Medellin 25.12.2017 - 07.01.2018

Sonntag, 14.01.2018
 
Abends um neun Uhr machen wir uns mit dem Bus von San Gil über Bucaramanga auf den Weg nach Medellin. Der Bus weiß mit seinem effektiven aber unnötigen Kühlsystem zu bestechen, sodass die ganze Fahrt über neun bis 15 Grad auf dem Thermometer angezeigt werden und ein ekelhafter Geruch in der Luft liegt. Völlig unnötig deshalb, weil angenehme 20 Grad Außentemperatur herrschen und selbst die Einheimischen mit Winterjacke und Schlafsack ankommen... Der Überlkeit verursachende süßliche Geruch trägt auch nicht gerade zum Wohlbefinden bei.
Aber nach der überaus kalten Busfahrt über Nacht kommen wir völlig fertig am Dienstag um acht Uhr morgens in Medellin an. Hier wollen wir zwei Wochen verbringen, um unsere Spanischkünste zu verbessern. Da wir nicht genau wussten, wann wir ankommen würden, wollten wir mit dem Unterricht jedoch erst am Mittwoch anfangen. Als wir dann völlig fertig in der Schule/Hostel ankommen, werden wir gleich damit überfallen, dass in 30 Minuten der Unterricht anfangen würde und alles schnell schnell gehen müsse. Also setzen wir uns für vier Stunden zusammen mit unseren drei Mitschülern aus Taiwan, Irland und den USA zusammen in den Klassenraum und lassen uns von unserem Lehrer Daniel belehren. Endlich Mittagessen! Doch danach gleich wieder zwei Stunden Privatunterricht... Naja wir wollen ja etwas lernen und uns somit nicht beschweren, auch wenn schlafloses Lernen vermutlich nicht ganz so effektiv ist. Die nächsten zwei Wochen haben wir nicht viel Zeit, um etwas zu Unternehmen, da wir sehr viel mit Lernen und Hausaufgaben zu tun haben. 
Jedoch können wir das Wochende nutzen und haben uns für zwei Touren entschieden. 
Die erste Tour ist eine Freewalking-Tour in die Commune 13. Also eine kostenlose Tour mit einem Guide, der aus der Gegend kommt und seine Geschichte erzählt. Die Comuna 13 ist dafür bekannt, dass noch vor fünf Jahren jeden Morgen Leichen auf der Straße gefunden wurden, welche nicht weggeräumt wurden, da als Überraschung für die Polizei Sprengkörper in ihnen deponiert wurden. Der hier wütende Bürgerkrieg wurde dann durch das Militär beendet, wobei unzählige Zivilisten teilweise aus dem Hubschrauber getötet wurden. Nur einige Jahre später können hier Touristen flanieren (zumindest auf dem einen gesicherten Weg durch die Comuna). Uns erwarten hier viele spannende Graffitis, wobei jedes eine Geschichte erzählt. Wir laufen durch verwinkelte Gassen und die Häuser sehen zunehmend älter und ärmer aus. Highlight der Comuna 13 ist die wie wir finden sinnlose Rolltreppe zwischen den Häusern. Der Gedanke dahinter ist, die höher gelegenen ärmeren Haushälter mit der Innenstadt zu verbinden. Aber die Rolltreppe ist vielleicht einhudert Meter lang und hat eher den Zweck, Touristen anzulocken, die dann ihr Geld in das Angebot der Einheimischen, welches aus Kaffee, Kunst usw. besteht, anlegen. So ziehen beide Seiten ihren Gewinn daraus. Das ist doch Klasse! Aber wenn man mal nach links und rechts, abseits der Touri Straße guckt, sieht man noch immer heruntergekommene Häuser und weiß, dass man sich Abends hier besser nicht aufhält. Alles in Allem zeigte die Tour wiedereinmal, wie nah Armut und Reichtum aneinander wohnen und Medellin zwei Seiten der Medaille hat. 
 
Hilmar?!
Am Abend gibt es schnelle Rhythmen und heiße Hüftschwünge, denn wir nehmen an einer Salsastunde teil! Dazu gesagt: Zwei Bier sind inkludiert und das war der eigentliche Grund, weshalb wir dort mitmachten. Außerdem sind anderthalb Stunden Unterricht und zwei bier für nicht einmal drei Euro ein unschlagbares Angebot (Normalerweise zahlt man pro Stunde OHNE Bier ca 12 Euro). Aber wir haben super viel Spaß und sind sogar gar nicht mal so schlecht! Noch ein wenig Übung und man könnte meinen wir hätten nie etwas anderes getanzt. Nun heißt es aber noch schnell Hausaufgaben machen und ab ins Bett, denn Morgen ist die letzte Unterrichtsstunde.

Am Samstag erwartet uns die Pablo Escobar Tour! Wenn wir schonmal in Medellin sind, müssen wir diese natürlich mitnehmen. Wir werden mit einem Kleinbus frühs abgeholt und an verschiedene Punkte gefahren, die mit Escobar zu tun haben. Zwischen den Spots erzählt unser Guide die Geschichte von Escobar, wobei er sich sehr viel Mühe gibt, neutral gegenüber der Geschichte zu sein. So erzählt er sowohl von den Guten als auch von den Schlechten Sachen, die Pablo getan hat. So hat er beispielsweise ein ganzes Viertel in Medellin für arme Menschen erbaut und dieses selbstlos ,,Palblo-Escobar-Viertel'' getauft, aber auf der anderen Seite bei einem Anschlag mehr als 600 Menschen getötet, nur um einen seoner Feinde zu eliminieren. Das Higlight der Tour war ,,La Cathedral": Escobars selbst erbautes Gefängnis auf einem Berg 1000 Meter über Medellin, dessen Bau er damals mit einen Deal mit der Regierung erzwungen hat. Es ist leider nicht mehr viel übrig, aber man sieht noch ein paar Mauerstücke. Der Ausblick von la Cathedral ist atemberaubend und man sieht ganz Medellin mit der darüberschwebenden Smogglocke. Kluges Kerlchen. Von La Cathedral konnte er genau sehen, wie viele Drogen pro Flugzeug rausgeflogen werden und wie viel Geld rein geflogen wird. Die Überreste des alten Gefängnisses sind Heute zu einem Altenheim für Arme umfunktioniert worden, bei dessen Anblick aber wohl jeder deutsche Rentner vor Neid erblassen würde. Der letzte Punkt auf unserer Tour ist das Grab von Escobar. Noch heute kommen Anhänger hin und legen Blumen nieder. Anhänger ?! Wie gesagt hat er vielen Menschen etwas Gutes getan, welche ihm dafür immernoch dankbar sind. Unsere Tour beenden wir, indem einer seiner Ex-Bodyguards und gleichzeitig unser Fahrer uns von seiner Zeit unter Escobars Herrschaft erzählt. Er resigniert, dass er heute mit wenig Geld glücklicher ist als damals mit viel Geld, an dem viel Blut klebte.

 

San Gil 18.12. - 25.12.2017

Samstag, 13.01.2018
Nach einem kurzem Zwischenstop in Bucarmanga gehts am nächsten Morgen weiter nach San Gil. Die Fahrt dorthin ist schon beeindruckend, denn die Straßen schlängeln sich durch die Berge und Canyons. 
In San Gil angekommen heißt es erstmal Hostel suchen. Also laufen wir auf blauen Dunst los und sehen uns danach um. Schon nach wenigen Blocks erreichen wir das Zentrum von San Gil, welches aus einem mit Weihnachtsschmuck dekorierten Park besteht. Pottenhässlich! Aber hier finden wir das erste Hostel, welches auch auf Grund seines Angebotes, bestehend aus inkludiertem Frühstück und Pool, unser Quatier für die nächste Woche wird. 
 

San Gil ist die Stadt des Extremsports -zumindest rühmen sich die Einwohner selbst bei jeder Gelegenheit damit- und so hat uns auch die Abenteuerlust gepackt und wir buchen direkt für den nächsten Morgen eine Rafting Tour. Diese kann man mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen durchführen aber wir wären ja nicht wir, wenn wir nicht gleich das volle Programm nehmen würden. Man darf also gespannt sein auf den kommenden Tag. Aber für Heute heißt es ersteinmal relaxen am Pool auf der Dachterasse. Dort treffen wir auf drei Deutsche, mit denen wir schnell ins Gespräch kommen. Am Abend entscheiden wir uns, gemeinsam am "Tajo" Abend teilzunehmen. Tajo ist ein typisch kolumbianisches Spiel, was so eine Mischung aus Bowling und Botcha darstellt. Ein weiteres kolumbianisches Spiel besteht aus einem Holzkasten, gefüllt mit Modder und kleinen Bleibällen. Innerhalb der Modderkiste befinden sich zwei Kissen mit Schwarzpulver, die es zu treffen gilt. Alles in allem ganz witzig aber wir bleiben lieber beim richtigen Bowlen. 

Am nächsten Morgen gehts gegen zehn Uhr in Richtung Río Suarez zum Rafting. Am Startpunkt angekommen erhalten wir von unserem Guide eine ausführliche Einweisung, was wir alles beachten sollen und was so passieren kann. Danach geht es endlich los und wir üben gemeinsam mit vier weiteren Leuten (Team Águila Grande) das rudern und wie wir uns zurück ins Boot bucksieren. Dann geht es endlich los und wir treiben ca. zwei Stunden den Rio Suarez hinab. Es geht durch Stromschellen bis Stufe fünf (Maximalstufe; Stufe sechs wäre wohl freier Fall aus fünf Metern nur mit Paddel und ohne Boot) und wir passieren diverse Hindernisse. Nach so einem Trip ist man natürlich ausgehungert und wir werden mit einem üppigen Snack bestehend aus Huhn, Kartoffeln, Yuka, verschiedenen Früchten und Bier belohnt. Danach geht es erstmal zurück ins Hostel.
Angejuckt und hunrig auf mehr Abenteuer buchen wir für den nächsten Tag direkt noch eine Höhlen-Tour in der Cuave de Vaca (Kuh-Höhle). Als wir dort ankommen, wird uns erstmal erklärt, wieso diese Höhle so heißt. Der Eingang zur Höhle muss man sich als riesiges Loch im Boden vorstellen, welches umgeben von Gräsern und Büschen ist. Als damals noch Kühe auf dieser Weide waren, sind diese regelmäßig in die Höhle gefallen. Dumm gelaufen und ne Touriatraktion draus gemacht. Auf unserer ca. drei Stündigen Tour in der Höhle, erwarten uns kaltes, hüfthohes Wasser, schmale Felsspalten, durch die wir uns hindurchrobben müssen und spannende Gesteinsformationen, die wir bewundern können. Am Ende bekommen wir die Information, dass man noch gar nicht weiß, wo die Höhle überhaupt anfängt (wir sind ja durch den Ausgang rein). Es waren wohl schon 16-stündige Exkursionen unterwegs, aber ohne Erfolg.
 

Nach dem Höhlentrip geht es noch in Richtung Curiti, einem kleinen Örtchen mit wenig Tourismus. 
Dort stärken wir uns erstmal und erfrischen uns mit einem Eiskaffee, der Eriks Welt verändert. Erik möchte nun nur noch Eiskaffee haben! 
Kirche in Curiti

Gegen späten Nachmittag gehts wieder Richtung San Gil und wir lassen den Abend bei ein paar gemütlichen Bieren mit zwei Amies ausklingen, denn am nächsten Tag erwartet uns wieder Aktion.
Früh um neun werden wir von unserem Guide abgeholt, der mit uns eine Canyoning Tour durchleiden wird. Wir fahren ein Stück aus der Stadt raus und erreichen unseren Startpunkt. Schnell noch die Kletterausrüstung angezogen und los gehts. Der erste Abschnitt führt uns zu einer Felsformation, an der wir nicht weiter gehen können. Unter uns befindet sich tiefes Wasser und auf los heißt es drei Meter runter springen. 
Erfrischt geht es weiter durch dichtes Gestrüp und große Felsen über die wir klettern. Am nächsten Stop angekommen heißt es acht Meter am Steilen Hang abseilen. Doch acht Meter sind natürlich nicht Adrenalin genug und so führt unser Weg uns zu einer 20 m Hohen Felskante an der wir uns nun neben einem Wasserfall abseilen müssen. Da wird einem auf jedenfall schon mal mulmig wenn man runter schaut. Aber auch dieses Hinderniss lassen wir gekonnt hinter uns. An unserem letzten Stop angekommen heißt es Arschbacken zusammen kneifen. Denn vor uns ist eine große Felsspalte und es geht acht Meter in die Tiefe. Abseilen? Kein Problem! Aber nein, unser Guide erklärt uns, dass wir hier in das Wasser springen müssen. Aber bloß nicht bremsen beim anlaufen, weil sonst könnten die hervorstehenden Felsen im Weg sein. Nach einigen Zögern gehts mit lautem gekreische die acht Meter abwärts in das angenehm kühle Wasser. GESCHAFFT! Nach kurzem anklingen lassen von dem Adrenalin gehts nochmal hoch und wir springen erneut. Anschließend spazieren wir weiter in Richtung Ende unserer Tour. 
Nach diesen drei Aktionreichen Tagen gönnen wir uns die nächsten drei Tage etwas Pause. Den ersten Tag fahren wir ins 30 Minuten entfernte Barrichara - ein Kolonialdorf, in dem die Zeit stehen geblieben scheint. Hier sitzen alte Opis auf der Straße, trinken Tinto (Kaffee) und haben von Klimawandel, Trump und all dem Mist wahrscheinlich noch nie etwas gehört. Doch wir sind ja nicht zum Vergnügen hier. Es geht an den Rand der Stadt, wo der Camino Royal (der königliche Pfad), beginnt. Hierbei handelt es sich um einen Wanderweg den Berg hinunter und über Felder. 
 
#deeplymotivated
 
Vorbei an Kühen und Eidechsen erreichen wir gute zwei Stunden später das noch kleinere Dorf Guane (2000 Einwohner). Also hier ist ja wirklich gar nichts! Völlig tot der Laden hier. Also mit dem Kleinbus zurück nach Barrichara, Mittag essen und Eiskaffee schlürfen. Der Nachmittag wird dann am Hosteleigenen Pool verbracht.
Weihnachten: So gar nicht im Weihnachtsfeeling trotz der allgegenwertigen Beleuchtung gehen wir in den San Giler Stadtpark und gucken uns die hiesige Botanik an. Spannend. Mehr als eine Stunde hält es uns hier nicht und so verbringen wir Weihnachten mit dem aus Guane mitgebrachten Eierlikör am Pool. Am Abend des 25.12.17 verlassen wir San Gil in Richtung Medellin.

 

14. - 17.12.2017 - Mompós

Montag, 01.01.2018
 

Nach der Woche in Minca wollten wir in einem Rutsch weiter nach Santa Cruz de Mompox, blieben jedoch krankheitsbedingt für zwei Nächte in Santa Marta hängen. Das Personal in unserem Hostel La Españiolete ist super freunnlich und hat großes Verständnis für unsere Notsituation. So wird uns sogar beim Preis entgegengekommen. 

Am Morgen des 15.12. machen wir uns schon um sieben Uhr auf den Weg zum Busbahnhof von Santa Marta, denn uns steht eine laaange Tour bevor. Von hier aus geht es mit dem Bus nach Busconia, wo wir gut zwei Stunden in einem Dorfrestaurant an der viel befahrenen Straße warten und dann mit einem Sammeltaxi weiter nach Mompós fahren. Am späten Nachmittag kommen wir dann endlich an und machen uns auf die Suche nach einem Hostel für die nächsten Nächte. Gleich beim ersten Anlauf wird uns erklärt, dass wir nichts unter 80.000 Peso pro Nacht finden würden, da Hochsaison wäre. Das sind umgerechnet ungefähr 23 Euro pro Nacht. Zum Vergleich: Bisher haben wir maximal 50.000 pro Nacht ausgegeben. Also sind wir wieder auf die Straße und haben uns immernoch mit Sack und Pack beladen auf die Suche begeben, in der Hoffnung, doch noch etwas günstigeres zu bekommen. Keine drei Schritte gegangen werden wir von einer Frau mit ihren beiden Töchtern angesprochen, ob wir ein Hostel suchen würden. ,,Si Señora, conoces un?" Und schon sind wir auf dem Weg zu ihrem Hostel, welches sich gleichzeitig als ihr zu Hause herausstellt. Das Angebot: 35.000 und da ist auch schon Frühstück mit bei!
Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und quartieren uns für drei Nächte ein. Die nächsten drei Morgende sollte es dann also mit liebe zubereitetes Frühstück geben. Zu dem konnten wir uns für einen Euro zum Mittagessen einkaufen, was wir dann auch taten. Das interessanteste Essen war speziell venezuelanisch: Gekochte Bananenschalen in Brühe mit Reis. Dazu gab es dann noch eine Geschichtsstunde zur Entstehung dieses Gerichts. Die Ursprünge liegen in der durch die Armut bedingten Innovationsbereitschaft der Venezuelaner. Und geschmeckt hat es sogar auch noch. 

Mompós an sich ist eine unglaublich schöne und nicht so sehr von Touris überlaufene Stadt. Das heißt es sind schon viele Touristen dort, jedoch alles kolumbianer und so waren wir mal wieder die Hauptatraktion des kleinen Örtchens. Ein Beispiel: Als wir den Klängen eines Livekonzertes folgten, kamen wir auf einen großen Vorplatz einer Kirche und alle der Musik lauschenden Kolumbianer drehten sich nach uns um. Hätte nur noch gefehlt, dass die Musik aufhört zu spielen. So verbringen wir den ersten Tag damit, uns Mompós genau anzugucken und sind zutiefst von der kolonialen Architektur beeindruckt. Jedes Haus ist weiß und hat rote Ziegeldächer. Einzig und allein die schlichten aber doch eindrucksvollen Kirchen an jeder Ecke stoßen durch ihren gelben Anstrich hervor. Hier gefällt es uns besser als in Cartagena. Abends wollen wir uns einen Fruchtsaft (Jugo de frutas) holen. Das ist hier quasi das Nationalgetränk. Frisch gepresste Früchte mit Milch und fertig. Bei Bestellen des Saftes holt der Standbetreiber auf einmal zwei Stühle hervor und wir werden in den bereits vorhandenen Sitzkreis aus Kolumbianern integriert und lauschen so gut es geht den Gesprächen. Ein tolles Gefühl!
 


Am nächsten Tag verbringen wir den Vormittag im einzigen Pool der Stadt in der sagenumwobenen Casa Doña Manuela und sind dabei komplett allein. Herlich! Denn hier ballert die Sonne mit gut 36 Grad erbarmunglos auf uns hinab und anders als an der Küste weht hier kein einziges Lüftchen.
 
Am Nachmittag nehmen wir an einer Bootstour den Río Magdalena runter teil und fahren nach nur wenigen Minuten in einen kleinen Seitenarm des großen Flusses. Hier sind die Einheimischrn am Fischen (teilweise noch mit Speer) und wir sehen jede Menge Reptilien und Vögel. Umso weiter wir in den Seitenarm reinfahren, umso weniger sehen wir vom Wasser. Der Grund: Seerosen oder so etwas ähnliches. Teilweise haben wir auf Grund des dichten Bewuchses raten müssen, wo der Fluss denn lang geht und der Motor hatte auch ein zweimal so seine Probleme, weil sich das ganze Gewächs um den Propeller gewickelt hat. So bleiben wir teilweise 20 Minuten stehen, um den Motor wieder frei zu bekommen. Dann geht weiter und nur fünf Meter später bleiben wir wieder stecken. Doch das ist gar kein Problem, denn so können wir die vielen Vögel beobachten, welche hier leben und jagen. Von kleinen bunten Singvögeln über die hiesigen Schwäne bis hin zu Falken und Adlern ist wirklich alles dabei. Am Ende des Seitenarmes ist ein größerer See, in dem wir ein Bad nehmen und anschließend auf der Rückfahrt den wunderschönen Sonnenuntergang über dem Río Magdalena genießen. 
 
 
 
 
 
 
Sobeenden wir unseren kurzen aber schönen Aufenthalt hier. Drei Tage reichen hier aber völlig aus und uns zieht es weiter in das Landesinnere. Unsere nächste Station heißt San Gil! So weit so gut aber wie kommen wir dahin? Leider hatten wir in Mompós kein Internet und so nutzen wir die älteste Weise der Kommunikation: Wir fragen uns durch. Und siehe da: Am Abend mit unserer Gastmama gesprochen, sitzen wir am nächsten Morgen um sieben Uhr im Bus in richtung Bucaramanga, denn von dort aus ist es nicht mehr weit nach San Gil. 

... in die Berge (Minca 06.12. - 13.12.2017)

Donnerstag, 21.12.2017
 
Minca - ein Zweihudertseelendorf in den Bergen der Sierra Leone de Santa Marta. Hier beziehen wir unser Zimmer in der Casa Blanca Minca, in welchem wir die nächsten sieben Nächte verbringen werden. Leider kommt dieses eher einer Abstellkammer gleich: Klein und keine Ferster. Dadurch wird es vor allem Nachts sehr stickig und muffig. Josi hat so ihre Schwierigkeiten mit der hierdurch bedingten hohen Moschusduftkonzentration. Dabei handelte es sich hierbei nur um den leider erfolglosen Versuch, die Mücken abzuhalten. Dafür genießen wir dir Nachmittage auf der großen Veranda, von der aus wir Kolibries und andere bunte Vögel beobachten können.
 


Drei der sechs Tage machen wir Wanderausflüge in die von Dschungel bedeckten Berge. Dabei geht es durch Trampelpfade über Bäche und Bambusbrücken zu den jeweiligen Zielen. Hier gibt es unzählige Wasserfälle, welche auch als Badestellen benutzt werden - nichts für Warmduscher. Eine der Touren sollte uns an unsere Grenzen bringen. Es ging drei Stundenlang erbarmungslos bergauf: Wir wanderten von 600 auf 1600m Höhe. Mal wieder waren wir die einzigen Touries, die sich diese Kletter- und Rutscharie antaten. Die übrigen Reisenden ließen sich über Straßen mit Mopeds zu den Zielen bringen - völlig witzlos, wo bleibt da das Abenteuer? Umso schöner war es dann aber, nach dem schweißtreibenden Aufstieg anzukommen. Am Ende des besagten Aufstiegs dachte Erik, er müsse Josi die letzten hundert Meter tragen, denn diese lief so, als ob sie für ein Casting bei The Walking Dead üben würde. Dann endlich kamen wir bei Los Picinos an (ein Aussichtspunkt) an. Hatte sich die Quälerei gelohnt? Naja. Der Weg war zwar echt schön, aber die Wolken oben hätten dann nocht sein müssen. Von der Aussicht hatten wir also nichts. Wir beschlossen dann, den Rückweg über die Straße zu gehen und gönnten uns in Minca einen Frucht-milchshake. Die restlichen drei Tage gammelten wir nur. Muss halt auch mal sein.
 

 

Von der Küste in die Wüste... (3.12.-5.12.17)

Montag, 11.12.2017
 
,,Dondé esta el Autobus á Riohacha?" (wo fährt denn der Bus nach Rioacha) fragen wir gekonnt und werden mit einem freundlichen ,,aqui" (hier) bestätigt, richtig zu sein. Denn über die Hauptstadt von La Guajira soll es nach Cabo de la Vela und weiter in die Wüste nach Punta Gallina gehen. Also warten wir, bis auf einmal einer der Dörfler sagt ,,Ayi! Riohacha ayi!" Wir gucken uns um, sehen aber weit und breit keinen Bus. Nur einen Toyota Geländewagen. Ah alles klar, der Fahrer winkt uns zu. Etwas skeptisch fragen wir lieber noch einmal bezüglich des Ziels nach und steigen dann ein. Es handelt sich scheinbar um jemanden, der sowieso nach Riohacha muss und uns für 3.5 Euro mitnimmt. Auf dem Weg hupt er ständig am Straßenrand wartende Leute fragend an, ob diese denn mitfahren wollten. So läuft das hier also. Uns fällt auf, dass auch gar keine Busse auf der Straße unterwegs sind und kommen zu dem Schluss, dass dies scheinbar die einzige Möglichkeit ist, um ab hier günstig weiter in Richtung Nordosten zu kommen. 

In Riohacha angekommen fragen wir uns nach einem Bus nach Uribia durch. ,,No es un Autobus. Es un Automobil!" Aha! Also wieder mit dem Auto eines Privatanbieters. Wir folgen den Wegweisungen und kommen überraschend unkompliziert an unser Ziel: Eine Werkstatt, vor der ein Einheimischer wie besessen ,,Uribia, Uribia" ruft. Na dann gehen wir doch mal da hin und schwups! Drei Minuten später sitzen wir in einem Mazda zusammen mit zwei Kolumbianerinnen und dem Fahrer. Nach kurzem Aufpumpen der Reifen geht es dann mit konstanten zehn km/h los (zumindest sagt das der scheinbar nicht mehr funktionierende Tacho. Aber was will man von einem Auto, dessen Kilometerzähler bei 500.000 stehen geblieben ist erwarten. Naja zumindest sind zwei der fünf Sitze mit Gurten ausgestattet).
Der Fahrer kann aber mit seinem guten Fahrstil beeindrucken und auch die anderen Fahrer scheinen hier tatsächlich blinken zu können! Selbst das städtische Hup-Tourette scheint geheilt. Prima! Etwas dubios erscheint uns nur, dass unser Fahrer an keiner der Mautstellen bezahlt. Er hält einfach immer einen per Hand gekritzelten Zettel hin und wird durchgelassen. Man möchte lieber gar nicht wissen, was da drauf steht.

In Uribia erwartet uns dann schon das Chaos. An der Kreuzung, an der unsere Fahrt endet, werden wir direkt gefragt, ob wir weiter nach Cabo de la Vela für 20.000 Peso pro Person wollen. Eigentlich ja, aber nicht für so viel Geld (5.80€). Wir also weiter in die Stadt reingelaufen in der Hoffnung, dass es günstiger wird. Wurde es schließlich auch. Nur auch unkomfortabler. Uns wurde in einem schon vollen Pick-up ein Platz auf der Ladefläche angeboten. Nachdem uns jedoch ein Touri aus dem Auto mitteilte, dass der Fahrer eeeeetwas verrückt fährt, haben wir dankend abgelehnt. Unsere Suche blieb erfolglos und so gingen wir zurück an die große Kreuzung und gaben bescheid, dass wir doch mitfahren würden. Nur der Fahrer schien uns nicht zu verstehen und drückte sich auch sehr nuschelnd aus, als wir ihn fragten, wann es denn nun losgehen würde. Ein Gemisch aus "Die Fahrt dauert eine Stunde " und "In einer Stunde gehts los" gab uns jedoch keinen Aufschluss. Also zwischen Motoradfahrern und Lastern am Rand der Kreuzung warten. Man fühlte sich ein bisschen wie im Zoo, nur dass man selber das begaffte Objekt ist. Ziemlich mulmig das Ganze. Eine halbe Stunde später geht es dann endlich los. Wir fahren eine ca. 10 Meter breite und nur geradeausführende Straße 30 Kilometer entlang, bis wir unvermirtelt mitten im Nichts anhalten. Was ist denn nun los? Der Fahrer steigt aus und das Auto beginnt zu wackeln. Ach du scheiße! Der zieht die Schrauben an den Rädern fest! Als der Fahrer wieder einsteigt, geht es nochmal eine Stunde weiter. Diesmal jedoch über unebene Buckelpisten (Ladefläche wäre gemütlich geworden). Zum Sonnenuntergang kommen wir dann in Cabo de la Vela an. Schönes Fleckchen Erden. Das Dorf besteht praktisch nur aus einer Straße. Hier gibt es nur heruntergekommene Baracken (Hostels), welche mit Hängematten ausgestattet sind. Noch von der Nacht in Tayrona geprägt, wollen wir aber lieber ein Bett und finden auch ein solches. Die Matratze ist zwar nur ein Stück Stoff, welches um Plastikflaschen gewickelt wurde, aber das soll uns reichen. Schnell orfanisieren wir noch eine Tour für den morgigen Tag und gehen dann schlafen.

Um fünf Uhr morgens werden wir von unserem Fahrer Patcho abgeholt und zur zentralen Sammelstelle gefahren. Hier treffen wir auf die verschiedensten Leute aus Italien, Neuseeland, Spanien und Frankreich und sogar eine auf eine Deutsche. Nach ca. einer Stunde werden wir auf drei Jeeps aufgeteilt und die Tour in die Wüste beginnt. Halt! Doch noch nicht. Wir halten noch einmal an einer ,,Tankstelle" an (man will ja auch nicht spritlos in der Wüste liegen bleiben). Die Anführungsstriche deshalb, weil es sich hierbei nur um eine kleine Holzhütte handelt. Zapfsäule? Quatsch! Hier bekommt man einen Kanister plus Schlauch und darf das Auto nach alter Manier durch ansaugen betanken. Später erfahren wir, dass das Benzin hier größtenteils illegalerweise aus Venezuela importiert wurde, da man dort mehrere dutzend Liter für einen US-Dollar bekommt.

Die Fahrt geht quer durch die Wüste über sehr unebenes Gelände, Berg hoch Berg runter und mitten durch. Straßen sind hier natürlich Fehlanzeige. Doch nach ca einer Stunde Fahrt kommt die erste "Mautstelle": Die in der Wüste lebenden Menschen haben in bestimmten Abständen mit Seil und Stoff eine Art Straßensperre errichtet und möchten Geld für die Weiterfahrt. Unser Fahrer lässt sich davon natürlich nicht beeindrucken und nach kurzem Kaudawelsch Austausch gehts weiter. Nach der zehnten Mautstelle gibt es aber keine Unterhaltung mehr, denn unser Fahrer ist sichtlich genervt von dem ständigen Anhalten und so hupt er einfach dauerhaft und gibt nochmal richtug schön Gas. Die werden das Seil schon fallen lassen. 
 


Die Gegend hier bietet einen unglaublich schönen Anblick. Es scheint teilweise so, dass wir durch ausgetrocknete Seen fahren, da hier und dort noch Pfützen vorhanden sind und der Boden sehr weich wirkt. Mit Vollgas lenkt unser Fahrer ein und versucht, uns durch den teilweise doch schlammigen Boden zu manövrieren und es kommt wie es kommen musste: Wir bleiben stecken. Weit und breit keine Seele aber in Zusammenarbeit mit seinem Kumpanen, der die ganze Zeit auf dem Dach gesessen hat, kämpfen wir uns aus dem Schlamm und die Holperfahrt geht weiter. Nach etwa drei Stunden kommen wir an einem Flusslauf an und der Fahrer gibt uns Bescheid, dass hier Endstation ist, denn es geht mit dem Boot weiter.
 


Nach kurzer Pause werden wir dort abgeholt und nach fünf Minuten Bootsfahrt durch Mangrovenwälder (welche ihr Wasser aus Salzwasser gewinnen), sind wir an unserem "Hostel Alexandra" in Punta Gallina angekommen. Das Hostel besteht aus einem Essensbereich mit tollem Ausblick und Hängematten. 
 
Unser

Jetzt erst einmal Frühstück. Leider nicht so toll wie in Palomino aber das war ja auch ne Ausnahme. Nach dem Frühstück werden wir alle wieder in die Jeeps befördert und unsere eigentliche Tour beginnt. Die Wüste bietet schon ein schönes Spektakel und es geht Richtung Norden, zum nördlichsten Punkt von Kolumbien und gleichzeitig des südamerikanischen Festlandes. Dort angekommen trifft das Meer auf die Wüste und wir halten an Gesteinsformationen, die sich angeblich keiner erklären kann: Es sind aufeinandergestapelte Steine. Unsere Theorie: Irgendein Betrunkener Ureinwohner fand das witzig und andere Leute habens nachgemacht. Unsere letzte Station liegt vor einer riesigen Sanddühne die wir erstmal erklimmen müssen, um dann steil runter ins Meer rutschen zu können. Hier haben wir gut eine Stunde Zeit, um Baden zu gehen und die Gegend zu erkunden. Leider erweist sich das Badengehen als eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit, da der Boden aus glibschiegen Steinen besteht und da das Wasser dort so niedrig ist, ist schwimmen auch keine gute Option. Aber es war trotzdem schön. Nach der Badepause gehts zurück zum Hostel und die eigentliche Tour ist vorbei. Hmmm haben uns eig mehr erhofft und sehen den Sinn nicht darin, hier übernachten zu müssen, es ist schließlich gerade mal um 14 Uhr und hier gibt es sinst nichts zu sehen. Also genießen wir etwas Freizeit, denn um 17 Uhr können wir uns zu einem atemberaubenen Sonnenuntergang aufmachen. Leider haben uns hier die Wolken einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir sehen gar nichts. Also genießen wir einfach so die Aussicht und bemerken lauter kleine Krebse, die an uns vorbei huschen. Ganz abgelengt wie wir sind, bemerken wir gar nicht ,wie schnell es dunkel wurde und sehen zunehmend weniger, bis es dann stockduster ist. Toll! Und das ca. 20 Minuten von unserem Hostel entfernt. Zum Glück haben wir ne Taschenlampe dabei! Ohne die wäre es fast unmöglich, unbeschadet zurück zum Hostel zu kommen, da der Weg uneben, ohne Straße und vorbei an Kakteen führt. Nach etwa einer halben Stunde sehen wir die Lichter unseres Hostels wieder und kommen unbeschadet an.
 


Nächster Morgen: Abfahrt um acht. Los ging es dann aber doch erst um zehn mit dem Boot zurück durch die Mangrovenwälder. Hier warten wir bei 35 Grad (47 in der Sonne, Schatten gibts nicht viel in der Wüste) eine geschlagene Stunde auf die Jeeps, die uns zurück nach Uribia fahren sollen. Dann kommen endlich drei. Moment mal. Drei? Wir sind aber 30 Leute! Plus die Fahrer! Da hat sich wohl jemand verkalkuliert... Dann heißt es jetzt also kuscheln. Sechs Sitze hat so ein Jeep. Minus Fahrersitz und auf die restlichen fünf Plätze zehn Leute. In jedem Jeep! Und die Fahrt dauert nicht mal eben nur drei Minuten, sondern drei Stunden über Buckelpisten! Man waren wir sauer. Man braucht aber auch kein Geld zurückzuerwarten... Ein Tag zum vergessen.

Von Uribia dann mit dem letzten Auto nach Riohacha und dort in unsere Unterkunft und endlich wieder duschen. Anschließend haben wir noch die Promenade erkundet und haben eine Salchipapa gegessen. Das ist mega lecker! Quasi eine Dönerbox mit Pommes, Eisbergsalat und verschiedenen Fleischsorten (nein Andreas, kein Meerschweinchen). Dankbar fallen wir ins Bett und fahren am nächsten Morgen weiter nach Minca.

 

30.11. bis 03.12.2017 - Palomino

Donnerstag, 07.12.2017

Nach einem entspannten Frühstück und einem kleinen Spaziergang zum Playa Grande steigen wir mit Sack und Pack in den Bus nach Santa Marta, um von hier aus den Bus nach Palomino zu nehmen. Bereits beim Einsteigen in den zweiten Bus wird uns klar, dass die Fahrt eine ganz besonders spannende werden würde. Der Grund waren die im Bus allgegenwärtigen Jesus-Poster. Ein wahrer Ultra der Busfahrer. Aber nein, der Grund für unsere Besorgnis ist, dass die Anzahl der christlichen Abbildungen in einem Bus stark mit einem aggressiven Fahrstil seitens des Busfahrers korelliert. Das heißt, umso mehr Jesus, umso wahnsinniger die Fahrmanöver, denn ,,Jesus wird ja über uns wachen". Und genau so kam es: Vor jedem Überholmanöver wurde ein Stoßgebet Richtung dio (Gott) geschickt und kurz vor einer Kurve oder einem Hügel überholt. 


Gott sei Dank kamen wir gegen 14 Uhr heile in Palomino an und wurden direkt beim Aussteigen verbal von einer Mopedgang überfallen. Wie sich herausstellte, wollten diese unser Gepäck zum Hostel fahren und sich so ein paar Pesos dazuverdienen. Aber nein, danke. Wir laufen lieber die drei Meter. In der Casa Semilla angekommen werden wir von einem sehr großen und schönen Garten, sowie einer herzlich gastfreundlichen Besitzerin begrüßt. 
 
 
Zum Meer sind es auch nur zehn Minuten und so schauen wir uns hier ein bisschen um und werden überall gefragt, ob wir in einem Autoreifen den Río Palomino runtertuckern wollen würden. Hierfür müsse man sich nur einen Reifen schnappen, bei einem der Jünglinge hinten aufs Moped springen und los gehts ein paar Kilometer flussaufwärts. Da allerdings die Mopedfahrer kaum älter als 16 sind, keine Helme haben und fahren wie die Teufel, haben wir uns dagegenentschieden. Gut so! Denn wie wir später erfuhren, ist vor zwei Tagen ein Kanadier bei einem Manöver eines ebensolchen Jünglings bei voller Fahrt vom Moped gefallen und wurde vom entgegenkommenden Bus überfahren. Tod. Aber davon spricht man hier nicht gerne. Ist ja schlecht fürs Geschäft. 
Den Abend verbrachten wir mit einem deutschen Papa (Stefan), der mit seinem Sohnemann auch in unserem Hostel hausiert. Es zeigt sich, dass er seit vielen Jahren schon in Ecuador lebt und dass er schon viel von Kolumbien gesehen hat. Wir hören ihm aufmerksam zu und schnappen die ein oder andere Idee für die weitere Reise auf.

Der nächste morgen beginnt mit den besten Rühreiern weit und breit. Wirklich! Alles mit garteneigenen Kräutern gewürzt und liebevoll hergerichtet. Einwandfrei! 
 
 
Gestärkt fahren wir mit dem Bus eine halbe Stunde zu den Cascadas Quebrada Valencia. Hier verlangt eine nervige Kolumbianerin 3.000 Peso Eintritt pro Person. PAH! Nichts da! Wir haben uns natürlich vorher schlau gemacht und erfahren, dass das illegal ist, da es sich bei den Wasserfällen um öffentlich zugängliches Gelände handelt. Das ist also so, als ob ich mich an den Strandzugang stelle und von jedem Geld verlange. Dreist wie wir sind, laufen wir einfach ein Stück die Straße runter und nehmen einen anderen Eingang. Kaum 200 Meter gelaufen kommt uns ein vielleicht 15 Jahre alter Bengel hinterhergerannt und verlangt das Eintrittsgeld. Wir einfach ,,no gracias" und weitergehen. Auf dumm tun hat uns schon so manches Mal weitergebracht. Doch der Bengel ist hartnäckig und wedelt mit den Pseudo-Eintrittskarten vor unserer Nase herum. Wir wechseln die Strategie und erklären ihm, dass es sich hier um öffentliches Gelände handelt und sein Tun somit illegal wäre. Außerdem sollte er doch besser in die Schule gehen. Als dann sein älterer und kräftigerer Kumpel angerannt kommt, zücken wir dann doch lieber 4.000 Peso, um einen Kompromiss zu erwirken, bevor es Probleme gibt (es geht hier schließlich nur um 90 Cent pro Person, aber halt auch ums Prinzip). Der Große nimmt die 4.000, gibt uns die Eintrittskarten und nimmt den kleinen Bengel mit. Mist, hätten wir mal gepokert. Dann wären wir auch für umsonst reingekommen. Aber das war das Risiko dann doch nicht wert. Nach kurzer Aufregung schlendern wir weiter durch das schattige Gestrüpp flussaufwärts. Hier sind nur wenige Leute unterwegs und alle paar hundert Meter kommt ein kleiner Grillstand. An einem von diesen gönnt sich Erik eine exotische Kombination aus gegrillter Kochbanane und Käse. Lecker.
 
 
Ungefähr anderthalb Stunden folgen wir dem Flusslauf auf einem kleinen Trampelpfad. Da wir immer mal wieder die Uferseite wechseln und somit durchs Wasser laufen müssen, gehen wir die meiste Zeit barfuß. Der Höhepunkt war dann der Wasserfall, an dessen Fuß man ein kühlendes Bad nehmen konnte. Zu unserer Überraschung waren nur wenige Menschen hier und diese waren auch größtenteils Kolumbianer. Eine Kolumbianerin wusste mit ihrem exotischen Outfit zu bestechen: Über ihrem Tanga trug sie ein Netz, wodurch sie auf Grund ihrer Fülle wie eine ungarische Salami wirkte. Da sind Netzunterhemden doch deutlich esthetischer (die Personen wissen schon, dass sie geneint sind). Alles in Allem also ein wirklich lohnender Ausflug.
 
 
Noch zu erwähnen ist, dass den ganzen Tag über der Strom in Palimino ausgefallen ist. Ist ja aber auch nicht weiter verwunderlich, wenn gefühlt jeden Tag fünf neue Hostels errichtet werden, welche sich einfach den Strom irgendwo abzwacken. Irgendwann ist das Netz dann halt überlastet und so summten überall fröhlich die Dieselgeneratoren. Man kennt das Problem. Dazu kommt noch: Ohne Strom auch kein Wasser, da das Wasser durch strombetriebene Pumpen hochgepumpt wird. Also kein Spülen, kein Händewaschen und kein duschen. 

Am nächsten Morgen werden wir mit einem unglaublich leckerecken Frühstück überrascht. Es gibt Arrepas, gegrillte Aubergine und super leckere Guacamole. Nach dem Frühstück gehen wir gegen zehn Uhr mit Stefan und seinem Sohn einen ungewöhnlichen Weg zum Strand. Dieser führt uns an einem Militärlager vorbei zum Río Palomino. Da sich flussaufwärts ein Kokainlabor befindet (wohlgemerkt nicht weit von dem Militärlager - klassisch kolumbianisch), schlagen wir den Weg flussabwärts und Richtung Meer ein. Hier sind wirklich keine Touries unterwegs. Nur einheimische Fischer und wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann hätten wir spätestens bei den bis unter die Zähne bewaffneten Militärs auch kehrt gemacht.
Nach einigen weiteren Metern kommen wir dann an der Mündung des Río Palomino in die Karibik an. Traumhaft schön ist es hier. Zur Abkühlung springen wir in die 30 Grad warmen Wellen der Karibischen See und anschließend in den deutlich kälteren Fluss. Doch hier ist Vorsicht geboten, denn die Stömung ist so stark, dass vor einiger Zeit eine Kanadier aufs offene Meer gerissen wurde und starb (Insiderwissen, da mal wieder schlecht fürs Geschäft).

 

28./29.11.2017 Tayrona

Freitag, 01.12.2017

Die letzten beiden Tage waren recht unspektakukär. Erik verbrachte die Vormittage damit, seinen fortgeschrittenen Tauchschein zu machen und drang dabei auf 30 Meter Tiefe vor. Hier war die Unterwasserwelt auf einmal eine ganz andere. Die Vegetation nahm ab, doch es gab ganz andere Tierarten zu bewundern. Da waren zum Beispiel ein Adlerrochen, Moränen, die sich in den Boden einbuddelten und stellenweise riesige Korallenwälder, in denen sich ganze Fischschwärme versteckten, während über uns ein Schwarm Doctorfische entlangschwamm.

Während eines Nachttauchgangs zogen sich dann die ganzen bunten Papageienfische usw. ins Riff zurück und es traten tellergroße Schnecken mit Giftstacheln, mehrere Meter lange Seegurken, Seeigel, Seepferdchen und Feuerfische aus ihren Tagesresidenzen hervor.

Währenddessen hatte Josi endlich mal ein bisschen Ruhe und konnte durch das Dorf schländern. Aber nein doch nicht. Denn wenn man alleine als Frau unterwegs ist, wird man von gefühlt jedem Einheinischen vollgequatscht. Also doch wieder zurück ins Hostel und sich hier von den Mücken zerstechen lassen.

Die Abende verbrachten wir mit der Planung für die kommenden Tage und fuhren rüber nach Santa Marta, um hier in den Einkaufszentren alles nötige für den Ausflug in den Nationalpark Tayrona zu besorgen.
Also mit dem STU (Transferbus), der von Ort zu Ort tuckert eingestiegen und los. Wer hier einen geregelten Fahrplan oder sich eine Bushaltestelle vorstellt, liegt falsch. Das Prinzip ist recht einfach: Man stellt sich an die Straße, fuchtelt mit der Hand rum und steigt ein. Das Prinzup des Aussteigens ist ähnlich. Man steigt da aus, wo man gerade raus will. Wenn man jedoch zu zweit unterwegs ist und sich nicht abspricht, wo man raus will, kann der eine auch mal verloren gehen. Als Erik ganz einheimisch aus dem Bus springt und dieser schon wieder los fährt, sitzt Josi noch im Bus. Na ganz klasse, wie war das mit als Frau nicht aleine unterwegs sein? Somit dann nächste Ausstiegsmöglichkeit nutzen und auch raus hüpfen. Zum Glück wissen wir beide, wo sich der Supermakt befindet und wir teffen uns dort wieder. 
Naja, aber ist ja alles gut gegangen. Nach der Wiedervereinigung haben wir schnell ein paar Müsliriegel für den morgigen Trip eingekauft und sind dann mit dem Bus wieder zurück nach Taganga.
 


Um 5.30 am nächsten Morgen klingelt der Wecker. Nach dem Frühstück checken wir aus und lassen unsere großen Rucksäcke im Hostel, denn wir wollen nur eine Nacht im Nationalpark Tayrona verbringen, dann nach Taganga zurückkehren, hier eine weitere Nacht im Estación Sudamerica verweilen und dann am nächsten Morgen mit dem Bus nach Palomino fahren. Alternativ hätten wir auch unser ganzes Gepäck mit in den Park nehmen können, doch wir werden dort, wie sich später zeigen wird, 37 Kilometer wandern. Also nehmen wir nur die kleinen Rucksäcke mit und fahren mit dem örtlichen Linienbus für zwei Euro ca. eine Stunde nach Tayrona. Hier mieten wir uns schon am Eingang eine Hängematte in Arrecifes (Camp Don Pedro), um dann später keinen Stress zu haben. Anstatt wie die anderen Touries für 3000 Peso einen Bus bis zum eigentlichen Parkbeginn zu nehmen, laufen wir lieber 40 Minuten. Dies sollte sich später als Geniestreich herausstellen, denn anstatt dem aus dem Bus aussteigenden Touriestrom Richtung Arrecifes (das ist übrigens ein Strand im Park) zu folgen, nehmen wir einen anderen Weg. Dieser führt uns ca. zwei Stunden lang durch Steinformationen, Berge hinauf, die Steilküste entlang, durch Sümpfe und schließlich bis ans Meer herunter. Am Meer angekommen konnten wir nicht wiederstehen und legten eine kurze Badepause ein. 
 
Nurzu weit sollten wir nicht rein gehen, denn schon bei kniehohem Wasser ist die Strömung deutlich zu spüren. Bisher unglaublich geil die Tour! Wir haben während der gesamten Zeit kaum einen anderen Menschen zu Gesicht bekommen und so gehen wir gut gestimmt den Weg entlang, den die anderen Bustouries gleich zu Beginn gegangen sind. Oh man! Was ist das denn?! Der Rundweg zuvor sollte das beste bleiben, was der Park zu bieten hatte, denn was nun kommt, ist ein abgelatschter Weg, der durch die vielen Menschen und die Pferde, die die dicken Amis durch die Gegend schleppen, völlig modderig ist. Wir sind überglücklich, unsere Wanderschuhe dabei zu haben. Die übrigen haben alle FlipFlops bis hin zu weißen Nikes dabei und bereuen dies angesichts der Bedingungen sofort.
 
 
Nach insgesamt fünf Stunden laufen kommen wir völlig erschöpft in unserem Camp an und betrachten unsere mit Moskitonetzen bestückten Hängematten. Müsste gehen, denken wir. Zur Abkühlen wollen wir noch einmal schnell ans Meer und werden dort von einem Regenschauer überrascht. Erik hatte zum Glück nur seine Badehose an und den Rest in seinem Rucksack. Josi hingegen hatte sich für eine super saugfähige Schlabberhose entschieden. 
Also erstmal bei nem Bierchen abwarten, wie sich die Wetterlage entwickelt. In einer kurzen Regenpause machen wir uns schnellen Schrittes auf den Weg zurück zu unserem Camp. Nachdem Erik sich auf dem Weg vergewissert hat, dass Josi noch hinter ihm ist, bemerkt er, dass wir nicht nur zu zweit unterwegs sind. Ein kleiner Hund hat sich uns angeschlossen und folgt uns auf Schritt und Tritt bis zu unserem Camp (was ungefähr eine halbe Stunde dauerte). Jede Wurzel, über die wir klettern (ja klettern, die sind teilweise Kniehoch), klettert unser kleiner Begleiter ebenfalls. Josi ist im Hundehimmel. Aber nun gut, auf den letzten Metern zum Camp fängt es ordentlich zu regnen an und wir retten uns unter ein Pavillon und kauern uns zusammen, um nicht noch nasser zu werden. Und wo ist unser Begleiter? Natürlich ganz dicht bei uns. Nachdem es nicht nach Besserung des Wetters aussieht, entscheiden wir uns, im Sprint zu unseren überdachten Hängematten zu rennen, um in halbwegs trockene Klamotten zu schlüpfen. Eriks Klamotten haben den Regenschauer sogar halbwegs trocken überstanden, doch Josis supersaugfähige Hose, sowie auch alles andere warwn klitschenass. Mittlwerweile hat sich jeder Weg hier in einen eigenständigen Fluss entwickelt und es schüttet unerbittlich weiter wie aus Eimern. 
Die Nacht ist seeeehr unangenehm. Doch mittels unserer deutschen Ingeneurskunst haben wir es uns dann dich gemütlich gemacht: Unsere Rucksäcke sicherten wir mit Zahlenschlössern und hingen diese an die Höngematten ran (danke, Felix!). Die zwei mitgebrachten Ponchos haben wir zerrissen und als Decke benutzt.

Am nächsten Morgen erstmal wieder aus der Hängematte ausrollen und die Glieder strecken, wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten, die sone Nacht einfach so wegstecken. Vom Hunger geplagt erstmal zum Imbiss, um ein Frühstück einzunehmen: ,,Desayuno?'' und die über der Theke hängende Küchendame antwortete mit einem charmanten ,,no'' und wendete sich genervt ab. Die Suche nach etwas Essbarem treibt uns zu dem Stand, an dem wir gestern unser Bier bei Regen verzehrt hatten. Aber auch hier kein Erfolg. Wir gehen weiter in Küstennähe zu einem weiteren Campingplatz: Cabo San Juan. Hier gibt es endlich etwas zu essen. Überrscht wird uns Kartoffelbrei mit Gemüsematsch vorgesetzt. Schmeckte aber echt ganz gut. Dazu noch ein Kaffee und das ganze kostete auch nur 2.80 pro Person. Währenddessen hatten unsere Klamotten etwas Zeit, um zu trocknen und wenig später geht es auch schon weiter. Auf der Suche nach einem alternativen Ausgang, der zwar auf der Karte eingezeichnet, aber von allen Einheimischen anscheinend nicht gekannt wird, verschlägt es uns einen wunderschönen Weg bergauf entlang. Hier müssen wir einem kleinen Bach folgen und verlieren allmälich die Orientierung. Da kommt uns der vorbeireitende Einheimische doch ganz gelegen. Wir fragen nach dem alternativen Ausgang und dieser schüttelt nur den Kopf. Wir seien doch verrückt und es wären vier oder fünf weitere Stunden zu laufen. Anstattdessen sollten wir dem Weg weiter folgen und würden in einer Stunde an unserem Eingang wieder ankommen. Da wir die Schnauze mittlerweile dann doch etwas voll von dem ganzen Schlamm hatten, wollten wir einfach nur noch raus aus dem Park und duschen. Also gehen wir den Weg weiter. Wie sich herrausstellen sollte, war das dann der Pferdehighway. Das heißt, es war noch matschiger als die sonstigen Wege. Wir sind hier im wahrsten Sinne des Wortes knietief durch Modder und Scheiße gewatet. Und nicht nur eine Stunde, sondern vier. So langsam steigt der Hass in uns auf und wir regen uns über die nahezu komplett fehlende Ausschilderung auf. Das hätte man doch mal erwähnen können, dass das hier nicht so gut für Wanderer ist. Doch dann endlich die Erlösung. Nach einer Stunde Kackestampfen kommen wir wieder auf den Touriepfad und gehen Strammen Schrittes Richtung Ausgang. Dort wartet auch gleich der Bus und wir fahren zurück zu unserem Hostel in Taganga.
 

Tauchschein in Taganga

Sonntag, 26.11.2017

Wie schon angedeutet haben wir uns entschieden, einen Tauchschein zu machen. Nachdem wir nur kurz unsere Sachen im Hostel abgelegt haben gehts auch schon direkt um 8.30 mit der Theorie los. Nach unserem anschließenden brillianten Mittagessen, welches wir euch im letzten Eintrag schon vorgestellt haben gehts zur ersten Übungsstunde in den Pool. Nach zehnmaligem Auf- und Abbau, sowie Überprüfung unserer Ausrüstung dürfen wir endlich hineinschlüpfen und können uns im kühlen Nass abkühlen. Die Praxis dauert bis in den späten Nachmittag hinein und bringt sehr viel Input mit sich, der uns auf das Tauchen im offenen Meer vorbereiten soll, denn Morgen gehts direkt aufs Wasser hinaus. Am Abend sind wir nach so viel geplansche totmüde und fallen nur noch ins Bett. 


Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 6.30 und wir bereiten uns erstmal ein leckeres Frühstück zu. 

Unser Toaster

Mit vollem Elan gehts Richtung Tauchschule und weiter Richtung Boot, welches uns aufs Wasser hinaus fährt. 
Wir haben quasi Privatubterricht mit einem weiteren Schüler aus Kanada und es herrscht eine entspannte Gelassenheit in der Gruppe. 

Am Tauchplatz angekommen, gehts dann zwölf Meter in die Tiefe, wo wir einen Fun Dive, sowie verschiedene Übungen absolvieren. Nach 45 min ist der erste Tauchgang beendet und wir machen Rast an einem kleinem Strand im Tayrona Nationalpark... da wollten wir ja sowieso hin! 

Nach einer kurzen Pause gehts dann nochmal für 45 min ins Meer, wo wir erneut die Vielfalt der verschiedenen Meeresbewohner bewundern können. Von Kugelfischen, über wurmartige Wesen bis hin zum Steinfisch ist hier einiges Vorhanden. 

Am Abend heißt es nun lernen lernen lernen, denn Morgen ist Abschlussprüfung. Also wie war das nochmal mit dem Druckausgleich? 

Am letzten Tag der Ausbildung läuft alles nach dem gleichen Prinzip. Ausrüstung Zusammenbauen, alles überprüfen und in den Neoprenanzug quetschen. 
Auch diesmal fahren wir aufs Meer hinaus, wobei wir heute jedoch auf 18 m Tauchen werden und die Navigation unter Wasser lernen. Natürlich haben wir als Tauchbuddys die Übung mit Bravur gemeistert. Um euch etwas neidisch zu machen, ein Blick auf den Tauchcomputer verrät, dass das Wasser angenehme 30 °C hat. 

Nachdem wir auch diese Tauchgänge absolviert haben gehts Richtung Tauchschule und zur Abschlussprüfung. Natürlich stirbt Josi wieder mal vor Aufregung, wobei Erik dem ganzen eher gelassen gegenüber steht. Der eine macht den anderen Verrückt und der andere holt den einen wieder runter. Nen ziemlich gutes Team! 
Aber auch die Abschlussprüfung bestehen wir beide auf Anhieb und dürfen uns nun "Open Water Diver" nennen. Wuuhuuh!!
 
Mit etwas Gegengewicht und Allrad Antrieb kann das Boot an Land gezogen werden

Das muss am Abend natürlich zelebriert werden und wir verabreden uns mit unserm kanadischen Freund an einer Bar, in der es endlich frisch gezapftes Bier gibt. Begeistert wie wir sind, bestellen wir einen Pitscher (1,5 l) für uns drei. Doch schnell zeigt sich, dass wir dann doch lieber beim Flachenbier bleiben. Es sah aus wie abgestandenes Wasser und schmeckte auch dementsprechend. Dazu noch der überteuerte Preis und die Bar landet direkt auf die Liste der Lokalitäten, die wir nicht mehr aufsuchen werden. Also zu unserer gewohnten Bar, wo das gute Bier nur knapp nen Euro kostet und schmeckt. 
Den Höhepunkt des Abends bildete ein Einheimischer Opa, der sich scheinbar eine edukative Mission vorgenommen hat. Er kam an unseren Tisch und wir beide gleich ,,no gracias", weil wir dachten, es wäre wieder einer dieser lästigen Verkäufer. Aber er lachte nur und setzte sich zu uns. Was folgte, war eine lustige Lektion in Sachen kolumbianischet Geschichte und spanisch. Alles in allem ein sehr schönet Abend, der mit einer angetüdelten und unter Lachanfällen leidenden Josi (nach vier kleinen Bieren) ein Ende nahm.
 
feo≠bonita
Aber Open Water Diver kann ja jeder! 
Erik packt die Abenteuerlust und stürzt sich auf die nächste Stufe, und möchte "Advanced Diver" werden. Dieser wird gelehrt, auf 30 m zu tauchen, die Tarierung zu perfektionieren, weitere Fähigkeiten auszubauen und Nachttauchgänge zu absolvieren. 

 

22./23.11.2017 Taganga

Sonntag, 26.11.2017

22.11.2017

Umzug nach Taganga! 

Oh nein doch nicht. Wir Trottel haben die Tage nun schon komplett aus den Augen verloren und haben unser Hostel in Taganga ab dem 23.11. und nicht ab dem 22.11. gebucht. Also muss ein Notfallplan her, der uns für eine Nacht ins angrenzende Santa Marta führt. Hier das erstbeste Hostel gebucht, um nicht über Nacht obdachlos zu sein. Mit dem Bus gehts dann ca fünf Stunden nach Santa Marta. Brvor wir in dir Innemstadt kommen, fahren wir jedoch ca. Drei Kilometer durch Slums.
 



Die sieben Euro pro Person wurden, wie sich herausstellen sollte, in die hauseigene Schimmelzucht und in den Streichelzoo investiert. Zu unserer Begeisterung befand sich sogar beides in unserem Zimmer! Um den Schock zu überwinden gehts erst mal Richtung Strand. Dort angekommen, treffen wir auf eine urige Kneipe mit tollem Barkeeper namens Peter. Peter konnte nicht nur mit seinen Drinks trumpfen, sondern bildet quasi unseren Plan für unsere weiteren Trips. So besprechen wir bei dem besten Cuba Libre und Caipirinha, wie unsere Reise in den nächsten Wochen vermutlich verlaufen wird: Nach einem Abstecher in Kolumbiens Wüste im Nordosten des Landes soll in der kleinen Bergstadt Minca gewandert werden. Mal gucken, ob es letztendlich auch so kommt.

Nachdem wir uns von Peter verabschiedet haben wollten wir nur noch eine Kleinigkeit essen und dann mit dem Taxi Richtung Hostel. Durch Zufall stoßen wir jedoch auf einen sehr belebten Platz mit unzähligen Bars und Restaurants und überall dröhnt Musik aus den Lokalitäten. Da konnten wir natürlich nicht auf ein Cerveza in mitten diesen Flairs verzichten. Doch noch immer beklagt uns ein kleines Hüngerchen. Da kommen uns die vielen kleinen Stände, die es hier überall am Straßenrand gibt, sehr entgegen. Wir entscheiden uns für einen kleinen Spieß mit Fleisch und 2 Kartoffeln (für Josi natürlich mit Huhn) und winken uns das nächste Taxi herbei, was uns zum Hostel fährt. Auch wenn es nur 3 oder 4 Querstraßen entfernt ist, gab Peter uns den Rat, in diese Gegend nicht zu Fuß zu gehen. 


23.11.2017


Am nächsten Morgen dann in aller Frühe die Sachen gepackt und schnell abgehauen aus dem Saustall. Hoffentlich haben wir alle Pilze da gelassen und keinen mitgenommen. Mit dem Taxi gehts dann für drei Euro in das kleine angrenzende Fischerdörfchen Taganga.
 
 
 
Man merk sofort beim Aussteigen aus dem Taxi, dass die drei Kilometer zwischen hier und Santa Marta ein Unterschied wie zwischen Welten ist. Hier findet man nur Idylle, lächelnde und scherzenden Menschen, wenig Straßenverkehr und am wichtigsten: Kein blödes Gehupe!
Nach dem check in im Hostel Estación Sudamerica gehen wir sofort runter zu unserer Tauchschule (wir haben gestern schnell noch einen Dreitageskurs bei einer Österreicherin geklärt), sodass um acht Uhr die erste Theoriesession starten kann.

Nach unsere ersten Theoriesitzung bricht die Mittagspause an und wir sehen uns um, wo es denn hier was zu Essen gibt. In Richtig unseres Hostels kommen wir an einigen Restaurants vorbei, doch eins sticht durch seine günstigen Preise heraus. Nach der Frage nach einer Karte kommt die Küchenmutti herbei und sagt lächelnd, sie sei die Karte und zählt uns auf, was es denn alles zu speisen gibt. Wir entscheiden uns für pollo con arroz. Dies beinhaltet eine unglaublich leckere Suppe und ein Hauptgericht aus Reis und Huhn. Dazu gibt's natürlich noch ein Getränk und das alles für umgerechnet 2,80 pro Person! Super lecker, total freundlich und einfach ein tolles Ambiente. Auf die urige Einheimischenküche!

 

20./21.11.2017 Cartagena

Donnerstag, 23.11.2017
 
20.11.2017
 
Um 9.15 werden wir von unserem Guide José am Hostel abgeholt und fahren dann mit einem Argentinier und einer spanischen Familie zusammen im Kleinbus gen Südosten durch das Bonzen-Viertel ,,Manga" hindurch, vorbei an Villen alá Friedrichshagen und dann weiter durch das Industrieviertel von Cartagena. Zu unserer Rechten erstrecckte sich dabei über ca. fünf km der wichtigste Hafen des Landes. Nach einer einstündigen Fahrt erreichen wir den Park Aviaro Nacional. Aussteigen tun allerdings nur wir beide und José. Der Rest wird weiter zum Playa Blanca gekarrt, wo wir später dann auf sie treffen werden. Am Eingang des Parks werden wir von einer Vielzahl von Vögeln und Echsen empfangen. Den Höhepunkt bildete eine ihr Revier verteidigende Harpye Eagle - also ein Harpyenadler mit etwa zehn cm langen Krallen. Zum Glück war da ein Gitter... Ansonsten war da noch eine Vogelshow in der Mittagssonne und einige weitere schöne Plätze.


Weiter gings Richtung Playa Blanca. Der wohl zweitschönste Strand des Landes und nach der dreistündigen Lauferei war uns eine Abkühlung sehr willkommen. Nur war das Wasser leider pupswarm... Also doch keine Abkühlung, aber wir beide wussten natürlich trotzdem, Spaß zu haben und unterhielten mal wieder alle Umstehenden. Wir wären allerdings nicht wir, wenn wir uns nicht anders abzukühlen wüssten. So bestellten wir touriemäßig am Strand sitzend den nächsten schubkarrenschiebenden Hombre heran und ließen uns einen Caipi und einen Piña Colada zubereiten. Dazu habs Pescado con arroź.



Abends dann nochmal am Hippiplatz im Altstadtviertel Getsemani die Athmosphäre auf sich wirken lassen und gegen Mitternacht ins Bett gestolpert. Der Jetlag scheint überwunden.


21.11.2017

Heute wollten wir den Tag mal etwas entspannter angehen. Also um neun Uhr ein kleiner Spaziergang Richtung Bocagrande. Hat dann aber doch vier Stunden gedauert, weil doch weiter weg als gedacht. Angekommen beim am Strand liegenden Marzahn (es sind wirklich nur unansehnliche Hochhaushotelanlagen, die nur durch eine Hauptstraße vom fünf bis zehn Meter breiten Strand getrennt werden) dann kurz ins Wasser gehüpft. Hört sich also nicht gerade paradiesisch an. Aber barfuß durchs Wasser laufend bekommt man von dem ganzen Lärm zum Glück nicht viel mit. Nach ein paar Metern werden wir Zeuge eines örtlichen Spektakels: Acht stramme Kolumbianer, von denen nur die Hälfte einen Bierbauch hatten, gingen ihrer männlichen Tätigkeit nach und zogen ungefähr eine halbe Stunde lang an zwei Seilen, die ein Netz einspannten. Henrik und Erik hätten das auch zu zweit in zehn Minuten geschafft. Aber naja, weiter im Text. Nachdem das Netz aus ca. 200-300 Metern Entfernung an Land gezogen worden war, offenbarte sich die traurige Ausbeute: Ungefähr 15 Kilo Fisch. Und da waren noch nichteinmal große dabei. Ein Kilo wurde dann noch zum Ärgernis der Fischersmänner von Pelikanen (hier: Garzons. Da haben wir wohl doch was im Vogelpark gelernt :D) geklaut.
Völlig ausgelaugt und dem verdursten nahe kamen wir dann am frühen Nachmittag in unserem Hostel an und beanspruchten erstmal den kühlen Pool im Schatten für uns.

Naja so ganz stimmt das auch nicht. Nachdem wir von unserem Trip zurück kamen wollten wir nur schnell was zum Mittagessen einkaufen. Mit schnell einkaufen ist das hier leider nicht getan, denn die Kassierer ähneln hier eher dem Faultier aus Zoomania. Bei Erik, der dem Hungertod nahe schien, setzten nun die Urinstinkte ein und er begann, rumzuquängeln - Divs-Mode on! Als Folge dessen schien Josis Nerventod auch nicht mehr in weiter Ferne zu sein. Um das ,,Gequängel" zu verstehen, muss das Ganze noch ein bisschen ausgeführt werden: Da läufst du mit einer Kurzhaarfrisur stundenlang durch die pralle Sonne, wirst von allen Seiten gefragt, ob du nicht eine Muschel, einen Sombrero oder eine Massage willst, gehst dann halb verdurstet/verhungert und völlig genervt von der ständigen Abgewimmelei in eine Kaufhalle rein, in der deine Freundin gefühlt stundenlang abwägt, welches Reiskorn denn nun das günstigste ist (es gibt ungefähr 50 verschiedene Marken), dann kommst du endlich an die Kasse und es bietet sich folgendes Bild. Da sind zwei Kolumbianische Muttis und die Kassiererin, die anstatt zu kassieren, sich die ganze Zeit nur an den Fingern rumpopelt. Dann kommt sie endlich mal aus dem Knick und fängt an, die ersten Waren zu scannen. Doch anstatt dass die eine der beiden Einkaufenden mal einpackt, stehen die nur da und gucken zu. Irgendwann hält die Kassiererin auf, zu kassieren, weil das ganze Essen hinten fast schon wieder runterfällt. Und so geht das zehn minutenlang, ehe der Mann dahinter schnell seine Selleriestange bezahlen darf und wir endlich dran sind. Da steckste einfach nich drin in der kolumbianischen Gelassenheit. Vor allem nicht unter lebensbedrohenden Umständen!

Um den letzten Abend in Cartagena nochmal auszukosten, ging es wieder Richtung Hippie-Viertel, wo sich wieder einmal bestätigte, dass Hinterhofrestaurants einfach die besten sind. Für nen schmalen Taler gabs schön Spaghetti con champiñones (endlich mal was mit Soße!), welche zwei Türen weiter das doppelte gekostet hätten.
Nach dem günstigen Essen folgt das günstige Bier. Bei einem Aguila grande y dos vasos (einheimisches Bier und zwei Becher) für umgerechnet 50 Cent pro Liter (laut Josi ist nur das Wickühler so günstig...oder Sternburg), wurde das hiesige Abendprogramm genossen. Da waren zwei Gitarristen, ein Cellist, ein Clown und ein Keulen jonglierender Einradfahrer - echt lustig anzuschauen und Stimmung war auch grandios.

 

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