns das eine oder andere Spektakel - unter Anderem eine Rinde, die angeblich Malaria heilen könne. Endlich am Rastpunkt angekommen heißt es für uns Erfrischung im kleinen Bach und Aufbau des Camps, denn schon bald wird es dunkel. Unser indianischer Koch Oscar macht sich mit Stöckern und Topf bewaffnet ans Kochen und es gibt lecker Reis mit Thunfisch. Die Zwiebel dazu wird natürlich mit der Machete hauchfein zerkleinert. Wir sind ja hier schließlich nicht im Kindergarten. Beim Essen wird es so langsam dunkel und die Schlafenszeit bricht heran (so zwischen 6/7), denn Morgen erwartet uns der zweite Teil unserer Route bis zu unserem Endziel. Bevor wir zu Bett gehen, erläutert uns unser anderer Guide Leo noch, dass wir in der Nacht nur zu zweit auf Toilette gehen sollen und überall hinleuchten sollen wo wir lang gehen, es könnte ja sein, dass gerade eine Schlange oder etwas anderes unseren Weg kreuzt. 

So begeben wir uns in unsere Hängematten und uns umschlingt nach Ausschalten der Taschenlampen die Dunkelheit des Dschungels. Man sieht wortwörtlich nicht mehr die Hand vor Augen und die Geräuschkulisse ist unbeschreiblich. Zum anfänglichen Grillenzirpen gesellen sich schnell Affen- und Vogellaute von weiter weg dazu und noch weiteres unidentifizierbarea Gebrüll.

Der nächste Morgen beginnt in aller Frühe und wir werden mit Eiern und Kaffee beköstigt. Wir Fragen unsere Guides, was wir denn Nachts für ein uriges Gebrüll und Lärm gehört haben und dieser Antwortet darauf: ,,Fue un pollo". Moment... ein Huhn, welches Geräusche macht wie ein Gorilla? Komische Hühnchen haben die hier im Dschungel. Nach unseren fragenden Blicken fügte der Guide hinzu ,,un pollo peligroso''. Achso, also ein gefährliches Huhn mit einer Stimme wie der Kampfschrei eines Wikingers. Na die werden schon wissen, von was sie reden.

Nach dem kurzen Frühstück bauen wir unser Camp ab und begeben uns auf die nächste lange Reise, um unser Ziel zu erreichen. Auf dem Weg dorthin, wird kurzerhand ein Stück Baum mit der Machete rausgeschnitten und unser 1,50 m Guide schleppt diesen zu uns. Nach kurzer Erläuterung heben beide Guides den Baum fast senkrecht in die Luft und schon kommt fließend Wasser aus dem Baum gelaufen. Jeder darf mal probieren und es schmeckt gar nicht mal so schlecht, sogar ein wenig süßlich. Nach der kurzen Erfrischung überrascht uns mehr oder weniger der Regen und wir finden bei einer anderen Gruppe Schutz unter deren Plane. Die beiden Touristen werden von zwei Jägern begleitet die Stolz erzählen, wie sie am vergangenen Tag einen Jaguar geschossen haben, der natürlich dann zum Frühstück verspeist wurde. Normalerweise dürfen Jaguars nicht geschossen werden und so fragt eine aus unserer Gruppe, warum dennoch der Jaguar geschossen worden ist. Darauf erwiedert der nur noch drei Zähne besitzende Jäger, dass er es mit einem Wildschwein verwechselt habe und setzt dabei sein schelmisches Grinsen auf. Nun ja sei das mal jetzt so dahingestellt. Jedenfalls erkennen wir durch Handzeichen bei einer Unterhaltung unter den Guides, dass auf unseren Weg wohl Wasserstellen vorhanden sind, die bis zum Hals reichen. Na dann lassen wir uns mal überraschen. Wie gesagt die Guides sind ca. 1.50 m. Also könnte der Wasserstand für uns etwas geringer sein. 

Nach einer Weile hört der Regen allmählich auf und wir machen uns wieder auf dem Weg. Direkt hinter dem Camp müssen wir über einen gefällten und zur Brücke umfunktionieren Baum einen Bachlauf überqueren, der schon uns die eine oder andere Körperbeherrschung abverlangt. Aber auch das lassen wir gekonnt hinter uns und marschieren strammen Schrittes weiter durch den Dschungel. Nach gut zwei Stunden kommen wir an einer Gabelung des Weges an und die Guides stellen uns zwei Optionen zur Verfügung.
Option 1: Vier Stunden bis zum Ziel und über und unter Bäumen hindurch klettern, was ja kein Problem wäre, wären da nicht fie fetten Rucksäcke, die bei solchen Aktionen stets hängenbleiben. 
Option 2: Eine Stunde wandern und durch das besagte Wasser bis zum Hals laufen. Gibt es Schlangen und spinnen im Wasser? Si, pero no es peligroso. 
Nach einigen Abwägungen beschließt sich unsere Gruppe für ,,nicht gefährlich'' hört sich besser an als vier weitere Stunden wandern und so geht es mit mulmigen Gefühl in Richtung Ziel. Nach und nach wird der Weg immer matschiger, bis wir schließlich durch hüfthohes Wasser laufen. Da bringen uns die Gummistiefel jetzt auch nicht mehr viel. Jetzt nur nicht hinfallen und in eine stachelige Palme fassen. Hat fast geklappt jedoch verfängt sich Josi im Gestrüpp und fässt natürlich genau in solch eine Palme. Tut ganz schön weh, aber ist zum Glück nicht giftig. Also weiter gehts in der Hoffnung, das Schlimmste bald überstanden zu haben... aber falsch gedacht. Wir treffen auf eine andere Gruppe, die sich gerade durch das zwei Meter tiefe Wasser kämpft und versucht, das Gepäck auf dem Kopf zu balancieren, damit wenigstens das nicht Nass wird. Da es nur einen dünnen Baum gibt, auf dem man rüber balancieren kann, wird uns empfohlen die Gummistiefel aus zu ziehen, da diese uns nach unten drücken würden falls wir fallen und schwimmen müssen. Leider hat einer der Franzosen nicht darauf gehört und verliert beim überqueren seinen einen Gummistiefel und fliegt mit Gepäck ins Wasser. Nun sind wir an der Reihe und unser Gepäck wird von einem der Guides rüber getragen wärend wir rüber schwimmen können. Schnell wieder in die Gummistiefel rein, denn man weiß ja nicht was auf dem Boden rumkraucht und auf Käsefüße steht. Puh haben wir das nun auch geschafft! Es geht noch ein Stück durch hüfthohes Wasser bis wir endlich an einer auf Stelzen gebaute Hütte ankommen. Erst mal raus aus den nassen Klamotten und erholen von dem Trip. Danach gibt es zur Stärkung Mittag mit Reis und gegrillten Würsten. Von hier aus geht es nun nur noch mit dem Kanu weiter, denn wir sind am Fluss Calderon angekommen. Während wir auf das Kanu warten, können wir auf der gegenüberliegenden Uferseite Affen beobachten, die sich gekonnt von Ast zu Ast hangeln. Allein dafür hat sich die Tortur vom heutigen Tag schon gelohnt. Als das Kanu ankommt bemerken wir, dass wir viel zu viele sind, da das Kanu schon gefährlich Nahe an der Wasseroberfläche kratzt. So bleiben wir mit einem der Guides zurück und warten, bis das Kanu wiederkehrt. In der Zeit erzählt uns einer der Guides, dass hier Theresa und Maria wohnen und zeigt zum Dachstuhl. Dort hängt eine riesige graue Tarantel und bewacht ihr Haus. Wir versuchen, uns mit unserem Guide zu unterhalten und bemerken, dass sein Spanisch auch sehr brüchig ist und er mit seinen Companions in deren indigener Sprache spricht. Trotz dessen erzählt er uns, dass die indigenen Völker keine Pässe oder Dokumente besitzen, da sie auch ohne alles über Grenzen reisen können aber dass er noch nie etwas anderes außer Leticia und dem Dschungel gesehen hat. Nach einer Weile können wir wieder Affen von Baum zu Baum hüpfen sehen und können sogar ein kleines Babyäffchen auf dem Rücken seiner Mutter erkennen. Nach knapp einer Stunde oder auch länger kommt das Kanu, um uns einzusammeln. Auf der Fahrt zu unserem Camp können wir verschiedene Vögel über unseren Köpfen sehen und genießen die Aussicht. Angekommen am Camp wird uns gesagt, dass wir in dem hiesiegen Holzhaus schlafen können, welches dem Jäger gehört, doch wir wollen wieder die tolle Geräuschskullise erleben und fragen, ob wir denn unsere Hängematten auch in den umliegenden Bäumen spannen können. Unser Guide schaut uns völlig verwirrt an und meint nur, dass es zu gefährlich sei, wir aber unter dem Haus unsere Hängematten aufspannen können. Also gesagt getan. Als wir dann noch nach einer Nachtwanderung fragen, denken sich die Guides wohl, dass wir eine Schraube locker haben, aber sie stimmen zu. 
Nun ist es auch schon wieder Abendbrotzeit und wir werden Heute mit Reis mit Pasta überrascht. Nagut so lange es satt macht. 

Es wird dunkel und so machen wir uns mit Taschenlampen bewaffnet auf dem Weg in den Dschungel. Wir laufen eine Weile einen kleinen Pfad entlang bis wir kurz stehen bleiben. Am Rand, etwas versteckt im Busch sehen wir einen klitzekleinen Dschungelfuchs, der gerade sein Abendessen verspeist. Weiter auf dem Weg begegnen uns diverse Spinnen und wahrscheinlich sehr viel mehr Insekten, die wir nicht sehen aber hören können. Nach einer Weile bittet unser Guide uns, die Taschenlampen auszuschalten und leise zu sein. Sofort umschlingt uns wieder die tiefe Dunkelheit, wodurch einem nicht ganz wohl ist. Aber nach und nach sehen wir vereinzelte Blätter, die zu floureszieren beginnen und teilweise leuchten wie kleine Sterne. Schon faszinierend.
Auf unserem Rückweg sehen wir zwei kleine Schlangen, die sich über die Äste schlängeln. Wir fragen den Guide, ob diese gefährlich sind, er meint natürlich, sie können einen Menschen mit einem Biss töten. Okay, also schnell wieder weiter in Richtung Camp. Von der Nachtwanderung haben wir uns mehr Tiere erwartet, aber im Nachhinein ist es klar, dass sich keine Tiere in der Nähe von einer Jagthütte aufhalten werden. 

Die Nacht ist erstaunlich ruhig und so wachen wir am nächsten Tag ausgeruht in den frühen Morgenstunden auf. Heute gehts mit dem Kanu zum Piranhas angeln!! 
Nachdem Erik fleißig mit Oskar Würmchen gesucht hat, um diese als Köder zu benutzen, geht es auch schon los und wir fahren etwas Stromaufwärts. Dabei gibt es immer einen Captain und einen Schöpfer. Die Aufgabe des Captains ist klar, der Schöpfer schöpf nicht etwa neue Kreaturen, sondern nur das Wasser aus dem Kanu, denn dieses besteht nur aus zusammengelegten Holzbrettern. An einer günstigen Stelle lassen wir unsere Stöcker mit den Sehnen ins Wasser und warten und warten und warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit und ohne Erfolg schippern wir wieder Flussabwährts und versuchen an einer anderen Stelle nochmal unser Glück. Aber vergebens! Also wird es heute Mittag wohl wieder Reis mit Pasta geben. Oder doch zur Abwechslung Pasta mit Reis?
Aber zum Glück gibt es freundliche Nachbarn, die uns etwas von ihrem geräucherten Fisch abgeben. Sehr lecker und eine willkommene Abwechslung. 

Uns hat die Lust gepackt und so fahren wir am frühen Abend nochmal mit dem Kanu hinaus und wollen es nochmal versuchen. Wir passieren einen Einheimischen, der fleißig sein Kanu entwässert.

Aber auch diesmal haben wir keinen Erfolg. Im Nachhinein erfahren wir, dass das Hochwasser es quasi unmöglich macht, etwas zu fangen, aber wir haben es wenigstens versucht. 

Am Abend sitzen wir alle nochmal gemütlich ums Feuer herum und bereiten uns schon mental auf unseren Rückweg vor. Dieser wird die gesamte Strecke, die wir in zwei Tagen hin gelaufen sind, an einen Tag sein. Wir haben nur etwas Hoffnung, dass uns der Bootsfahrer weiter Stromabwärts bringt und wir so nicht schwimmen müssen. Aber das wird sich erst am nächsten Tag rausstellen, da sich hier der Plan alle fünf Minuten ändert. 

Im Morgengrauen stehen wir auf und nach dem Frühstück bauen wir unser Camp ab. Zu erst geht es wieder mit dem Kanu los und wir bleiben bei unserem Zwischenstop auf dem Hinweg stehen. Na toll, also müssen wir doch wieder schwimmen. Aber nach einigem hin und her fahren wir plötzlich weiter und ein Hochgefühl tut sich auf! Juhu doch nicht schwimmen! Nach etwa weiteren 20 Minuten steuern wir auf direktem Weg in das Gestrüpp am Uferrand und versuchen, uns so weit wie Möglich mit dem Kanu aufs Festland zu manövrieren. Nach unzähligem Hängenbleiben und Ästen in den Haaren (bei Erik, wenn denn nur im Bart) kommen wir am Ufer an und kämpfen uns über und unter Baumstämme hindurch. So wandern wir gute acht Stunden den ganzen Weg zurück und raus aus dem Dschungel. Kurz bevor wir den Dschungel verlassen, treffen wir auf die Stelle, die wir am ersten Tag hüfthoch passieren mussten. Kaum zu glauben, aber die Stelle ist trocken und so brauchen wir uns nicht einmal mehr da durch kämpfen. 
Raus aus dem Dschungel gibt es erstmal ein kühles Bier und wir freuen uns, dass wir die Erfahrung gemacht haben aber sind auch froh, dass wir es hinter uns haben. 

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