Titicacasee 11.06. - 17.06.2018

Donnerstag, 21.06.2018

Nur noch fünf Wochen!!! Jetzt heißt es, alles nochmal mitnehmen, was geht auf den letzten Metern. Leider fühlte sich da auch eine kleine Lebensmittelvergiftung mit angesprochen, die wir uns in Puno zugezogen haben... Zum Glück konnten wir zuvor noch die schwimmenden Uro-Inseln sehen. Dazu haben wir uns auf dem Weg zum Hafen an den ganzen Tourenanbietern vorbeigeschlängelt, um auf eigene Faust per Kollektivo da rüberzutuckern. Samt Eintritt kommen wir so auf ca. vier Euro pP. Nach nur einer halbstündigen Bootsfahrt unter gequatsche mit einem anderen Deutschen Pärchen (die allenernstes 43 Dollar für Wäsche waschen bezahlt haben - schön blöd!) kommen wir in dem Dorf an. Ja, man kann schon von einem Dorf reden, denn links und rechts von der Einfahrtsschneise sind 98 komplett aus Schilf gebaute Inseln, die 4000 Menschen beherbergen. An einer der Inseln machen wir Stop und steigen aus. Sofort kamen die Frauen und Kinder aus den Häusern und der selbsternannte ,,Präsident'' der Insel heißt uns mit einer gar nicht mal so spannenden halbstündigen Rede willkommen. Dabei erklärt er den Aufbau der Inseln und dass hier nur Quechua und Aymara gesprochen wird.

Zwischendrin macht er immer wieder auf seinen ,,Mercedes'' aufmerksam: Ein aus Schilf bestehendes Bötchen, auf das er uns anschließend einladen wird. Doch zuvor dürfen die Frauen ihren Schmuck, Deckchen und sonstigen Krimskram unterbreiten. Ausnahnsweise entscheiden wir uns für eine schicke Holzkette, da Josis letztens kaputt gegangen ist. Wir lassen uns sogar dazu breitreden, mit dem Mercedes mitzufahren, nachdem der Stammeshäuptling und die Obermutti bestimmt zehn Minuten auf uns eingeredet hatten und um die Hälfte vom Ursprungspreis runtergegangen sind. Wirklich spektakulär ist das nun nicht gerade, denn anstatt zehn stramme Wikinger treibt ein Motorboot den Schilfhaufen vor sich her. Mit den Wikingern wäre es authentischer gewesen, wie wir finden. Gefahren werden wir auf die Hauptinsel, die eine als ,,Hotel'' umfunktionierte Schilfhütte und ein Restaurante beherbergt. Serviert wird vor allem der letzte verbleibende und verseuchte Trucha (ein Fisch). Wir verzichten dankend und spazieren lieber nochmal über die Inseln und lassen anschließend die Beinde vom Schilfufer baumeln. Es ist übrigens ganz lustig, auf dem Schilf zu laufen, denn trotz ca. einem Meter Dicke sinkt man ab und zu gut 20 Zentimeter ein - ein etwas seltsames Gefühlt.
So langsam haben wir dann aber auch die Schnauze voll von der ganzen Tourieshow hier und wollen zurück aufs Festland, wo wir uns dann die günstigere aber krankheitbringende Mahlzeit einverleiben. Naaa toll. Eigentlich wollten wir in dieser nun wirklich nicht schönen und völlig überteuerten Stadt nur eine Nacht bleiben, sind nun aber gezwungen, noch zwei Nächte ranzuhängen, bevor es weitergehen kann. Das heißt dann wohl auch, der niemals lächelnden Hausherrin noch zwei Nächte zu bezahlen, obwohl wir ihr das Geld bei der Unhöflichkeit echt nicht gegönnt hätten... Die nächsten zwei Tage ist also hochfrequentes routieren zwischen Bett und Klo angesagt. Bei nächtlichen Temperaturen von minus zwei Grad und durch die fehlende Wärmeisolierung der Fenster geschweige denn einer Heizung resultierende Raumtemperatur um die fünf Grad wird ebendieses Routieren zu einem echten Krampf. Duschen? Müsste man auch mal machen. Man hat die Wahl zwischen zwei Einstellungen: Tröpfelnd pupslau oder Eiswürfel. Wir entscheiden uns natürlich für erstere Variante. Jedoch ist der Strahl so mau, dass uns da, wo das Wasser entlangfließt mehr oder weniger warm wird, Stellen, die vom Wasser nicht benetzt werden aber fast abfrieren. Dementsprechend schlittern wir wohl nur haarscharf an einer Erkältung vorbei. Als bei Josi wieder die Magenkrämpfe anfingen und das mit dem Durchfall kein bisschen besser wurde, gingen wir zu einer Apotheke, um Pillen gegen beides zu holen. Allerdings muss man da der wahrscheinlich nicht vorhandenen Kompetenz der Verkäuferin trauen, da man nur die Pillen ohne Verpackung oder Verpackungsbeilage bekommt. Na gut. Hauptsache, es hilft! Und tatsächlich, den nächsten morgen fühlen wir uns fit genug, um endlich dieses Loch in Richtung Copacabana zu verlassen. Von der Copacabana hat wahrscheinlich schon jeder einmal gehört: Halbnackte Männer und Frauen, Caipirinha und Samabamusik! Jap, genau. Zu dieser Copacabana fahren wir nicht. Sondern zu der am Titicacasee auf kalten 3.800 Metern in Bolivien. Anstatt hübscher Menschen und Sambamusik gibt es hier kleingewachsene zahnlose Bolivianer und nerviges Chinesisch anmutendes Gejaule und Gedudel. Aber wir wollen uns nicht beschweren. Tagsüber kann man es schon in der Sonne aushalten und hässlich ist es hier auch auf keinen Fall.

 

Bevor wir allerdings die Copacabana genießen können, kommt der Grenzübergang nach Bolivien. Bereits vorab sammelte der Busfahrer zwei Soles pro Person ,,Eintritt'' ein. Alle bezahlten diese schön brav, doch wir wollten diese lieber erst an der Grenze bezahlen, anstatt irgendein Gequatsche von Eintritt zu glauben. Wir vertrauen hier niemandem! Alle wollen nur unsere Kohle! An der Grenze dann die Überraschung: Keiner will Geld. Dafür steigt allerdings ein paar Minuten später ein älterer Mann in den Bus und verlangt EINEN Sol, nicht zwei, pro Person. Der Busfahrer bezahlt für alle (außer uns - hat er wohl vergessen) und steckt sich das übrige Geld wohl selbst in die Tasche. Alles Verbrecher hier. Wir recherchieren diesen Sachverhalt später und finden heraus, dass es tatsächlich eine nicht ganz legale Eintritts- und auch eine Austrittsgebühr gibt. Naja, wir sind fürs erste drum herumgekommen.

Auf blauen Dunst suchen wir uns ein Hostel vor Ort, da im Internet alles völlig überteuert war. Im Algas del Titicaca werden wir fündig: Für den halben Preis (drei Euro) bekommen wir ein Privatzimmer mit Toilette und Seeblick inklusive völlig genervtem Personal. Mit den Menschen hier haben wir aber auch wirklich kein Glück. Wir regen uns so oft über diese Leute auf, dass wir aufpassen müssen, nicht zynisch zu werden. Hier nur ein paar Beispiele: Während die berüchtigte Berliner Unfreundlichkeit wohl eher missverstandene Ironie oder Sarkasmus ist, resultiert die Peruanisch-Bolivianische Unfreundlichkeit wohl eher aus purem Hass und Ignoranz, denn in Berlin kriegt man auf ein Hallo wenigstens irgendein Gebrumme zurück und hier wird einem eher noch vor die Schuhe gerotzt oder man wird ganz ignoriert.
Ein weiteres Beispiel: Wir wollten fragen, ob bei unsere Gastgeberin das Wifi funktioniere, da es bei uns zwar da war, aber kein Signal ankam. Sie meinte nur, dass es bei ihr funktioniere und knallte uns ohne Weiteres die Tür vor der Nase zu. Später stellten wir fest, dass das Wifi einfach nur alle paar Stunden mal funktioniert, man aber nie genau weiß, wann und ob. Wir tauften es ,,Schrödingers Wifi''. Achja, und Klopapier hat man hier gefälligst selber zu kaufen. Den restlichen Tag nutzten wir, um uns über die Menschen hier aufzuregen und gleichzeitig die Schönheit der Natur zu bewundern, denn etwas vom Paradies hat der riesige von Bergen umgebene See schon, auch wenn die Leute hier nicht wirklich Bewusst mit dieser Schönheit umgehen und alles verdrecken.
Muy temprano nos levantamos el próximo mañana, porque queremos ir a la isla del sol. Pero que es esto?! La Lancha ya se fue! AYAYAY!
Oh, da hat sich wohl der Spanischteufel eingemischt. Auf gut Deutsch: Wir wollten am nächsten morgen zur Isla del Sol und sind deswegen schon früh aufgestanden. Allerdings war das Boot schon längst weg, als wir im Hafen ankamen. Der Grund: Wir hatten überhaupt nicht auf dem Schirm, dass in Bolivien die Uhren anders ticken als in Perú. Also waren wir quasi eine Stunde zu spät dran, was einen am Hafen herumlümmelnden Opa zur Belustigung verholf. Aber er war wenigstens nett und hat uns darauf hingewiesen. Der erste nette Bolivianer, den wir bisher getroffen haben. Man könnte ihn den Quotenbolivianer nennen. Um den Tag nicht völlig zu verschwenden nutzen wir unsere neu erlangten Kräfte, um den Hügel neben der Copacabana zu erklimmen. Es dauerte nicht lange und schon hatten wir wieder einen hundlichen Begleiter. Die 200-300 Meter bergauf waren dann allerdings doch kräfteraubender als gedacht, denn so ganz auf dem Damm waren wir immernoch nicht.

Als wir nach einer guten halben Stunde endlich oben ankamen stellte sich der Hügel als Friedhof heraus, der allerdings eine wunderbare Aussicht auf die Bucht gewährte. Eine gute viertel Stunde verweilten wir hier, bis uns die Rückstände der Lebensmittelvergiftung dann zwangen, den Rückweg anzutreten...
Den Nachmittag verbrachten wir Kaffee trinkend und lesend an der Promenade in der Sonne. Wobei das mit dem Kaffee stellte sich als gar nicht mal so einfach heraus: Unsere erste Wahl war ein Restaurant mit Dachterrasse, wo man besagtes Heißgetränk für zehn Bolivianos (1.25 Euro) bekommen konnte. Also ganz schön teuer eigentlich. Aber man bezahlt ja die Aussicht auf den See und die überall herumhängenden Stromkabel mit. Bereit, diesen stolzen Preis zu zahlen machten wir es uns gemütlich und nutzten sogleich das zuverlässigere W-Lan. Als dann der ,,Kaffee'' kam, merkten wir sogleich, dass etwas nicht Stimmt: Man konnte den Boden der Tasse sehen! Das darf doch wohl nicht wahr sein. Also gleich den Kellner rangeholt und ihm freundlich gesagt, dass er sein ,,agua moreno'' (braunes Wasser) gleich wieder mitnehmen könne. Hat er dann auch schnell selber eingesehen, dass das so nicht geht und kam sogleich mit einer dunkleren Flüssigkeit zurück. Na geht doch! Eine Kostprobe verriet auch: Ja, es ging in Richtung Kaffee, allerdings eher der von Gestern, denn er war kalt wie Josis Füße seit ca. einem Monat. Also seeehr kalt! Es kann doch nicht so schwer sein, einen schönen heißen starken schwarzen Kaffee herzurichten! So jetzt reichts, er hatte seinen zweiten Versuch. Sachen gepackt, unten am Kassierer vorbei und gesagt, dass er den Kaffee oben gerne selber trinken könne und ohne zu bezahlen abgehauen. Sowas haben wir auch noch nie gemacht...
Eine Ecke weiter finden wir einen Laden mit einer Kaffeemaschine und bestellten sogleich ,,un café caliente, negro, fuerte y hermoso'', welchen wir dann zum Glück auch unter einem Lächeln des Kellners bekamen. Dieser meinte dann auch, dass ,,die hier alle keine Ahnung vom Kaffee machen hätten''.
Jetzt kann der Tag endlich weitergehen. Also das haben wir hier auf jeden Fall gelernt: Ganz genau klarstellen, was man für sein Geld erwartet, denn sonst wird man übers Ohr gehauen. Allerdings bedeutet dies auch ständiges Verhandeln. Und die Leute hier wissen ganz genau, dass es bei Weißen Geld zu holen gibt und geben deswegen gleich völlig überteuerte Preise an und versuchen einen wo es nur geht zu bescheißen. So geht das schon seit Perú und so langsam wurde es ein wenig anstrengend, da man jedes Mal in den Gesichtern sah, dass die Leute sich gerade einen Preis für uns ausdachten. Mag zwar zur Kultur hier dazugehören aber es geht einfach aufn Keks, bei jeder Taxifahrt, bei jedem Einkauf, bei jeder Übernachtung usw. zu Verhandeln. Allerdings kann man hier wenigstens etwas dagegen tun, um nicht verarscht zu werden. In Deutschland wird man ja auch jeden Tag von bspw. der Politik verarscht und kann nichts dagegen tun (wir gucken hier immer fleißig die ,,Heute Show'' und ,,Die Anstalt'').
So! Genug Kaffeeanalysen und Gejammer! Heute geht es auf die Isla del Sol (Sonneninsel), der angeblichen Geburtstätte der Inka. Die Uhren sind umgestellt und das Boot liegt noch im Hafen. Also los! Unter Geblubber der Fähre geht es mit gut zwei km/h Richtung Sonneninsel. Kein Wunder, dass wir bei dem Tempo gut zwei Stunden brauchen. Da überholen uns ja sogar die Rentnerenten schwimmend!
Aber egal, als wir endlich an der Anlegestelle ankamen, war die Fahrt in den für kleine Bolivianer ausgelegten Sitzen fast vergessen. Vor uns erhob sich ein riesen Hang, den es nun zu erklimmen galt. Vorbei an unzähligen Terrassen (die Inka haben die Hänge Terrassenförmig gestaltet, um sie besser beackern zu können) ging es bergauf, durch das kleine Dörfchen hindurch und an mehreren Aussichtspunkten vorbei. Da die Bilder wahrscheinlich mehr sagen als 1000 Worte, belassen wir es dabei und genießen den Ausblick über den von Bergen und Gletschern umgebenen See.

 

Da der Norden der Insel auf Grund hoher Aggressivität gegenüber Touristen gesperrt ist, hat es sich jetzt auch schon ausgewandert und wir suchen eine Gelegenheit zum Mittagessen. Auch hier werden wir Zeuge der bolivianischen Unhöflichkeit. Da uns der Hunger plagt, setzen wir uns in eins der geöffneten Restaurants. Es gibt gefühlt 100 Restaurants in dem Dorf, die alle angeblich geöffnet haben, jedoch sind die Türen verschlossen. Wir setzen uns und warten darauf, dass jemand von den drei Angestellten unsere Bestellung aufnimmt. Nachdem zehn Minuten immer noch nichts passiert ist, unterbrechen wir unhöflicherweise den Kellner beim Fußball gucken und wollen Nudeln bestellen. Darauf kommt nur ein plumpes ,, Haben wir nicht'' und es wird sich dem Fernseher wieder zugewand. Okay, zweiter Anlauf : Gibt es denn Suppe? Darauf folgt erstmal keine Antwort und der Kellner schaut weirerhin die Partie. Die zwei weiteren Damen, die ganz auf ihre Handys fokussiert sind, erbahmen sich dann doch und geben ohne aufzusehen die Antwort ,, Ja haben wir''. Wow vielen Dank für das Gespräch und die nette Gastfreundschaft. Da sich aber immer noch niemand in Bewegung setzt, entscheiden wir uns, auf das Essen zu verzichten und zu gehen. Es ist schon echt zum Verzweifeln mit den Leuten hier.

Valle Sagrado (Das heilige Tal) - 02.06. - 11.06.2018

Donnerstag, 21.06.2018

Den Vormittag haben wir noch entspannt in Cusco verbracht, bevor wir dann nach dem Mittagessen zum wohl abgeranztesten ,,Busterminal'', den wir bisher gesehen haben, gegangen sind. Von hier aus ging es mit einer Klapperkiste von Bus für einen schmalen Taler ins nördlich gelegene Pisaq. Gleich am Ortseingang fanden wir in einem über einer Pizzeria gelegenen Hostel eine Unterkunft und nutzen den Rest des Tages, um das Örtchen zu erkunden. Ganz schön touristisch hier. Der Hauptplatz besteht nur aus Alpakawollproduktverkaufsständen (herlich die Deutsche Sprache), Pizzaläden und Hippi-Cafés. Da wir die super ausgestattete Küche vom Restaurant nehmen dürfen, wollen wir noch schnell alles für das Abendessen auf dem Markt einkaufen. Dort erwartet uns ein Zwergenaufstand, naja also eine Versammlung von Peruanern, die heiß über irgendetwas diskutieren. Kann schnell verwechselt werden bei der größe und den bunten Kostümen. Aber nun schnell wieder in das Hostel, denn es wird langsam frisch. Während des gesamten Abendessens und auch am nächsten Morgen lief übrigens die Best-of-Panflöte, mit Songs von Titanic bis Robbie Williams. Es ist uns immernoch ein Rätsel, wie die Leute das hier rauf und runter hören können.

Am nächsten Morgen wandern wir gute drei Stunden bergauf an riesigen einsamen Ruinenkomplexen vorbei. Das schöne ist: Wir sind so gut wie alleine. Keine Touristengruppen, die hastig ihrem Guide hinterher rennen, denn hierher kommt man wirklich nur zu Fuß. Nachdem wir auch den letzten steilen Gipfel überwunden haben, kommen wir zur Hauptruine, wo sich auch die ganzen Tourenbusse versammeln. Hierher werden die Scharen an Touristen gebracht. Der eine oder andere hatte wohl auch mit der Höhe zu kämpfen, wie man an den sich Übergebenden am Parkplatzrand erkennen konnte. Dabei sehen die meisten gar nicht die anderen, fast sogar schöneren Ruinen.

Nach einer kleinen Verschnaufspause kehren wir zurück ins Dorf. Dazu nehmen wir jedoch nicht den gleichen Weg zurück über die Berge, sondern gehen eher um den Berg herum, was deutlich weniger anstrengend und zeitsparender ist. In Pisaq schnappen wir unsere Rucksäcke, um weiter nach Urubamba zu fahren.
Nachdem wir dort ein Hostel gefunden hatten, in dem die Kissen noch nach den offenbar sehr stark schwitzenden Vorbewohnern rochen, suchten wir schnell das Weite und wurden direkt um die Ecke für nur einen Euro mehr fündig: Ein sauberes Hostel mit Küche und Internet - keine Selbstverständlichkeit und für uns schon purer Luxus! Hier bleiben wir gerne eine Nacht länger. Um den Luxus zu feiern, begossen wir den Abend mit einem dreiviertel Liter billigsten Rums und lauter Musik. Wir waren ja schließlich fast die einzigen Gäste und wenn es jemandem zu laut geworden wäre, hätte er ja was sagen können.
Mehr oder weniger ausgeruht machen wir uns am nächsten Morgen auf nach Maras, um von hier aus zu den Ruinen von Moray zu kommen. Allerdings fährt nach Moray kein öffentlicher Bus und die Taxifahrer wollen unverschämt viel Geld für die halbstündige Fahrt. Dann soll uns Moray doch egal sein. Ruinen hatten wir eigentlich schon genug... Dann doch lieber zurück nach Urubamba und den restlichen Tag auf der Hosteleigenen Dachterrasse ausklingen lassen.
Vorletzte Station der Valle-Sagrado-Tour ist Ollantaytambo (geht runter wie Öl). Wir spielten kurz mit dem Gedanken, hier zu voluntieren und hatten sogar ein sehr gutes Angebot, allerdings gefiel uns die Stadt an sich nicht, da alles völlig überteuert war. Also quartierten wir uns kurzerhand in der günstigsten Unterkunft ein, die wir finden konnten und erkundeten die zum Teil noch uralte Stadt mit teilweise sehr urigen Hauseingängen (siehe Bild).


Am nächsten Morgen wird dann das eigentlich Highlight Ollantaytambos unter die Lupe genommen: Ein riesiger Ruinenkomplex am berghang. Allerdings fällt es uns mittlerweile schwer, auf jedes Detail zu achten und uns dafür zu begeistern, da wir schon so viele Ruinen gesehen haben. Deshalb nehmen wir kurzer Hand den Bus nach Hidroelectrica. Erst geht es in wahnwitzigen Serpentinen hoch auf 4000 Metern und dann am Abgrund wieder runter auf 2000. Nach geschlagenen fünf Stunden können wir endlich aus dem Bus raus und gönnen uns erstmal eine kräftigende Mahlzeit, bevor wir die elf Kilometer mit sämtlichen 18 Kilo Gepäck nach Aguas Calientes laufen. Warum wir das alles auf uns nehmen? Aguas Calientes ist die Stadt am Fuße des Macchu Picchu und nur zu Fuß oder per Zug erreichbar. Da eine Zugfahrt gut 200 Euro kostet, fällt das weg und wir fahren quasi zur letzten Haltestelle vor Aguas Calientes, nämlich Hidroelectrica, um den restlichen Weg zu Fuß auf den Gleisen zurückzulegen.


Dabei kam man sich vor wie in einem Western: Teilweise völlig alleine laufen wir durch durch den Regenwald an den Gleisen entlang. Nur der Regenwald passt nicht so ins Westernbild und es fehlte einsame Zieharmonikamusik. Stellenweise waren aber auch viele Backpacker unterwegs. Die meisten haben jedoch ihre Sachen in Cusco gelassen und nur das Nötigste mitgenommen, um nicht so viel tragen zu müssen. Wo bleibt da die Herausforderung?! Nein, eigentlich hätten wir es vermutlich auch so gemacht, wenn wir nicht vorher so lange durchs heilige Tal gedümpelt wären. Außerdem hatten wir zuerst gar nicht vor, auf den Matchu Picchu zu gehen, da es noch so viele andere Ruinen gibt. Aber wenn man schonmal hier ist... Und außerdem hatten wir ja unsere internationalen Studentenausweise dabei, weshalb der Eintritt nur 20 anstatt 40 Euro sein würde. Also was solls. Hin da!
Über Brück und über Stein erreichen wir nach gut drei Stunden Aguas Calientes. Um uns lästiges Vor-Ort-Suchen zu ersparen, haben wir schon im Voraus ein Hostel gebucht, das wohl illegaler Weise betrieben wurde, da kein Name draußen dran stand und niemand nach unserem Namen gefragt hat. Aber egal. Es war vergleichsweise günstig. Jetzt schnell noch die Tickets für Morgen kaufen und vielleicht noch ein Belohnungsbierchen hinterher. Am Ticketoffice erfahren wir dann, dass es dem Verkäufer scheißegal sei, dass wir Studenten sind und wir den vollen Preis zahlen müssen. Hätte er das in einem anständigen Ton gesagt, wären wir wahrscheinlich nicht so aus der Haut gefahren. Allerdings regten wir uns die nächsten drei Minuten auf Deutsch, Spanisch und Englisch darüber auf, andauernd beschissen zu werden und wie wir die Menschen hier hassen, arme Studenten so auszunehmen, da dieser internationale Studentenausweis überall sonst in Perú gültig ist. Anscheinend haben wir uns so echauffiert, dass der Sicherheitsdienst auf den Plan gerufen wurde. Wir entschieden uns widerwillig dennoch dafür, den vollen Preis zu bezahlen. Wäre quatsch, den ganzen Weg hierhergekommen zu sein, nur um dann zu sagen ,,ne is mir zu teuer'' und eins reingewürgt hätten wir diesem Verbrecherverein damit auch nicht. Also los. Kaufen. Anschließend wurden wir dann vom Sicherheitsdienst hinausbegleitet. Jetzt aber ein Bier. ,,Was?! 4 Euro im Supermarkt?! die haben doch wohln Arsch offen!'' Dann halt kein Bier. Sauer wie wir wareb stapften wir die Treppen fluchend wieder nach oben zu unserem Hostel und machten uns ein Reis-Linsen-Gericht, für das wir die Zutaten zufällig die ganze Zeit mitgeschleppt haben. Irgendwie müssen die 18 Kilo ja zustande kommen.

Nett wie er war, machte unser Hausherr uns schon um vier Uhr morgens Frühstück, damit wir um 4.30 in Richtung Macchu Picchu marschieren konnten. Und wir waren nicht die einzigen, die so früh los sind. Zusammen mit ca. 500 anderen Menschen begannen wir um fünf den 400m Aufstieg zu Fuß. Man hätte auch mit Bus hochfahren können, aber das wären dann auch schon wieder zwölf Dollar und so hätten wir nicht ab und zu stehen bleiben können, um uns den Sonnenaufgang anzugucken. Etwas verschwitzt kommen wir pünktlich zum Einlass um sechs Uhr oben an und erkundigen mit Hilfe der Beschreibungen im Reiseführer die einzelnen Gebäude. Dabei unter anderem die Inka-Brücke, welche einen uralten zweiten Eingang zur Stadt bildete. Der Weg dorthin war gar nicht mal so ungefährlich, da man ca. zehn Minuten an einem Geländerlosen Hang entlanglaufen musste. Rechts ging es da schon mal ein paar hundert Meter steil bergab ins Tal. Mehr gibt es zum Macchu Picchu eigentlich nicht zu schreiben, außer dass es sich wirklich gelohnt hat, den Eintritt doch zu bezahlen. Es war schon beeindruckend, wie geheimnisvoll und gut erhalten das da oben war und als auch noch die Wolken hinter dem Berg hochschossen und die Stadt einhüllten, war das Mystische Perfekt.

Nach gut zwei Stunden begeben wir uns wieder zu unserem Hostel, holen unsere Sachen und machen uns wieder auf den Weg nach Hidroelectrica, da die Busse von dort nach Cusco so um zwei fahren und wir nicht noch eine Nacht in Aguas Calientes verbringen wollten.
So kommen wir Abends gegen neun in Cusco an, verbringen hier noch eine Nacht und fahren am nächsten Tag nach Puno.

Cusco 29.05. - 02.06.2018

Dienstag, 19.06.2018

Jetzt reichts dann aber auch wieder mit dem Entspannen! Auf nach Cusco! Weil das aber nicht gleich um die Ecke liegt, nehmen wir wieder den Nachtbus. Doch ob wir hier aus Arequipa wegkommen, weiß keiner so genau, da die Hauptverkerhrsstraßen Perus durch wütende Bürger wegen eines Generalstreiks geperrrt worden waren. Egal, ob Tiendabesitzer (Tienda=Tante-Emma-Laden), Taxifahrer oder Schuhputzer, alles ist auf den Straßen und demonstriert. Wir versuchen trotzdem unser Glück und fahren mit dem Taxi (öffentliche Busse fahren ja nicht) zum Terminal. Nach ca. einer halben Stunde Verspätung geht es um 21 Uhr los Richtung Cusco. Nach den ersten Kilometern außerhalb der Stadt sieht man die Ausmaße des Streiks: Es liegen riesige Felsbroken auf der Straße, brennende Mülltonnen und Haufen liegen zerstreut auf der Straße. Der Busfahrer und auch der entgegenkommende Verkehr müssen sich im Schlengellauf daran vorbei drängen. Hier scheint ordentlich was los gewesen zu sein.

Am nächsten Morgen kommen wir gegen sieben Uhr in Cusco an und so wie es aussieht, findet genau heute der Christopher Street Day statt, denn überall hängen Regenbogenfahnen (wie sich später herausstellte, sind das allerdings die Farben der Inka und nicht der Verfächter freier Liebe). Nun ja, hier wollen wir ein weiteres mal voluntieren und so machen wir uns samt Gepäck auf die Suche. Wir legen uns mit Google Maps eine Route zurecht, um möglichst viele Hostels abzuklappern, denn die Suche gestaltet sich nicht ganz so leicht. Entweder die Hostels sind zu klein und brauchen keine Volunteers, die Hostels sind leer und brauchen dadurch keine Hilfe oder wir sollen später wieder kommen. Nachdem wir gute drei Stunden bergauf, bergab, treppauf, treppab ca. 30 Hostels abgelaufen sind, werden unsere Beine allmählich müde. Denn man darf nicht vergessen, wir sind auf 3400 m über NN, haben unser gesamtes Gepäck von ca. 18 kg auf den Rücken und es ist hügelig.

Gegen etwa 14 Uhr gehen wir nochmal zu einem Hostel, um dort nachzufragen, da der Chef vorher nicht anwesend war. Da treffen wir auf einmal auf ein bekantes Gesicht aus Montañita. Es ist die kleine Venezuelanerin Marie, mit der wir in Montañita zusammen gearbeitet haben. Sie erzählt uns, dass sie dort langsam verrückt wurde und hat Hals über Kopf das Hostel verlassen hatte und arbeitet jetzt hier. Eine gute Entscheidung! Ihr wisst ja, was wir über das Hostel geschrieben haben: Unorganisiert und chotisch. Klar, dass man da irgendwann durchdreht. Wir warten also etwas und nach etwa einer halben Stunde wird uns gesagt, dass wir doch bitte am Abend wiederkommem sollen. Klar doch... Wir lassen es gut sein und entscheiden uns, erstmal in einem günstigen Hostel unterzukommen. Kein Bock mehr auf das ganze rumgelaufe und ,,kommt doch später nochmal wieder''.

Am Abend sammeln wir nochmal unsere restliche Energie und ziehen ein weiteres Mal los, um die Hostels abzuklappern, die uns zu einem späteren Zeitpunkt wiedersehen wollten. Unseren Favorit gehen wir als erstes an und fragen erneut nach. Aber leider stellt sich heraus, dass sie doch genug Leute haben. Na gut, wir haben ja noch drei weitere Hostels. Also geht es auf zum Loki (das Hostel, welches wir aus Mancora kennen). Hier werden wir vom Security abgefangen der uns grimmig fragt, was wir denn wollen und wer wir sind. Wir erklären ihm, dass wir voluntieren wollen und nochmal her kommen sollten. Er schüttelt nur den Kopf und meint wir sollen in einer Stunde nochmal wieder kommen. Da wird es uns zu bunt und wir bedanken uns und gehen. Dann also noch die letzten Hostels. Wir kehren zu dem Hostel, wo wir Marie getroffen haben, zurück und werden von zwei Halbstarken am Eingang abgefangen. Wieder erklären wir uns und uns wird gesagt, dass wir doch bitte an der Tür warten sollen. Aha, am Vormittag durften wir uns wenigstens noch in den Hof setzen. Wenn sie sich damit besser fühlen, bleiben wir brav an der Tür und warten. Nachdem etwas Zeit vergangen ist, kommt endlich jemand, der sich mit uns auseinander setzen will. Wir gehen mit ihm in das hauseigene Restaurant, wo wir wie bei einem Bewerbungsgespräch mit ihm gegenüber sitzen. Er erklärt, dass er eigentlich nur einen Kerl an der Bar braucht und bietet Erik an, dass er direkt heute anfangen könnte. Nur wir wollen ja beide arbeiten und so fragen wir, was mit Josi sei. Er meint, er braucht eine ,,Chica'', die die Leute zu dusseligen Spielen wie Bierpong oder ähnliches animiert. Na das hat Josi ja schon in Montañita nicht wirklich gemocht. Die Krönung war jedoch, dass sie mit Marie konkurrieren müsste, wer denn den Platz bekommt. Da wurde uns direkt anders und wir sagen ihm, dass wir Marie kennen und nicht gegen sie arbeiten würden, da sie den Job noch dringender braucht als wir. Nachdem es nun eine Weile hin und her geht, verabschieden wir uns mit den Worten, dass wir drüber nachdenken werden. Für uns steht aber fest, dass wir unter diesen Bedingung nicht arbeiten wollen.

So entspannen wir am Abend in der warmen Küche, der der einzige warme Ort im Hostel ist und gehen wiedermal getrennt schlafen, da leider in den jeweiligen Zimmern nur ein Bett frei ist. Aber morgen dürfen wir tauschen!

Am nächsten Morgen schlendern wir über den Hauptplatz und werden bald angesprochen, ob wir denn nicht eine Freewalking Tour mitmachen wollen. Ach klar, warum nicht, ist ja umsonst und wir hatten sowas eh vor. Mit unserem wirklich gut englisch sprechenden Guide und seinem treuen Begleiter, einem Straßenhund, der ihn jeden morgen empfängt und begleitet, schlendern wir durch die Gassen von Cusco. Unser Guide erzählt uns die Geschichte der Inka, dass Cusco in Wirklichkeit Qosqo heißt (das wird ganz tief hinten, fast gluteral ausgesprochen), aber die Spanier zu doof waren, es auszusprechen, dass die ursprüngliche Form der Stadt einem Puma ähnelt und dass es perfekte Wasserzuläufe in Cusco gab, die aber von den Spaniern zu geschüttet wurden. Warum? Die stolzen Spanier wollten nichts mehr sehen von den Inkern, auch wenn es von Vorteil gewesen wäre. Weiter geht es an verschiedenen Bauten vorbei und in einigen Gassen fällt einem die unterschiedliche Bauweise auf. Links sieht man noch originale Inka Mauern mit ihren perfekt ineinander passenden Steinen, die dadurch Erdbebensicher sind. Da passt noch nicht einmal mehr eine Rasierklinge durch. Und das ohne Mörtel! Obendrauf auf den Mauern steht ein spanisches Häuschen. Rechts auf dem Bild sieht man die billige Kopie, die warscheinlich nicht mal ein Erdbebchen überstehen würde und links die erdbebensicheren Inkamauern.

In einer weiteren kleinen Straße wird uns ein Laden empfohlen, in dem wir uns mit Alpacaklamotten für die kalten Temperaturen wappnen können und nicht den dreifachen Touripreis zahlen. Da wollen wir später auf jeden Fall nochmal hin! Aber erstmal gehts weiter mit der Tour. Da kommen die in Trachten gekleideten einheimischen Frauen mit ihren mützentragenden Babyalpacas gerade um die Ecke und fragen, ob wir denn Fotos mit ihnen machen möchten. Unser Guide bittet uns, dies nicht zu tun, denn die Babys werden dafür aus ihrer natürlichen Umgebung und von der Mama weggezogen. Aber süß sind die ja schon mit ihren kleinen Bommelmützchen, die warscheinlich aus dem Papa gemacht wurden. Danach geht es steil bergauf zu dem Künstlerviertel San Blas mit seinen wunderschönen Hinterhöfen.

 

Hier steht die Zeit still und man erhält einen wunderbaren Überblick über Cusco. Das Ende unserer Tour bildet eine Bar mit Panoramablick, wo man für teuer Geld die Aussicht genießen könnte. Hier werden wir noch auf einen Pisco Sour eingeladen, der diesesmal sehr gut schmeckt. Wir haben Pisco Sour ja schon in Trujillo probiert und waren nicht so überzeugt aber dieses mal hat das aus Eierschaum, Pisco, bestehende Getränk doch gemundet und wir erkundigen uns, wo man denn für weniger Geld auf dem Abend den einen oder anderen trinken könnte. Nach der Tour gehen wir noch auf den kleinen Markt in San Blas, der sauberer und ordentlicher ist als der Markt unten in der Stadt. Hier gönnen wir uns einen Fruchtsaft aus diversen Früchten für einen Euro. Einen zweiten Fruchtsaft hätten wir auch nicht gebraucht, da ,,ein Fruchtsaft'' bedeutet ,,ein voller Mixer''. Lecker!

Nachdem wir gestärkt sind, wollen wir nochmal zu den Alpacasachen zurück kehren und mal schauen was es so gibt. Auf drei Läden verteilt gibt es von Socken, Handschuhen, Pullovern, Ponchos bis zu unnötigem Zeug alles. So decken wir uns bei den günstigen Preisen direkt mit warmen Socken, Pullis und Schals ein. Das macht dann 75 Soles bitte (ca.19 Euro). Wow dafür, dass man in Deutschland dafür nicht mal eine Socke bekommt, ist das echt gut.

Am Abend kochen wir uns noch in der warmen Küche etwas und gehen früh in unser gemeinsames Zimmer schlafen, da wir morgen einen anstrengenden Tag vor uns haben.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zu Sexy woman... ähm natürlich Saksaywaman?? Vorsicht, hohe Verwechslungsgefahr. Wir werden uns natürlich nicht eine hübsche Dame anschauen, sondern den riesigen Festungskomplex, der über Cusco hinaus ragt. Es geht diesmal noch steiler bergauf und gefühlt Millionen Stufen liegen auf unserem Weg. Bei einer Höhe von 3400 m über NN kommt man dabei doch schnell ins Schwitzen. Oben angekommen, erwarten uns die gleichen architektonischen Mauern wie in der Stadt, nur dass die Steine hier noch um einiges größer und gewaltiger sind und teilweise 6x4 m messen. Bis heute weiß man nicht, wie die Inka solche riesen Brocken bewegen und formen konnten. Josi meint, dass alles Quatsch ist und die Inka, die Mauern direkt aus den Bergen gehauen haben und nichts hin und her geschoben wurde. Wer weiß das schon, zum Schluss waren es doch eventuell die Aliens.
Wir brauchen gute zwei Stunden, um den Komplex komplett zu erkunden und werden immer wieder vom Regen eingenässt und die Kälte macht sich breit. Kein gutes Erkundungswetter! So machen wir uns auf den Rückweg in das Hostel, um uns zu wärmen.

Am Abend wollen wir dann unser Kindertagsgeschenk einlösen und gehen mal richtig schick essen. Erik hat die Qual der Wahl zwischen nochmal Meerschweinchen, nur diesmal aus dem Ofen, zu probieren oder Alpaca zu essen. Wir entschieden uns für ein Restaurant in der Nähe von San Blas, da es hier das leckerste Alpaca und Meerschweinchen geben soll. Am Ende entscheidet Erik sich, das Alpacasteak zu probieren und Josi bestellt sich einen schönen Fisch. Am Nebentisch sehen wir, wie das Meerschweinchen aus dem Ofen serviert wird und dabei muss jeder anfangen zu lachen, denn die Küchenchefs erlauben sich, das arme Ding mit einem Tomatenhelm und einer Karotte im Mund zu garnieren.
Da kommt auch schon bald unser Essen und wir sind gespannt, was es so hergibt. Nachdem Erik den ersten vorsichtigen Bissen gemacht hat, schmilzt er gerade zu dahin. Noch nie hat er so ein zartes Fleisch gegessen und es schmeckt köstlich. Irgebdwo einzuordnen zwischen Rind und Lamm, aber noch zarter als Letzteres.
Sogar Josi traut, sich ein Stück zu probieren, bereut es aber im nächsten Moment direkt. Nee, dann doch lieber den Fisch. Sie weiß halt nicht, was gut ist. Nachdem wir beide gut gesättigt die Rechnung bestellen, haben wir uns doch für gut 20 Euro insgsamt ganz schön was gegönnt!

Da der Abend noch jung ist, wollen wir nochmal einen Pisco Sour verköstigen, um abzuschätzen, ob er uns denn wirklich schmeckt. Wir werden in einem Eckrestaurant fündig, das schon Meterweit seine Happy Hour anpreiste, wo es zwei Pisco Sour für insgesamt 15 Soles ( 3,90 Euro) gibt. Wir machen es uns auf dem Balkon gemütlich (wir sind ja nun fast komplett in Alpacawolle gehüllt, da ist es nicht mehr ganz so kalt) und beobachten das geschäftige Treiben auf der Straße. Da entdecken wir an der Theke ein Schachspiel mit Spanier und Inkafigürchen. Na denn wollen wir unsere grauen Zellen mal anstrengen und schauen, wie die Geschichte wirklich verläuft. Nebenbei schlürfen wir unseren wirklich leckeren Pisco und schreiben die Geschichte neu, denn dieses mal haben die Inka über die Spanier gesiegt.

Causa- Kartoffelbreiauflauf
Alles in Allem kann man also sagen, dass uns Cusco trotz der riesigen Touristenmengen sehr gut gefallen hat, da es viele unterschiedliche Facetten hat. Aber unterm Strich ist es doch nur eine große Stadt und wir freuen uns auf unser nächstes Abenteuer im Valle Sagrado, fem heiligen Tal.

 

Cabanaconde und der Colca Cañon 27.05. - 29.05.2018

Mittwoch, 13.06.2018
 
Gegen 11 Uhr wollen wir heute den Bus nach Pinchollo nehmen, um uns auf den Weg in den Colca Canyon zu machen. Nach ein paar Recherchen haben wir uns eine Rute für ca. vier Tage zurecht gelegt, die uns sowohl oberhalb auf den Bergen wie auch im Tal durch den Canyon führen soll. Die Busfahrt soll laut der Dame am Ticketschalter nur vier Stunden dauern und so planen wir, gegen 15 Uhr in Pinchollo anzukommen. Nur leider sind die peruanischen Zeitangaben oftmals etwas unterschätzt und so dauert die Fahrt gute sechs Stunden. Die Aussicht, die sich uns bietet, ist jedoch jetzt schon beeindruckend und wir fahren durch Berglandandschaften, in denen sich der eine oder andere rauchende Vulkan verirrt hat.
Kurz bevor wir im verschlafenen Dörfchen Pinchollo ankommen, verwerfen wir doch unsere Pläne und fahren weiter nach Cabanaconde. Warum der Sinneswandel? Keine Ahnung, aber von Cabanaconde boten sich doch mehr Wandermöglichkeiten als von Pinchollo an. Dann also noch eine Stunde weiter, bis wir am Rande des Canyons auf 3.400m ankommen. Hier ist es gegen 17 Uhr schon bitter kalt und wir versuchen, schnellstmöglich ein Hostel zu finden. In einer kleinen Nebenstraße, nahe des Hauptplatzes kommen wir an eine Art Kneipe vorbei, die auch Übernachtungen anbietet. Nicht unterm Tresen, sondern in einer einfachen Steinhütte, die spartanisch aber trotzdem gemütlich ist und für 15 Soles (3,40€) mehr als was man erwarten kann. Der Besitzer, ein an Johny Depp erinnernder Peruaner, lädt uns in seine Kneipe ein, die so uhrig und gemütlich ist, dass man hier das eine oder andere Cerveza verzehren könnte. Neben dem Bullenschädel und dem Kunst-Totenkopf dominiert ein rustikaler Einrichtungsstil. Wir erkunden uns bei ihm, welche Wanderruten er denn empfehlen kann und so breitet er direkt auf dem massiven Holztisch eine Karte aus und erklärt uns, welche Wege denn gut wären. Da der Eintritt für den Canyon nicht gerade günstig ist, erkunden wir uns, ob es denn Vergünstigungen gibt. Da lacht er nur und verrät uns die Tips und Tricks wie wir in der Theorie kostenlos reinkommen könnten und nennt uns ein paar seiner Kumpels im Tal, an die wir uns wenden sollen, wenn es um ein günstiges Ticket oder auch günstige Übernachtungen im Tal geht. Man fühlt sich so, als würde man zu einer Piratencrew gehören und gerade einen Überfall planen. " Ab um sechs Uhr werden dort an dieser Brücke Kontrollen gemacht " oder " Wenn euch doch ein Polizist fragt, sagt einfach ihr sprecht kein Spanisch, ihr habt keine Zeit und lauft einfach weiter", solche Art von Tips gibt er uns. Ein klasse Typ! Nachdem wir uns für eine Route entschieden haben, machen wir uns langsam ins Bett, denn es wird unerträglich kalt und wir wollen morgen früh los. So schlüpfen wir in das kalte Bett und wir brauchen drei Decken, damit uns warm wird, denn die Fenster sind nicht gerade wärmeisolierend und so sind in unserem Zimmer Temperaturen um die fünf Grad. Da ist wohl Kuscheln angesagt!

Am nächsten Morgen klingelt um fünf Uhr früh der Wecker und wir quälen uns wiederwillig aus dem warmen Bett in die Kälte. Schnell die drei Schichten Klamotten anziehen, damit es auszuhalten ist. Zum Frühstück machen wir uns lecker Brot mit Avocado und um 6.30 geht es los. Wir gehen zum Plaza de Armas, von wo aus wir den Bus zum Cruz del Condor nehmen. Denn bevor wir anfangen zu wandern, wollen wir noch den riesigen Andenkondoren zuschauen, wie sie ihr Frühstück (Aaß) einnehmen. Um acht Uhr sind wir dort und es tummeln sich schon die ersten Touristen vor Ort, um den besten Platz zu bekommen. Nach und nach zeigen sich die Andenkondore und schweben majestätisch über einen hinweg. Das ist schon sehr erstaunlich wie elegant diese Aasgaier sein können. Aber umso mehr Kondore aufziehen, umso mehr Touristenbusse kommen angefahren. Binnen einer halben Stunde hat sich der Platz nur so mit Touristen gefüllt, die einen Haufen Geld für die Tour bezahlt haben. Schön blöd, da man es auch auf eigene Faust, für günstig haben kann. 

Da wir heute ja noch eine acht Stunden Wanderung vor uns haben, wollen wir uns langsam auf dem Weg machen. Nur wie kommen wir jetzt von hier weg und zum Wanderpfad. Wir fragen uns durch und uns wird gesagt, dass wir ca. zwei Stunden laufen müssen, bis der eigentliche Pfad beginnt oder um neun den Bus zurück nach Cabanaconde nehmen, von wo aus wir auch ca. eine Stunde laufen müssten, bis wir auf den Pfad kommen. Na toll. Also egal wie wir es drehen und wenden, wir würden erst im Dunkeln unten im Tal des Canyons ankommen. So macht sich erstmal der Missmut bei uns breit und wir warten auf den Bus. Um uns die Zeit zu vertreiben, gönnen wir uns einen heißen Coca Tee und beobachten weiterhin die Condore. Nach weiteren Überlegungen entscheiden wir uns, nur eine Nacht im Canyon zu verbringen, anstatt zwei und nur einen dreistündigen Weg in das Tal zu nehmen, der uns zu einer Oase führen soll. Mit neuem Elan machen wir uns also auf und fahren mit dem Bus nach Cabanaconde. Soweit so gut, aber wo fängt der Pfad an? Die einen schicken uns in die eine Richtung, die Anderen in die andere. Dass die Peruaner nicht gerade sehr hilfsbreit sind, kennen wir ja schon. Na gut, versuchen wir es mal und wir treffen auf eine nette Tiendabesitzerin, die endlich mal einen Plan hat und uns den Weg weist.
Na dann mal los. Es geht vorbei an Feldern und Weiden, die mit kleinen Bewässerungssystemen miteinander verbunden sind. Nachdem wir sämtliche Maissorten und Kühe hinter uns gelassen haben, geht es nun nur noch bergab. Die Wege sind nicht gerade schön, sondern werden durch Schutt und lockeren Steinen ab und zu zur Rutschpartie. Auch größere Felsbrocken, die wie Treppen sind, lassen schon bald unsere Beine vor Anstrengung zittern. Schon nach einer Stunde, schwinden so langsam die Kräfte und Josi bereut zunehmend die Wanderung. Nachdem sie das gefühlt 100ste Mal ausgerutscht ist, fliegen mit einem " so eine behinderte Scheiße " die ersten Steine durch die Gegend. Aber Erik sieht es gelassen und weiß mitlerweile, wie er auch eine bockige Josi ermuntert und ermutigt. Nach einer weiteren Stunde und 1000 Metern Höhenunterschied taucht endlich die Erlösung auf. Uns erwarten grüne Wiesen, Palmen, Menschen in Badesachen und ein Pool und das alles auf 2400m. Wir haben es geschafft!!! Wir fragen nach Mickey, der uns einen guten Preis machen soll und bekommen wieder für 15 Soles eine Unterkunft. Schnell die verschwitzen Klamotten aufgehangen und ab in den Pool. Von der Kälte, die oberhalb vom Canyon vorherscht, merkt man hier kaum was und so lädt die Sonne zu einem Sonnenbad ein. Eine gute Entscheidung, diesen Weg zu gehen, denn unser Ziel war so oder so die Oase und hätten wir den langen Weg genommen, wären wir nicht in den Genuss des Pools gekommen.
Nach der Abkühlung, stärken wir uns mit weiteren Brötchen mit Avocado, denn das Mittagessen, was hier angeboten wird ist uns zu teuer. Dann lieber am Abend etwas Warmes essen, wenn es kalt wird. So verbringen wir den Nachmittag am Pool und unterhalten uns mit den anderen Hostelbesuchern. Aber eigentlich hatten wir uns nach der Quälerei ja eine Belohnung verdient oder nicht? Da kommt die ganztägige Happy Hour natürlich gelegen und wir gönnen uns jeder zwei Cuba Libre. Herrlich und auch etwas skuril, wenn man bedenkt das wir heute früh noch auf 3400m waren und mit drei Schichten immer noch gefrohren haben und jetzt nur mit Unterwäsche (wir hatten keine Badesachen dabei, da wir nicht davon ausgegangen sind, dass man wirklich baden gehen kann) am Pool einen Cuba Libre schlürfen. Am Abend gibt es noch ein gemeinsames Abendessen und es werden Geschichten unter den Reisenden ausgetauscht. Morgen wollen wir jedoch schon um vier Uhr früh den Aufstieg antreten, damit wir um 9 Uhr den Bus zurück nach Arequipa nehmen können. So machen wir uns also früh ins Bett, damit wir etwas ausgeschlafen sind. 

Düp düp düp... es ist 3.30 und der Wecker klingelt. Schnell ein paar Avocadoschrippen gefuttert und los geht es. Mit Taschenlampe bewaffnet treten wir den steilen Aufstieg an. Uns wird gesagt, dass wir "nur" drei Stunden bräuchten, was wir uns aber nicht vorstellen konnten, wenn der Abstieg schon zwei Stunden dauert. Wir sind mit unter den Ersten, die hochwandern aber und nach und nach tauchen immer mehr Leuchtkegel der Taschenlampen auf und immer mehr Gruppen machen sich auf dem Weg. Eine Gruppe zieht in einem rasenden Tempo an uns vorbei, wobei eigentlich nur der Guide so rennt und die Touris versuchen, völlig außer Atem Schritt zu halten. Wir lassen uns nicht beeindrucken und laufen langsam aber stetig bergauf. Die esten hundert Meter wechseln wir uns mit der Truppe ständig ab wer vor läuft, denn alle fünf Minuten muss die Truppe eine Pause einlegen, was kein Wunder bei diesem Tempo ist. Nach der ersten Stunde, machen auch wir unsere erste kurze Pause, um etwas zu verschnaufen. Nach einer kurzen Trinkpause und Eigenlob, wie gut wir doch sind, geht es weiter. Langsam geht die Sonne auf und es wird zunehmend wärmer. Gut, dass wir schon so früh los sind und nicht die ganze Zeit in der Wärme der Sonne laufen mussten. Nach weiteren zwei Stunden kommen wir endlich oben an und wir sind nicht so sehr am schnaufen wie manch andere! Ein super Gefühl, wenn man um acht Uhr morgens am Canyon steht und weiß, der schwerste Teil für heute ist geschafft! Mit Schmerzen in den Beinen, die man vorher noch nicht so kannte (zumindest Josi), machen wir uns zurück in die Stadt, um unsere Sachen zu holen und unser zweites Frühstück zu genießen. Wieder erwarten, treffen wir direkt auf den Hausherren. Nachdem wir noch kurz mit ihm gequatscht haben, fragte er uns was wir für Musik hören und so kamen wir auf das Thema Rammstein. Ja auch hier sind sie sehr bekannt, nur ihr spanisches Lied "Te quiero puta" (die Übersetzung könnt ihr gerne selbst vornehmen) kennt er nicht und will es sich aber anhören. Nachdem wir uns verabschiedet haben, gehen wir noch schnell nebenan für unser Frühstück einkaufen und es schäppert aus der Kneipe unseres Hausherren Rammstein. Mit breitem Lächeln steht er da und hat die Musik so laut aufgedreht, dass es die gesamte Nachbarschaft hört. Also haben wir wieder einmal etwas Deutsches Kulturgut hier gelassen. 
Straßen von Cabanaconde
Am Hauptplatz nehmen wir dann unser zweites Frühstück ein. Was gibt es? Natürlich Schrippe mit Avocado! So genießen wir die warmen Sonnenstrahlen, bis wir um 9.30 mit dem Bus zurück nach Arequipa fahren. Hier gönnen wir uns wieder einen entspannten Tag im Mango B&B und nehmen am kommenden Tag den Nachtbus nach Cusco.

 

Arequipa 25.05. - 27.05.18

Montag, 11.06.2018

Der dreitägige Aufenthalt in der schönen Kolonialstadt Arequipa stand unter den Stern der Entspannung und der Höhenakklimatisierung, denn zum Einen war es nach den letzten durchzächten Nächten mal wieder bitter nötig, ordentlich Schlaf zu bekommen und zum Anderen war dies der Anfang eines Längeren Hochgebirgsaufenthalts, den wir ja schon damals in Cajamarca unterschätzt hatten. Dementsprechend gönnten wir uns mal ein Hostel für fünf Soles die Nacht mit noch nie dagewesenem Frühstücksbuffett, auf welches wir sehr gespannt waren, denn das Standardfrühstück besteht normalerweise aus zwei Schrippen mit etwas Marmelade, Butter und Kaffee. Doch als wir um sechs Uhr morgens aus Nazca mit dem Nachtbus ankamen, durften wir noch nicht von dem Buffett zähren und schliefen anstatt dessen noch ein wenig auf den Couches im Gemeinschaftsraum, da wir die Zimmer erst ab Mittag beziehen durften. Ja, richtig? Zimmer... Es stellte sich heraus, dass das Hostel auf Frauen- und gemischte Schlafsäle setzte. Und da in den gemischten Schlafsälen nur noch ein Bett frei war und Erik aus unerklärlichen Gründen nicht in den Mädchenschlafsaal durfte, mussten wir die erste Nacht getrennt verbringen. Ein komisches Gefühl, nachdem man mittlerweile über ein halbes Jahr nie länger als ein paar Minuten getrennt war...
Aber was solls. Zunächst verbrachten wir den ersten Tag mit einem Spaziergang durch die hübschen Gassen der ,,weißen Stadt'', welche ursprünglich wegen ihrer weißen Bevölkerung (den Spaniern) und später wegen seiner weißen Gebäude so genannt wurde. Unser Spaziergang führte uns unter anderem an dem erst vor ein paar Jahrzehnten geöffneten Kloster vorbei, in dem vorher Nonnen wie in einer eigenen Stadt völlig abgeschieden von der Außenwelt lebten. Der Eintritt: 40 Soles, kein Rabatt für Studenten. Die haben doch wohl ne Meise! Überall in diesem Land gibt es Rabatt, aber seit wir hier im touristischen Süden sind, scheint man auf das Studentendasein nicht mehr so viel Wert zu legen. Also nur mal zum Vergleich: 40 Soles sind zwar nur zehn Euro, aber davon kann man hier gut zwei Tage überleben oder halt auf der anderen Seite ein scheiß Kloster besuchen... Also ziehen wir weiter Richtung Nordosten, um zu einem Aussichtspunkt zu gehen, von dem aus man die Arequipa umgebenden Vulkane gut sehen kann. Bis an den Fuße dieser erstreckt sich die Stadt. Falls die gar nicht mal so unaktiven Vulkane also mal ausbrechen sollten, würde es vermutlich ein zweites Pompeye geben (hier gibt es übrigens bis zu zwölf Erdbeben pro Tag).

 


Alles in allem ist Arequipa also schön anzusehen, aber nichts weiter besonderes. Deshalb verbringen wir den Nachmittag lieber auf der Dachterasse des Hostels mit ein bis zwei Arequipeña, dem hiesigen Bier. Leider ist ab 16.30 schon die Sonne hinter den Bergen verschwunden und es wurde so langsam ungemütlich, weshalb wir einen der Gemeinschaftsräume mit Flachbildfernseher und Netflix belagerten und uns mit Chips, Bier, Oliven und Serien einen schönen Abend machten. Prost!


Um noch etwas mehr über die Stadt zu erfahren, nehmen wir am kommenden Vormittag an einer kostenlosen Stadtführung teil und sehen noch die ein oder andere schöne Ecke. Auch besuchen wir den Markt, auf dem wir gestern schon die Chips usw. eingekauft hatten und wurden auf die dort herumhängenden toten Lamaföten aufmerksam, die für irgendwelche Rituale unter Beisein eines Schamans verbrannt werden.

Es folgt ein weiterer Serienabend. Alles in allem haben wir uns hier also mal wieder etwas Luxus gegönnt und es einfach mal genossen, für ein paar Tage nicht wirklich etwas vorzuhaben und einfach mal zu gammeln, denn auch wenn es schwer zu glauben ist: Reisen kann sehr anstrengend und kräfteraubend sein!

Nazca 21.05. - 25.05.18

Mittwoch, 06.06.2018

Am frühen Nachmittag landen wir im Flughafen von Guayaquil und machen uns strammen Schrittes auf den Weg zum benachbarten Busterminal, wo wir zunächst eine Übernachtfahrt nach Mancora (Perú) buchen. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass wir bis zur Abfahrt aber noch gut vier Stunden Zeit haben und so gönnen wir uns, Asi wie wir sind, erstmal ein paar Bier und Chips mit lautstarker rülpsender Untermahlung vor dem Terminal, was zu bestürzten Blicken der Einheimischen führte. Aber was solls. Die zwei Wochen lange Abstinenz auf den Galapagosinseln forderte nun mal ihren Tribut!
Schlaf konnten wir auf der Busfahrt fast völlig vergessen, da auf dieser Strecke oft Touristen beklaut werden und wir somit unsere Rucksäcke fest umklammert und unterm Schlafsack hielten. Morgens um zwei kommen wir dann an der Grenze an und sehen das Ergebnis Amerikanischer Politik: Hunderte Venezuelanische Flüchtlinge liegen auf den Parkplätzen und warten darauf, endlich weiterreisen zu können. Im Gespräch mit zwei Venezuelanern kommt heraus, dass diese teilweise mehrere Tage an den Grenzen verbringen müssen. Warum die überhaupt abhauen? Bürgerkrieg! Und zwar, weil die USA alle Handelswege abschneidet und Ländern, die weiterhin mit Venezuela Handel betreiben, gleiche Sanktionen androht. Der Grund ist ein angebliches Drogenkartell, doch die Geschichte lässt vermuten, dass man eher geil auf Venezuelanisches Erdöl ist...
So kommen wir morgens um fünf völlig übermüdet und noch im Dunkeln in Mancora an und werden gleich von einer Horde TukTuk-fahrern belagert, die uns davon abrieten, zu Fuß eine Unterkunft zu suchen, da es hier sehr gefährlich sei. Jaja, um die Belästiger loszuerden stellten wir unsere Spanischkänntnisse zur Schau: ,,Nos dejan en paz'' (lasst uns in Ruhe) und ,,vate!'' (hau ab!) führten jedoch nur zur Belustigung der Fahrer und sie rückten noch näher. Da wär uns beinahe mal eine Hand ausgerutscht, aber wir konnten uns gerade noch so beherrschen und sind einfach von dannen gezogen, um ein Hostel zu suchen. Wie wir dieses Volk hass....unsymphatisch finden. Schon bei unserem letzten Besuch in Perú ist uns vor allem in Küstennähe die Unfreundlichkeit der Einheimischen gehörig auf den Keks gegangen. Hier nur ein paar typische Beispiele:
- Ein paar Pferde traben am Straßenrand entlang. Was macht ein Peruaner? Hupen, die Pferde aufscheuchen, sodass diese hinfallen und sich verletzen oder sogar vors Auto rennen, sodass eine Volbremsung hingelegt werden muss.
- Man kann keine öffentlich Toilette benutzen, ohne einen Kotzreiz zu bekommen, da die Wände in der Regel mit Scheiße beschmiert sind. Ohne Witz, es ist wirklich Scheiße. Von der Klobrille brauchen wir gar nicht erst anzufangen.
- andauerndes herumgerotze. Wo man auch hinhört, überall wird schnodder hochgezogen und irgendjemanden vor die Füße gespuckt.
- generelle Verschmutzung: Zum Teil wahrscheinlich dem absoluten Mülleimermangel, zum anderen aber auch der absoluten Ignoranz der Menschen verschuldet, schmeißt man jegliche Art von Müll einfach genau dahin, wo man gerade steht.

Versteht uns bitte nicht falsch, wir haben auch schon viele nette Einheimische getroffen, doch das Gesamtbild, das wir haben, ist nicht besonders positiv.

Na gut, weiter im Text: Unsere erste Wahl bei der Hostelsuche war auf Grund der begeisterten Berichte von Saufgelagen das Loki. Uns jedoch zu teuer und noch nicht einmal mit einer Küche ausgestattet. Also doch lieber ins gegenübergelegene Hostel und dort dürfen wir sogar gleich ein Zimmer beziehen und holen sogleich den verpassten Schlaf nach. Eigentlich hatten wir vor, hier zwei bis drei Nächte zu bleiben, da viele uns von den ausgiebigen Partys hier erzählt hatten. Aber als wir abends über die ausgestorbenen Gassen schlenderten, ist von Party weit und breit keine Spur. Naja, uns hat es in diesem völlig überteuerten Örtchen sowieso nicht gefallen und so nehmen wir am nächsten Abend die Mammut-Strecke Mancora-Nazca in anlauf.

Zunächst geht es 17.00 mit der eigentlich guten Busgesellschaft Oltursa nach Lima. Leider wurden uns zwei Plätze weiter hinten zugewiesen. Allerdings wurde uns dadurch die Möhlichkeit geboten, die Toilettenroutine dieses Volkes eingehender zu studieren, da das Klo direkt hinter uns war und sich großer (Achtung, Zweideutigkeit) Benutzung erfreute. Bereits nach drei Minuten musste der erste sein großes Geschäft erledigen und vergaß auch noch zu spülen... Na das werden ja lustige 20 Stunden nach Lima (hier müssen wir umsteigen). Hinzukommt, dass jeder auf den Gang zur Toilette die Verankerung der Sitze auf die Probe stellt, denn mit aller Kraft wird sich an den Kopflehnen festgekrallt, um sich nach hinten in Richtung Toilette zu bewegen. Dann verwechselt jeder zweite den Spülknopf mit dem ,,Ich-brauche-Hilfe-Knopf'', welcher einen Pieptonalarm genau über unseren Köpfen auslöst...
Und wenn mal gerade kein Piepton nervt, dann der neueste Reggaeton-Song, der in voller Lautstärke aus irgendwelchen Handys schallt. Das Prinzip der Kopfhörer ist in diesen Teil der Welt noch nicht vorgedrungen. Hier ist man noch in der Gangster-Phase, die es auch vor zehn Jahren in Berlin gab: Hinten in den Bus setzen laut Handymusik anmachen und lautstark rumrotzen. Und der Klassiker in Südamerika: Auf jeder Busfahrt muss durchgängig irgendein Inhaltsloser Ballerfilm laufen, der natürlich nur in voller Lautstärke genossen werden kann. All diese Dinge, die uns vorher schon gar nicht mehr aufgefallen sind, machten die Busfahrt zu einem angenehmen Erlebnis kulinarischer Kultur.


So war eine weitere schlaflose Nacht garantiert. Gegen Mittag kamen wir dann endlich in Lima an und stiegen sogleich in den nächsten Bus nach Nazca. Also weitere neun Stunden Busfahren. Abends um zehn kamen wir dann völlig platt in Nazca an und waren von der für Peruanische Verhältnisse fortgeschrittenen Modernität verwundert. Hier ist das Zentrum recht schön ausgebaut und es gibt viele Essensangebote für Touristen, was es im Norden Perús gar nicht gab. Hängt wohl damit zusammen, dass der Süden Perús deutlich touritischer und somit auch wohlhabender ist. Da unser Hostel Nanasqa etwas weiterweg vom Zentrum ist und wir keine Nachtspaziergänge in fremden Städten unternehmen wollten, nahmen wir uns ein Taxi dorthin und fielen auch gleich in unsere Betten.
Gleichfrüh am nächste Morgen ging es dann mit dem Bus zum Aussichtspunkt der Nazca-Linien, welcher von der Deutschen Maria Reiche vor Ewigkeiten erbaut wurde. Dementsprechend sieht der elf Meter Hohe Turm mitten in der Pampa dann auch aus. Da geht man zu einem Weltkulturerbe und kann dieses nur von einem Haufen Rost begutachten - schon irgendwie ironisch. Eine andere Variante wäre eine Überflug über das riesige Areal, welcher allerdings mehrere Hundert Dollar gekostet hätte. Naja, auch von dem Türmchen sieht man einen Baum, eine Eidechse und ein paar Hände und bekommt einen Eindruck von den gewaltigen Ausmaßen dieser Zeichnungen. Von denen gibt es übrigens mehrere hundert, die oft auch mehrere hundert Meter groß sind und heutige Wissenschaftler immernoch vor Rätsel stellen. Bis Heute weiß man nämlich noch nicht sicher, wie die riesigen Linien über so lange Distanzen schnurgerade oder perfekte Kreise usw. in den Boden gemalt werden konnten und was sie letzendlich bedeuten.

Wieder in Nazca machten wir uns auf die Suche nach einer Busgesellschaft, um über Nacht nach Arequipa zu fahren. Na toll, schon wieder kein Schlaf. Dafür spart man aber Übernachtungskosten und Zeit! Vorher aßen wir noch Abendbrot bestehend aus Schrippe mit Avocado, Tomate und Knobisoße und als Nachtisch einen saftigen Granatapfel. Es dauerte nicht lange und unser kleines improvisiertes Bankpicknick wurde zum Stadtgespräch und wir wurden neugierig von Alt und Jung beäugt. Einige mutige Mädchen fragten uns sogar, was wir denn da essen würden, wo wir herkommen usw. Alles natürlich begleitet von schüchternem Gegacker. So ganz wohl fühlten wir uns dabei dann aber doch nicht, denn wir wollten doch einfach nur gemütlich etwas essen. So waren wir ganz froh, als sie sich wieder davon machten und warscheinlich zu Hause stundenlang davon erzählen, dass sie sich mit Gringos unterhalten haben.

  Abendessen im Park

 

Inselhoppen für Arme (Ein Reiseführer) - Floreana 18.05. - 21.05.2018

Samstag, 02.06.2018

Diesmal verlief die Bootsfahrt erstaunlich sachte und machte gar nicht so viel Spaß. Denn während bei den letzten Bootsfahrten ein Achterbahnfeeling inklusive Kribbeln im Bauch und dem Motto ,,wer ohne Bandscheibenstauchungen das Boot verlässt, war nicht wirklich dabei" garantiert waren, glitten wir dieses mal elegant über die Wellen, ohne dahinter wie auf Beton herunterzukrachen. Dafür gab es aber wieder Delfine, die dieses mal sogar nur ca. einen Meter von unserem Boot entfernt waren. Da wir eine Touri-Tages-Truppe mit auf dem Boot hatten, drehte unser Kapitän sogar noch mal eine Extrarunde, damit jeder die Möglichkeit bekam, seine Spiegelreflexkamera mit 8-fachem Objektiv herausholen konnte. Leider waren da unsere Handys zu langsam und wir können dieses Erlebnis nicht in Bildern mit euch teilen. Auch die fliegenden Fische, die teilweise locker 100 Meter über das Wasser hinweg geflogen sind, waren unmöglich fotografisch einzufangen.
Angekommen erwartet uns eine Insel, die eher einer Mondlandschaft ähnelt, mit dem Unterschied, dass sich in der Mitte ein Vulkan befindet. Da die Insel nur ca. 300 Bewohner hat, ist die "Stadt" auch dementsprechend klein. Wir haben uns diesmal etwas erkundigt und wollen in dem Hostel der Wittmer-Enkelin unter kommen. Vorab buchen war bei dem äußerst langsamen Internet hier aber nicht möglich. Mehr als 'ne Google-Suche zu starten, war nicht drin. Um euch die Recherche über die Wittmers zu ersparen: Die deutsche Familie Wittmer waren einer der ersten Siedler auf der Insel Floreana und haben ihr eigenes Hotel. Eine Enkelin hat sich zudem noch ein kleines Hostel am Strand aufgebaut, in dem wir unterkommen wollten.

Leider aber ist das Hostel schon voll und wir müssen weiter suchen. Nach ein paar überteuerten Hostels (30 Dollar pro Person), die aber alle unfreundliche Inhaber hatten, fanden wir ein gemütliches Hostel für eigentlich 35 Dollar pro Person aber da wir so charmant handeln können, bekommen wir es für 20 Dollar p.P. Uns erwartet ein niedliches Häuschen aus Holz, welches jedoch sehr komfortabel und sauber ist. Unsere Hostelmutti lässt uns sogar ihre private Küche benutzen, in deren Nebenzimmer die gesamte Familie inklusive Kindern auf einer Matratze auf dem Boden schläft. So kochen wir unter neugieriger Beobachtung unsere üblichen Mahlzeiten. Nachdem wir das zweite Mal Pasta kochen (wir wussten, dass es hier teurer sein würde und haben ubs deshalb Nudeln für drei Mahlzeiten mitgenommen), fragte sie uns, ob wir denn Vegetarier seien. Darauf kam unsere Antwort "No pero carne es muy caro", Fleisch ist uns zu teuer. Ohne mit der Wimper zu zucken, bietet sie uns ihr Rind und Huhn aus dem Kühlschrank an. Da sieht man mal wieder, dass die Ärmsten doch am meisten geben.
Auch hierher muss übrigens alles aus Santa Cruz per Boot gebracht werden, weshalb alles natürlich nochmal doppelt so teuer wie dort ist. So kostet z.B. ein Mittagsmenü zwölf Dollar anstatt fünf.

Am gleichen Tag machen wir uns direkt auf den Weg in das Landesinnere der Insel. Dort gibt es eine weitere Schildkrötenfarm und die ersten Häuser der Wittmers zu sehen. Nach Angaben der Einheimischen brauchen wir ca. zwei Stunden bis drei Stunden zu Fuß, wobei es die ganze Zeit bergauf geht. Da kommt uns ein leerer Touribus entgegen und wir fragen, ob er uns ein Stück mitnehmen könnte. Ohne zu zögern wird uns angeboten, dass sie uns zu ihrer Farm mitnehmen können und von dort aus sei es nicht mehr weit bis zur Schildkrötenfarm. So lassen wir uns den größten Teil mitnehmen und springen nahe der Farm raus.
Die Schildkrötenfarm hier ist leider nicht so schön und wir sehen nur ein großes Exemplar. Viel interessanter ist dabei die einzige Süßwasserquelle der Insel. Aus einem Felsspalt heraus, tröpfelt das Wasser vor sich hin und bietet somit eine Grundlage zum Leben. Kein Wunder, dass sich die Wittmers hier angesiedelt haben. Nur wenige Meter entfernt stehen die kleinen Häuschen, die einst von der Familie Bewohnt waren. Als erste kamen Heiz und Margaret Wittmer auf die Insel, um vor den Menschen zu fliehen. Ihre erste Unterkunft waren jedoch noch keine fertigen Häuser, sondern große Einkerbungen im Gestein, die schon von einem Irischen Piraten als Schlafkoje genutzt worden sind.

Besagter Pirat wurde als Strafe auf der Insel ausgesetzt und lebte hier drei Jahre lang Kürbis und Tabak anbauend, welche er an vorbeifahrende Piraten in der Post office Bay gegen Alkohol tauschte. Da hat jemand seine Prioritäten gesetzt: Kürbis weg, Alkohol her! Verstandlich, wie wir finden.
Nachdem auch Andere von den Wittmers gehört haben, zogen schon bald die nächsten Siedler nach. Darunter eine selbsternannte Baroness mit ihren zwei Geliebten. Nachdem mehr und mehr Menschen dazu kamen, fingen natürlich die ersten Streiterein an und wo es Frauen gibt, gibt es natürlich auch Eifersucht und Neid (das hat Josi geschrieben!). Nach und nach verschwanden alle und bis heute weiß man nicht genau, was mit ihnen passiert ist. So entstand die Legende vom Floreana-Fluch.

Neben den Häuschen der Wittmers befindet sich noch eine Art Labyrinth, welches aus verschiedenen Gesteinsformationen besteht und teilweise der Natur und teilweise dem Menschen verschuldet ist.

Am Wegesrand sehen wir, wie ein paar Einheimische Touristen Früchte von den Bäumen pflücken. Wir sind natürlich neugierig und fragen was das für Früchte sein. Die Früchte sehen aus wie noch unreife, kleine Äpfel und nennen sich Guayabas. Als wir in diese hinein beißen, erinnert der Geschmack an eine Kombination aus Apfel und Himbeere. Eigentlich ganz lecker. Wir pflücken noch ein paar davon und machen uns dann auf den Rückweg.

Dieser Führt uns diesmal über Schleichwege zu einem Aussichtspunkt, den wir noch sehen wollen. Dort angekommen wäre die Aussicht ganz schön, da man fast die ganze Insel sehen kann, wären da nicht diese nervigen kleinen Obstfliegen, die an einem kleben und wie wild auf dem Körper herumkrabbeln und einem ständig in das Gesicht fliegen. Also schnell wieder runter vom Ausguck und zurück in die Stadt. Da wir noch ca. zwei Stunden haben, bis die Sonne untergeht, gehen wir noch zu dem Schnorchelspot Lobería (Lobo=Seelöwe, also Lobería= Seelöwenort), um nochmal zu schnorcheln. Nur leider ist die Sicht hier nicht besonders und wir treten nach ca. zehn Minuten den Rückweg an.

Am nächsten Morgen wollen wir nochmal unser Glück versuchen und gehen zur Lobería. Diesmal mit besserer Sicht und verhältnismäßig vielen Schildkröten, die am Boden schlafen oder sich ausruhen. Nur wird unsere Ruhe schnell von den ersten Touri-Tagestripplern gestört und in Scharen werden die Schildkröten gesucht. Nagut, also zurück zum Hostel und noch mal zu duschen und Mittagessen machen. Unsere Hostelmutti war so lieb und hat uns angeboten, dass wir unser Zimmer nutzen können, bis am Nachmittag unser Boot zurück geht. So machen wir unser Essen nochmal warm und werden promt noch zu einem Stück Kuchen eingeladen. Also es sah aus wie Kuchen , war aber nur ein Gelantinehaufen auf Teigboden. Traf nicht ganz unseren Geschmack, war aber lieb gemeint. So machen wir uns gestärkt auf den Weg zum Hafen und treten unsere letzte Bootsfahrt an.

 

Wir verbringen die letzte Nacht noch mal auf Santa Cruz, da von hier aus unser Flug zurück nach Guayaquil geht. Den letzten Abend nutzen wir, um mal einen Kassensturz zu machen, da wir wissen wollen, wie viel uns der Trip letzendlich gekostet hat. In der unten stehenden Tabelle, haben wir euch aufgelistet, was wir ausgegeben haben und siehe da: Ein Urlaub auf den Galapagosinseln kann günstig sein, wenn man weiß wie.

   Eigentliche Kosten in $ Kosten nach Verhandlung in $
Flug   1000  560
Essen  hoch  48,35
Fähre  380  310
Schnorchelzeug  72  25 (+ 20 wegen Brille kaputt)
Übernachtungen  520  350
Wassertaxen  23,40  23,40
Tauchen  350  320
Handyhülle  12  10
Sonstiges  3,15  3,15

Insgesamt haben wir 1.929,90 Dollar (1.543,92 Euro) ausgegeben. Somit ist jeder von uns bei 772€ und wir konnten trotzdem alles sehen, was man hier so sehen kann.

 

Zum Abschlusss bleibt uns nur, uns von den Leguanen zu verabschieden:

Inselhoppen für Arme (Ein Reiseführer) - San Cristóbal 14.05. - 18.05.2018

Donnerstag, 31.05.2018

Als nächste Insel steht San Cristóbal auf dem Plan, die nach Santa Cruz (15.000 Einwohner) mit 7.000 Einwohnern die am meisten bevölkerte Insel ist. Dazu geht es bereits morgens um sechs Uhr von der Isla Isabela mit der Fähre nach Santa Cruz und von hier aus Nachmittags weiter nach San Cristóbal. Direkte Verbindungen gibt es leider nicht, sodass alle Fahrten immer über Santa Cruz gehen und jeder schön etwas mehr bezahlen muss. Die Zwischenzeit zwischen den Fährenfahrten vertreiben wir uns mit einem Mittagsmenü für 5 Dollar und einem Kaffee im Hafen. Sowas haben wir uns zuvor noch nicht gegönnt! Um 15 Uhr gehts dann endlich weiter mit der Fähre und wir begegnen auf der Überreise nach San Cristóbal einem Schwarm Blaufußtölpel, der wohl einen Fischschwarm ausdünnte und wurden dreimal von einer Gruppe Delfinen begleitet! Wahnsinn wie diese Tiere sich zwei Meter hoch aus dem Wasser katapultieren und dann verspielt auf der Seite zurück ins Wasser platschen. Auf San Cristóbal angekommen, begaben wir uns mal wieder auf Hostelsuche und wurden nach kurzem Verhandeln im Hostal D' Luis für 12,50 Dollar pP fündig. Hier werden wir die nächsten vier Nächte verbringen. Den Abend erkunden wir noch den Malecón (die Hafenpromenade) mit seinen zwei Stränden, welche jedoch nicht so hochfrequentiert von Menschen besucht werden. Der Grund: Gegrunze, Gerülpse und Fekalgestank. Nein, wir sind nicht aus Versehen am Ballermann gelandet, sondern wurden Zeugen der nicht ganz so niedlichen Seite der Seelöwen. Pro Strand sühlten sich um die Hundert von ihnen und legten sich zur Ruhe.

Wir taten es ihnen gleich und legten begaben uns in unser Bettchen. Gleich früh am nächsten Morgen begaben wir uns ins Informationszentrum der Inseln. Hört sich mega langweilig an, war es aber ganz und gar nicht! Ca. zwei Stunden lang informieren wir uns über die düstere Geschichte der Besiedelung der Galapagos-Inseln und ihre Tierwelt. Viele Menschen sind in dem scheinbaren Paradies verendet. Darunter auch einige Deutsche, die versuchten, die Inseln Floreana bewohnbar zu machen (mehr dazu im nächsten Blog). Andere Einwanderer gewannen ihr Geld durch das Töten mehrerer 100.000 Landschildkröten und Walen, um deren Fett zu verkaufen. Das ist übriegens auch einer der Gründe für die vielen Schildkrötenaufzuchtstationen. Nach dem Bildungsausflug wollten wir dann aber unsere neu erworbene Handyhülle für Unterwasserfotos ausprobieren. Dazu ging es weitere 20 Minuten zur Bucht ,,Las Trijeritas''. Mit einem Stück Klopapier als Wassereindringungsindikator (Deutsche Sprache :D) begaben wir uns dann ins scheiß kalte Wasser und schwupp-di-wupp! Da kamen schon die ersten Seelöwen zum spielen an. Mit den ersten neugierigen Blicken schwammen ein bis zwei Seelöwen um uns herum und schauten sich die neuen Besucher an. Natürlich wurde dann erstmal das Handy gezückt und die Fotosession beginnt.

Wie auf Knopfdruck kamen die sonst am Strand so rumlungernden Seelöwen auf einen zugeschossen um in der letzten Sekunde einen Haken zu schlagen. Einfach unglaublich, wie agil diese Tiere im Wasser sind und vorallm neugierig. Einer der Seelöwen ist besonders Neugirig und kommt Vis a Vis an einen heran. Einfach Klasse, den Kerlchen zuzugucken. Wäre da nur nicht das kalte Wasser. Nach ca. 20 Minuten ziehen wir uns zurück, um uns in der Sonne aufzuwärmen. Auch die anderen Tage verbringen wir an dieser wunderbaren Schnorchelstelle und gehen einen dieser Tage noch ein paar Kilometer die Küste entlang zu einem anderen Strand. Den Weg könnte man mit FlipFlops nur schwer beschreiten, da man ständig über Lawasteine krackseln muss. Ungefähr auf halber Länge sehen wir dann ein paar Blaufußtölpel auf ihrem vollgekackten Felsen hocken und sich putzen. Ist schon verrückt, dass deren Füße wirklich so knallblau sind! Hat wohl irgendwas mit Aminosäuren und Hautschichten zu tun, aber wirklich evolutionär haben wir das nicht verstanden, warum die blaue Füße haben.

Der Strand am Ende der Rute selbst ist sehr ruhig und mit vielen kleinen Einbuchtungen in den Büschen oberhalb ausgestattet. Prompt machen wir es uns in einer der Nieäschen gemütlich und beobachten, wie im Sekundentakt die Schildkröten im Wasser auftauchen, um nach Luft zu schnappen. Das wollen wir aus der Nähe sehen und gehen mit dem Schnorchelzeug selber ins Wasser. Die Sicht ist allerdings mieserabel (maximal zwei Meter), da der Sand ständig von den Wellen aufgewühlt wird. Dann doch lieber von draußen das Geschehen beobachten. Doch der Ausstieg ist bei dem ganzen Vulkangestein und den erbarmungslosen Wellen gar nicht mal so ungefährlich, da man andauernd nach vorne und nach hinten geschaukelt wird, ohne wirklich Kontrolle darüber zu haben. Zum Glück kommen wir unversehrt aus der Nummer raus und trocknen uns erneut in der Sonne. Auf dem Rückweg zum Hostel machen wir nochmal Stopp bei den Trijeritas und sehen sogar ein paar Schildkröten, welche natürlich sofort abgelichtet werden.

 

In den folgenden Tagen machen wir noch einen Ausflug zur Lobería, einem weiteren Strand, aber verbringen die meiste Zeit eigentlich bei den Trijeritas, unserem lieblings Schnorchelspot. Am 18.5. ging es dann zurück nach Santa Cruz.

 

Unterm Strich war San Cristóbal bisher unsere Lieblingsinsel auf Grund des wunderbaren Tauchspots und des schönen Marktes. Von den günstigen Mehlpreisen inspiriert, wird ab sofort kein Brot mehr gekauft (ein Toastbrot kostet 2 Dollar), sondern Tortillas gemacht. Schmeckt besser und ist günstig. 

Reis mit Linsen, Avocado und Tortillas

Inselhoppen für Arme (Ein Reiseführer) - Isabela 09.05 -14.05.2018

Mittwoch, 23.05.2018

Am frühen Morgen kommen wir nach einer rasanten, zweistündigen Bootsfahrt auf Isabela an. Wer ohne Bandscheibenvorfall das Boot vetlässt, war nicht dabei. Es wirkte fast so, als ob der Kapitän mit Absicht in die Wellen steuerte, um auf der Rückseite der Welle wieder aufzuklatschen. Aber aufjedenfall ist Spaß und Bauchkribbeln garantiert.
Im hiesigen Mini-Hafen werden wir bei der Ankunft direkt von den ersten sich in der Sonne aalenden Seerobben begrüßt.

 

Auch hier werden wir natürlich erst mal wieder zur Kasse gebeten und müssen weitere 10 Dollar Eintritt nur für die Insel bezahlen. Wir wollen uns vor Ort wieder ein Hostel suchen und möchten uns so schnell wie möglich auf den Weg machen. Nur siehe da, eine unserer Taucherbrille die wir uns ausgeliehen haben, finden wir mit einem komplett gesprungen Glas vor. Na klasse, so wie die unsere Rucksäcke von Boot zu Boot geschmissen haben, hätten wir uns das ja denken können. Wir wenden uns so direkt an die Mitarbeiter im Hafen und versuchen, eine Entschädigung zu erhalten, da wir warscheinlich für den Schaden aufkommen müssen und natürlich unser Schnorchelspaß dadurch eingeschränkt wird, waren wir doch so glücklich einen guten Deal ausgehandelt zu haben. Nur leider wird uns halbherzig angeboten, dass sie nach einer Ersatzbrille im Lager nachschauen und wir um 14 Uhr noch mal zum Hafen kommen sollen. Etwas niedergeschlagen machen wir uns auf den Weg und begeben uns auf Hostelsuche. Diesmal brauchen wir zum Glück nicht lange und können uns mit der Hostelbesitzerin Magdalena auf 14 anstatt 20 Dollar pro Nacht einigen. So schmeißen wir erstmal unsere Klamotten ab und ziehen los, um die kleine Stadt zu erkunden. Nach wenigen Metern gelagen wir zum Meer und wir werden von einem Menschenleeren und naturbelassenen Strand empfangen. Wow! Was für ein schönes Fleckchen Erde. Wir lassen uns unter einem der wenigen Bäume nieder und beobachten die Meeresechsen beim Sonnenbaden.

Nachdem wir uns etwas ausgeruht haben, kehren wir mit halbherziger Hoffnung zum Hafen zurück und nehmen vorsichtshalber unsere noch ganze Brille mit, denn neben dem Hafen soll es eine schöne Schnorchelbucht geben. Eine zweite Schnorchelbrille haben wir von den netten Franzosen bekommen, die wir in Montañita allabendlich abzufüllen pflegten und die zufällig im gleichen Hostel wie wir waren.
Am Hafen angekommen werden wir dann wie erwartet enttäuscht und es konnte keine Lösung für unser Problem gefunden werden und wir bleiben auf der kaputten Brille sitzen. Wenigstens haben wir für heute zwei Brillen und machen uns auf den Weg in die naheliegende Bucht. Das Wasser ist etwas kälter, aber die Sicht und der Tummult unter Wasser laden zum Schnorcheln ein. Eine gute Stunde verbringen wir im Wasser als plötzlich eine Seerobbe ihre Kreise um uns dreht und immer wieder auf uns zu schwimmt und uns anscheind zum Spielen animiert. Es ist schon ein komisches Gefühl, da man weiß das die auch kräftig zubeißen können aber die Faszination überwiegt. Etwas weiter geschnorchelt befinden wir uns noch immer auf der Suche nach den Meeresschildkröten. Dabei begegnen uns Rochen, Papagainfische, Seesterne und endlich auch eine Schildkröte! Da die Sicht hier nicht mehr ganz so gut ist, sehen wir sie erst, als sie quasi direkt vor uns ist. Nur leider wird sie von einer Horde Touristen gejagt, weshalb sie sich schnell vom Acker macht. Das war eine unglaubliche Erfahrung. Nun aber schnell zurück schwimmen, denn die Begegnung hat uns vergessen lassen, dass hier eine starke Strömung ist und wir brauchen einiges an Kraft und Zeit, bis wir wieder am sicheren Ufer sind. Hier wollen wir auf jedenfall nochmal hin und vielleicht haben wir dann mehr Glück und können die Tiere hier besser beobachten. Am Abend schlendern wir noch auf der Hauptstraße entlang und erschrecken uns nach und nach vor den Bierpreisen. Die verlangen ernsthaft 8 Dollar pro Bier (4 im Supermarkt). Das heißt für uns also zwei Wochen Entzug, was wahrscheinlich auch ganz gut ist nach Montañita.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zur Muro de las lágrimas (Mauer der Tränen). Uns wird geraten, Fahrräder zu mieten, was uns aber für $2.50 pro Stunde pro Fahrrad eindeutig zu teuer ist. Wir laufen! Das ist umsonst und man kann die Natur viel besser erkunden. Vom Weg zur Mauer führen lauter kleine Abzweige weg, die einen zu verschiednen Lagunen und kleinen Stränden führen. Auf dem Rückweg werden wir nochmal einen Stop machen, um an einem der Strände zu schnorcheln. Der Weg zieht sich in die Länge und die 5 Km zur Mauer werden durch die runterscheinende Sonne erschwärt. Aber rechts und links nimmt man immer mal wieder ein Rascheln war und beim genaueren Hinsehen schieben sich riesige Landschildkröten durchs Gebüsch. Das hätte man mit dem Fahrrad wohl eher nicht gesehen! Schildkröten, ohne auf einer Farm oder Aufzuchtstation zu sein, sondern wirklich in freier Wildbahn. Natürlich müssen diese dann für eine Fotosession herhalten und sobald sich ein Fuß bewegt werden weitere 20 Bilder gemacht. 

Muro de las Lagrimas

Nachca. 2 1/2 Stunden kommen wir völlig durchgeschwitzt und fix und fertig an der Mauer an, die wohl als Bestrafung von Inhaftieren gebaut worden ist. Die schwarze, aus Lavasteinen gebaute Mauer ist wenig spektakulär, aber der Weg dahin hat sich allemal gelohnt. Nachdem wir uns im Schatten etwas ausgeruht haben, machen wir uns auf den Rückweg, denn das Meer wartet auf uns. Wir machen am Playa del Amor (Strand der Liebe - wohl auf Grund seiner vielen versteckten Buchten) stop und wollen so schnell wie möglich ins Wasser. Da sehen wir, wie sich auch hier eine Robbe ihren Sonnenfels ausgesucht hat und immer wieder ins Wasser hüpft und sich zurück auf den Fels legt. Das wollen wir aus der Nähe sehen und machen uns mit dem Schnorchelzeug in das Wasser. Nach einem kurzen "Autsch" von Josi sind wir jedoch von den hiesigen Revierfischen abgelenkt. Diese schwimmen wie Wild um ihren Stein herum und attackieren alles, was zu nahe kommt. So wie Josis Bein. Also heißt es hier Vorsicht, wo man hintritt, nicht jeder heißt einen hier willkommen. Hier gibt es leider sonst nicht viel zu sehen und wir treten den Rückweg zu unserem Hostel an, um uns erstmal mit einem Mittagessen zu stärken. Am späten Nachmittag gehen wir nochmal zum Hafen, um nach den Robben zu schauen. Und siehe da, kaum prasselt die Sonne nicht mehr runter, werden die Kerlchen aktiv und toben wie wild im Wasser und auf der Treppe herum. Hier könnte man stundenlang verweilen und den Robben beim Spielen zu sehen. Neben dem Hafen gibt es auch noch einen kleinen Strand, den wir erkunden wollen. Schon beim herantreten fällt uns ein übler Gestank auf. Pfui riecht irgendwie nach Robbenkot? Auf dem zweiten Blick sehen wir die Übeltäter. Hier erwarten uns mehr Robben als Menschen und natürlich werden sämtliche Bänke von den Robben besetzt. Man will ja schließlich bequem liegen!

 

Am nächsten Tag wachen wir schon früh auf und wollen die Tageszeit nutzen und hoffen, dass wir ein paar Tiere beim Schnorcheln antreffen. Schnell das Porridge (Haferbrei) zubereitet und los. Und siehe da, unser frühes Aufstehen hat sich gelohnt und wir können gut eine halbe Stunde einer Wasserschildkröte beim Essen zuschauen (Spannend!). Wir wissen, dass man eigentlich niemanden beim Essen beobachten soll, aber hier ist es eine Ausnahme. Völlig aus dem Häuschen verfolgen wir jeden Schritt, bzw. Flossenschlag und schwimmen gemächlich hinter ihr her. Nach einer Weile wollen wir sie doch nicht weiter stören und wir kehren zum Ufer zurück.

Wegsperre

Nach dem anstrengenden Trip von Gestern, wollen wir es heute etwas ruhiger angehen und laufen den nur knapp zwei km langen Weg zu der hiesigen Schildkrötenfarm. Auf dem Weg dorthin begegnen uns in nicht ganz so schönen Tümpeln pinke Flamingos und auch eine kleine Entenfamilie. An der Farm angekommen werden wir über das Aufzuchtverfahren und die Wichtigkeit der Schildkrötenfarm informiert. Denn der Mensch hat über die Jahre viele Fressfeinde, wie Hunde, Katzen, Ameisen und jegliche nicht heimische Insekten eingeschleppt, die den Schildkröten nach und nach den Gar ausmachen können. Selbst Mücken gab es hier früher nicht, nur jetzt machen sie einem auch hier das Leben schwer. Jedenfalls werden die Eier der Schildkröten auf der Insel gesucht und in das Aufzuchtzentrum gebracht, um die kleinen Kerlchen aufzuziehen, bis sie alleine in der Wildnis überleben können.

Nach der kleinen Anstrengung wollen wir uns jedoch mal etwas gönnen und trinken einen Kaffee in einem kleinen Café. Warum das ein Highlight für uns ist? Wir befinden uns seit Tagen auf Kaffeeentzug, da der Kaffee, den man uns am Markt in Guayaquil verkauft hat, nahezu ungenießbar ist. Keine Ahnung was sich darin befindet, jedoch kann man es nicht als Kaffee bezeichnen.
Den Nachmittag verbringen wir wieder unter unserem Lieblingsbaum am Strand und schreiben die bisherigen Ereignisse nieder, damit wir euch informieren können.

Die restlichen Tage verbringen wir mit Schnorcheln und entspannen uns am Strand. Unter Zeitdruck würden hier 2-3 Tage reichen, aber gegen ein paar Tage mal nichts tun wollen wir uns natürlich nicht beschweren.

 

Inselhoppen für Arme (Ein Reiseführer) - Santa Cruz 05.05 - 09.05.2018

Dienstag, 22.05.2018

Zu unserem nächsten Ziel, den Galapagosinseln, wollten wir auf Grund der hohen Kosten zuerst gar nicht. Wir haben mit einigen Leuten geredet, die wir beim Reisen getroffen haben und alle meinten, dass man so 1000 Euro pro Woche einplanen sollte, dass sich diese Investition aber mehr als lohnen würde. Also haben wir uns gesagt, dass wir wohl eher nicht nochmal in diese Ecke der Erde kommen würden und die Gelegenheit beim Schopfe packen solllten. In der Hoffnung, voluntieren zu können, um Kosten zu sparen, haben wir die Flüge so gelegt, dass wir 16 Tage auf den Inseln sind. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass man, um voluntieren zu können, mehrere tausend Euro zahlen muss. Also wird das wohl doch nichts. Na gut, dann halt das Beste daraus machen, aber nicht so viel Geld ausgeben. Wir setzten uns die Obergrenze von 1400 Euro (1680 Dollar) inklusive Flug und allem drum und dran. Die Mission lautet also wie folgt: Alles sehen, was wir sehen wollen, aber da sparen und verhandeln, wo es nur geht.

Bevor wir auf die Galapagosinseln fliegen, machen wir noch für eine Nacht einen Zwischenstop in Guayaquil, da von hier aus um acht Uhr morgens der Flieger geht. Die Gelegenheit nutzen wir gleich mal und gehen im naheliegenden Markt Kochgrundlagen für die Inseln einkaufen, da vor Ort alles überdimensioniert teuer ist. So nehmen wir drei Kilo Nudeln, ein Kilo Reis, ein Kilo Haferflocken, ein paar Gewürze und Knobi mit. Frische Sachen sind leider nicht erlaubt einzuführen, da das ökologische Gleichgewicht dadurch gefährdet werden könnte. Berechtigt, wie wir finden. Dementsprechend streng sind auch die Rucksackkontrollen am nächsten Morgen im Flughafen von Guayquil (eine Stadt, die uns übrigens nicht so sehr gefallen hat). Reis darf man anscheinend nicht einführen, da noch irgendwelche Insekteneier oder so darin sein könnten, wie wir mutmaßten. Zum Glück guckt der Security nur flüchtig in unsere Esstüte und glaubt uns, dass das weiße kein Reis, sondern Mehl ist. Perfekt. Jetzt nur noch 20 Dollar Gebühr für irgendwas blechen und schon gehts los. Auch im Flughafen auf Baltra werden die Gepäckstücke nochmal von Hunden beschnüffelt. An unseren Rucksäcken gehen sie aber desinterressiert vorbei - besser so. Dann kanns ja jetzt los gehen, nachdem jeder nochmal 100 Dollar Eintritt bezahlt hat. Mit dem Transferbus werden wir zur Bootsanlegestelle von Baltra gefahren. Baltra ist eine marslandschaftliche Insel neben Santa Cruz, auf der nur der Flughafen ist. Von hier aus setzen wir dann mit der Fähre über nach Santa Cruz und fahren mit dem Linienbus nach Puerto Ayora. 

Jetzt heißt es Hostel suchen. Mit dem zusätzlichen Gewicht des Essens klappern wir eine Stunde lang bestimmt zehn Hostels ab und finden nach kurzer Verhandlung ein Privatzimmer mit eigener Küche in der Hospedaje Fragata. Warum wir nicht einfach ein Hostel im Internet gebucht haben? Weil alles zu teuer war und man vor Ort besser verhandeln kann. So haben wir in der besagten Hospedaje anstatt 50 nur 30 Dollar pro Nacht bezahlt und hatten sogar gratis Trinkwasser, was bei den Preisen hier sehr wichtig ist. Den Nachmittag unseres ersten Tages im Paradies nutzen wir für einen Rundgang im Darwin-Zentrum und erfahren einiges über ausgestorbebe Schildkrötenarten und wie man versucht, den Restbestand zu erhalten. Anschließend ging es dann an ein paar nahegelegene Strände und hier treffen wir zum ersten mal auf die am Wegesrand herumlümmelnden Meeresleguane, die als Vorbild für die Verfilmung von Godzilla dienten.

So schrecklich sehen die aber gar nicht aus und lassen sich durch die Besucher keinesfalls aus der Ruhe bringen.
Um die fehlenden Zutaten fürs Essen zu holen, schlendern wir über den kleinen Markt und es haut uns fast aus den Latschen. Dass importierte Ware teuer ist, damit haben wir gerechnet. Aber 3 Dollar für 400 Gramm Nudeln oder 15 Dollar für eine Melone sind ja wohl etwas übertrieben! Zum Glück haben wir Nudeln mitgebracht und auf Melone kann man ja verzichten. Dann also nur eine Zwiebel, Tomaten, Bananen und Eier. Unsere Mahlzeiten für die kommenden Tage werden zu 80% aus diesen Zutaten bestehen. Hier eine kleine Zusammenstellung unserer Mahlzeiten:

Zum Frühstück:
- Brot mit Rührei
- Hafer-Bananenbrei (Porridge; Bananen sind relativ erschwinglich, da sie hier zT auch angebaut werden)

Zum Mittag-/Abendessen:
- Nudeln mit Gemüsesoße
- Reis mit Zwiebeln, Knobi und Ei
- selbstgemachte Tortillas mit Reis-Linsen-Gemüsefüllung und Guacamole

So kostet uns jede Mahlzeit ca. 40 Cents pP, wobei wir auf die letzte Kreation besonders Stolz sind, da die Tortillas super lecker waren und uns ihretwegen auch oft neidische Blicke in den Gemeinschaftsküchen zugeworfen wurden.
Die Essensauswahl mag sich zwar sehr monoton anhören und das war sie auch, aber essen gehen kann man sich auf die Dauer mit so kleinem Budget einfach nicht leisten, obwohl wir uns zweimal ein Mittagsmenü für fünf Dollar pP gegönnt haben, was wir aber anschließend dann doch bereuten, da die Essen meistens enttäuschend ausflielen und man auf dem Festland nur zwei Dollar dafür bezahlt hätte.

An Tag numéro zwo wollten wir das Innland von Santa Cruz erkunden. Mit dem Bus fahren wir für einen Dollar pP nach Santa Rosa, einem kleinen Dörfchen in der Inselmitte, und laufen von hier aus ca. 1,5 Stunden bis zur Landschildkrötenfarm ,,El Chato''. Man hätte die Strecke auch mit dem Taxi zurücklegen können, aber das hätte uns zehn Dollar gekostet und wir wollen ja sparen. Außerdem kann man zu Fuß viel besser die teilweise auf oder neben der Straße liegenden Schildkröten und die Natur überhaupt genießen. Dabei entdecken wir auch ganz seltsame schwarze Bienen, die hier überall am herumfliegen sind. An der Farm angekommen schleichen wir uns an den fünf Dollar Eintritt vorbei und machen uns auf Schildkrötensuche. Teilweise war es einfach, diese zu finden, manchmal musste man aber auch ihren Spuren folgen (siehe Bild).

 

Sie wollte sich verstecken

Abschließend ging es dann noch durch die Lavatunnel und zu Fuß zurück nach Santa Rosa. Zum Glück nimmt uns nach ein paar hundert Metern eine Tourguide, der gerade Feierabend gemacht hat, in seinem Geländewagen mit und wir sparen uns den anstrengenden Rückweg und haben sogar noch Zeit, zu den Los Gremoles zu gehen. Aber zuerst plagt uns der Hunger und wir essen bei Einheimischen, die gerade den Grill angeworfen haben für einen schmalen Taler etwas Reis, Huhn und Bohnenbeilage. Gestärkt geht es dann weiter Richtung Norden zu ,,Los Gremoles'' (die Zwillinge). So hat man die beiden Vulkankrater, zwischen denen sich die Hauptstraße hindurchschlängelt, benannt. Und auch hier haben wir Glück und werden von einer Privatperson die fünf Kilometer im Auto mitgenommen. So langsam kommen wir mit den Leuten hier wirklich gut klar! Großartig zu berichten gibt es zu den Vulkanen aber nichts, außer dass der Weg zu ihnen wirklich schön war und dass die vulkanische Entstehungsgeschichte anhand von Schildern recht gut geschildert wurde. Aber seht selbst in den Bildern.

 

Der Weg zurück nach Santa Rosa geht zum Glück bergab (oh man, wenn wir das alles hochgelaufen wären... mein lieber Scholli!) und so kommen wir nach einer Stunde an Kuhweiden und Pferdekoppeln vorbeilaufend wieder in Santa Rosa an und bekommen hier auch gleich den Bus zurück nach Puerto Ayora. So hatten wir einen schönen Tagesausflug für nur zwei Dollar, obwohl man hier auch eine Tour für 50-70 Dollar hätte buchen können.
Abends gehen wir nocheinmal einige Tauchshops abklappern, denn morgen wollen wir tauchen gehen.

Um fünf Uhr am nächsten Morgen klingelt der Wecker, denn wir fahren zeitig los. Um 6.30 sind wir am Tauchshop direkt am Fischmarkt und beobachten, so lange wir noch auf die Abfahrt warten, das hiesige Geschehen. Nach und nach kommen die Fischer mit ihrem Fang und beginnen mit dem Ausweiden der Fische, was sofort die Pelikane und Seerobben auf den Plan ruft. Ohne Murren stellen sie sich in einer Schlage auf und werden einer nach dem anderen mit den Innereien der Fische gefüttert.

Schonon ein lustiges Bild, aber dann werden wir auch schon von hinten gerufen und es geht mit dem Taxi einmal quer durch die Insel nach Norden, wo das Tauchboot wartet und wir dann mit zehn anderen Leuten zur Insel Mosquera fahren. Die Bootsfahrt verbringen wir vorne auf dem Bug des Bootes und müssen uns bei dem Wellengang das ein oder andere Mal dann doch schon ganz schön festhalten. An der Tauchstelle angekommen gehen wir dann mit einem weiteren Pärchen und dem Guide auf 15 Meter runter. Die Sicht ist zwar bei weitem nicht so gut wie in der Karibik und Korallenriffe gibt es hier auch nicht großartig, aber dafür treffen wir nach ein Paar Minuten auf eine größere Gruppe Galappagoshaie, die auch schon ihre drei bis vier Meter haben. Neugierig schwimmen sie um uns herum und kommen dabei auch mal auf gut zwei Meter heran. Man geht einem da die Pumpe! Insgesamt sehen wir ca. zehn von ihnen und steigen nach 45 Minuten wieder an die Oberfläche. Jetzt heißt es pausieren und vor allem aufwärmen, denn trotz sieben Millimeter Neoprenanzug sind wir doch recht durchgefroren. Also wieder nach vorne aufs Boot und mit dem Wissen, dass wir uns einen Sonnenbrand holen werden, haben wir uns schön in die äquatoriale Mittagssone geklatscht. Nach ein paar Snacks ging es dann weiter zur Insel Seymour, wo der zweite Tauchgang stattfinden soll. Ab auf 15 Meter und schon nach ein paar Metern sehen wir den ersten riesigen Rochen an uns vorbeischweben. Einige Meter weiter flaniert eine Familie von White Tip Sharks vor dem Riff und lässt uns bis auf wenige Zentimeter herankommen, bevor sie dann doch lieber wieder etwas Abstand suchten. Über den gesamten Tauchgang sehen wir vier oder fünf solcher Haigrüppchen (2-3 Meter Länge) und fahren anschließend sehr beeindruckt von der Friedlichkeit der Haie zurück zum Hafen. Hier verspeisen wir noch das inkludierte Mittagessen der 160 Dollar Tour (von 175 heruntergehandelt) und kehren erschöpft zurück ins Hostel, um ein Schläfchen abzuhalten. War doch recht anstrengend der Tauchgang und das in der Sonne liegen. Am Abend beobachteten wir kleine Black Tip Sharks auf der jagt nach kleineren Fischen im Hafenbecken und erkunden die ,,Las Ninfas'', ein kleines Mangravonwäldchen mit Lagune und vielen Vögeln, welche wir die Ruhe genießend ein wenig beobachten.

Vor dem Schlafengehen reiben wir uns noch mit einer auf der Straße gepflückten Aloe Vera Plfanze ein (Aftersun bekommt man hier nicht unter 15 Dollar für ein kleines Fläschchen - auch nicht auf dem Festland), denn wir haben uns wie erwartet gut verbrannt. Aber das war es wert!


Am vorerst letzten Tag auf Santa Cruz stehen wir früh auf, um zu den ,,Las Grietas'' zu gehen, bevor diese mit Touristengruppen geradezu überrannt werden. Hierbei handelt es sich um mit Wasser gefüllte Lavaschluchten, in denen auch einige größere Papageienfische ein Zuhause gefunden haben. Gut, dass wir uns für heute das Schnorchelzeug ausgeliehen haben (insgesamt fünf Dollar nach Verhandeln).

Geradedemal eine halbe Stunde geplanscht kommen die ersten Heerscharen an Touristen und vertreiben uns zur Playa de Las Alemanes (Strand der Deutschen - AHU!). Auch hier heißt es ab ins Wasser und schnorcheln. Neben einigen Rochen stoßen wir auf viele Babygalapagoshaie, welche uns nach der gestrigen Tauchtour nicht mehr so beeindrucken können, aber dennoch schön zu beobachten sind. Zum Mittagessen gehts dann nochmal in die Unterkunft und anschließend die drei Kilometer zur Tortuga Bay (Schildkrötenbucht), die ihren Namen den hier brütenden Meeresschildkröten zu verdanken hat. Leider haben wir aber keine gesehen. Dennoch genießen wir den Strandspaziergang durch den mehlartigen, weißen Sand. Auch hier trifft man beim mit den Füßen im Wasser schlendern auf kleine Haie (50cm), die um unsere Füße herumschwimmen. Nachdem Josi noch ein Fotoshooting zusammen mit einem Leguan absolviert hat, sind wir dem Sonnenuntergang auch schon wieder nahe und machen uns auf den Heimweg.

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