Cabanaconde und der Colca Cañon 27.05. - 29.05.2018

Mittwoch, 13.06.2018
 
Gegen 11 Uhr wollen wir heute den Bus nach Pinchollo nehmen, um uns auf den Weg in den Colca Canyon zu machen. Nach ein paar Recherchen haben wir uns eine Rute für ca. vier Tage zurecht gelegt, die uns sowohl oberhalb auf den Bergen wie auch im Tal durch den Canyon führen soll. Die Busfahrt soll laut der Dame am Ticketschalter nur vier Stunden dauern und so planen wir, gegen 15 Uhr in Pinchollo anzukommen. Nur leider sind die peruanischen Zeitangaben oftmals etwas unterschätzt und so dauert die Fahrt gute sechs Stunden. Die Aussicht, die sich uns bietet, ist jedoch jetzt schon beeindruckend und wir fahren durch Berglandandschaften, in denen sich der eine oder andere rauchende Vulkan verirrt hat.
Kurz bevor wir im verschlafenen Dörfchen Pinchollo ankommen, verwerfen wir doch unsere Pläne und fahren weiter nach Cabanaconde. Warum der Sinneswandel? Keine Ahnung, aber von Cabanaconde boten sich doch mehr Wandermöglichkeiten als von Pinchollo an. Dann also noch eine Stunde weiter, bis wir am Rande des Canyons auf 3.400m ankommen. Hier ist es gegen 17 Uhr schon bitter kalt und wir versuchen, schnellstmöglich ein Hostel zu finden. In einer kleinen Nebenstraße, nahe des Hauptplatzes kommen wir an eine Art Kneipe vorbei, die auch Übernachtungen anbietet. Nicht unterm Tresen, sondern in einer einfachen Steinhütte, die spartanisch aber trotzdem gemütlich ist und für 15 Soles (3,40€) mehr als was man erwarten kann. Der Besitzer, ein an Johny Depp erinnernder Peruaner, lädt uns in seine Kneipe ein, die so uhrig und gemütlich ist, dass man hier das eine oder andere Cerveza verzehren könnte. Neben dem Bullenschädel und dem Kunst-Totenkopf dominiert ein rustikaler Einrichtungsstil. Wir erkunden uns bei ihm, welche Wanderruten er denn empfehlen kann und so breitet er direkt auf dem massiven Holztisch eine Karte aus und erklärt uns, welche Wege denn gut wären. Da der Eintritt für den Canyon nicht gerade günstig ist, erkunden wir uns, ob es denn Vergünstigungen gibt. Da lacht er nur und verrät uns die Tips und Tricks wie wir in der Theorie kostenlos reinkommen könnten und nennt uns ein paar seiner Kumpels im Tal, an die wir uns wenden sollen, wenn es um ein günstiges Ticket oder auch günstige Übernachtungen im Tal geht. Man fühlt sich so, als würde man zu einer Piratencrew gehören und gerade einen Überfall planen. " Ab um sechs Uhr werden dort an dieser Brücke Kontrollen gemacht " oder " Wenn euch doch ein Polizist fragt, sagt einfach ihr sprecht kein Spanisch, ihr habt keine Zeit und lauft einfach weiter", solche Art von Tips gibt er uns. Ein klasse Typ! Nachdem wir uns für eine Route entschieden haben, machen wir uns langsam ins Bett, denn es wird unerträglich kalt und wir wollen morgen früh los. So schlüpfen wir in das kalte Bett und wir brauchen drei Decken, damit uns warm wird, denn die Fenster sind nicht gerade wärmeisolierend und so sind in unserem Zimmer Temperaturen um die fünf Grad. Da ist wohl Kuscheln angesagt!

Am nächsten Morgen klingelt um fünf Uhr früh der Wecker und wir quälen uns wiederwillig aus dem warmen Bett in die Kälte. Schnell die drei Schichten Klamotten anziehen, damit es auszuhalten ist. Zum Frühstück machen wir uns lecker Brot mit Avocado und um 6.30 geht es los. Wir gehen zum Plaza de Armas, von wo aus wir den Bus zum Cruz del Condor nehmen. Denn bevor wir anfangen zu wandern, wollen wir noch den riesigen Andenkondoren zuschauen, wie sie ihr Frühstück (Aaß) einnehmen. Um acht Uhr sind wir dort und es tummeln sich schon die ersten Touristen vor Ort, um den besten Platz zu bekommen. Nach und nach zeigen sich die Andenkondore und schweben majestätisch über einen hinweg. Das ist schon sehr erstaunlich wie elegant diese Aasgaier sein können. Aber umso mehr Kondore aufziehen, umso mehr Touristenbusse kommen angefahren. Binnen einer halben Stunde hat sich der Platz nur so mit Touristen gefüllt, die einen Haufen Geld für die Tour bezahlt haben. Schön blöd, da man es auch auf eigene Faust, für günstig haben kann. 

Da wir heute ja noch eine acht Stunden Wanderung vor uns haben, wollen wir uns langsam auf dem Weg machen. Nur wie kommen wir jetzt von hier weg und zum Wanderpfad. Wir fragen uns durch und uns wird gesagt, dass wir ca. zwei Stunden laufen müssen, bis der eigentliche Pfad beginnt oder um neun den Bus zurück nach Cabanaconde nehmen, von wo aus wir auch ca. eine Stunde laufen müssten, bis wir auf den Pfad kommen. Na toll. Also egal wie wir es drehen und wenden, wir würden erst im Dunkeln unten im Tal des Canyons ankommen. So macht sich erstmal der Missmut bei uns breit und wir warten auf den Bus. Um uns die Zeit zu vertreiben, gönnen wir uns einen heißen Coca Tee und beobachten weiterhin die Condore. Nach weiteren Überlegungen entscheiden wir uns, nur eine Nacht im Canyon zu verbringen, anstatt zwei und nur einen dreistündigen Weg in das Tal zu nehmen, der uns zu einer Oase führen soll. Mit neuem Elan machen wir uns also auf und fahren mit dem Bus nach Cabanaconde. Soweit so gut, aber wo fängt der Pfad an? Die einen schicken uns in die eine Richtung, die Anderen in die andere. Dass die Peruaner nicht gerade sehr hilfsbreit sind, kennen wir ja schon. Na gut, versuchen wir es mal und wir treffen auf eine nette Tiendabesitzerin, die endlich mal einen Plan hat und uns den Weg weist.
Na dann mal los. Es geht vorbei an Feldern und Weiden, die mit kleinen Bewässerungssystemen miteinander verbunden sind. Nachdem wir sämtliche Maissorten und Kühe hinter uns gelassen haben, geht es nun nur noch bergab. Die Wege sind nicht gerade schön, sondern werden durch Schutt und lockeren Steinen ab und zu zur Rutschpartie. Auch größere Felsbrocken, die wie Treppen sind, lassen schon bald unsere Beine vor Anstrengung zittern. Schon nach einer Stunde, schwinden so langsam die Kräfte und Josi bereut zunehmend die Wanderung. Nachdem sie das gefühlt 100ste Mal ausgerutscht ist, fliegen mit einem " so eine behinderte Scheiße " die ersten Steine durch die Gegend. Aber Erik sieht es gelassen und weiß mitlerweile, wie er auch eine bockige Josi ermuntert und ermutigt. Nach einer weiteren Stunde und 1000 Metern Höhenunterschied taucht endlich die Erlösung auf. Uns erwarten grüne Wiesen, Palmen, Menschen in Badesachen und ein Pool und das alles auf 2400m. Wir haben es geschafft!!! Wir fragen nach Mickey, der uns einen guten Preis machen soll und bekommen wieder für 15 Soles eine Unterkunft. Schnell die verschwitzen Klamotten aufgehangen und ab in den Pool. Von der Kälte, die oberhalb vom Canyon vorherscht, merkt man hier kaum was und so lädt die Sonne zu einem Sonnenbad ein. Eine gute Entscheidung, diesen Weg zu gehen, denn unser Ziel war so oder so die Oase und hätten wir den langen Weg genommen, wären wir nicht in den Genuss des Pools gekommen.
Nach der Abkühlung, stärken wir uns mit weiteren Brötchen mit Avocado, denn das Mittagessen, was hier angeboten wird ist uns zu teuer. Dann lieber am Abend etwas Warmes essen, wenn es kalt wird. So verbringen wir den Nachmittag am Pool und unterhalten uns mit den anderen Hostelbesuchern. Aber eigentlich hatten wir uns nach der Quälerei ja eine Belohnung verdient oder nicht? Da kommt die ganztägige Happy Hour natürlich gelegen und wir gönnen uns jeder zwei Cuba Libre. Herrlich und auch etwas skuril, wenn man bedenkt das wir heute früh noch auf 3400m waren und mit drei Schichten immer noch gefrohren haben und jetzt nur mit Unterwäsche (wir hatten keine Badesachen dabei, da wir nicht davon ausgegangen sind, dass man wirklich baden gehen kann) am Pool einen Cuba Libre schlürfen. Am Abend gibt es noch ein gemeinsames Abendessen und es werden Geschichten unter den Reisenden ausgetauscht. Morgen wollen wir jedoch schon um vier Uhr früh den Aufstieg antreten, damit wir um 9 Uhr den Bus zurück nach Arequipa nehmen können. So machen wir uns also früh ins Bett, damit wir etwas ausgeschlafen sind. 

Düp düp düp... es ist 3.30 und der Wecker klingelt. Schnell ein paar Avocadoschrippen gefuttert und los geht es. Mit Taschenlampe bewaffnet treten wir den steilen Aufstieg an. Uns wird gesagt, dass wir "nur" drei Stunden bräuchten, was wir uns aber nicht vorstellen konnten, wenn der Abstieg schon zwei Stunden dauert. Wir sind mit unter den Ersten, die hochwandern aber und nach und nach tauchen immer mehr Leuchtkegel der Taschenlampen auf und immer mehr Gruppen machen sich auf dem Weg. Eine Gruppe zieht in einem rasenden Tempo an uns vorbei, wobei eigentlich nur der Guide so rennt und die Touris versuchen, völlig außer Atem Schritt zu halten. Wir lassen uns nicht beeindrucken und laufen langsam aber stetig bergauf. Die esten hundert Meter wechseln wir uns mit der Truppe ständig ab wer vor läuft, denn alle fünf Minuten muss die Truppe eine Pause einlegen, was kein Wunder bei diesem Tempo ist. Nach der ersten Stunde, machen auch wir unsere erste kurze Pause, um etwas zu verschnaufen. Nach einer kurzen Trinkpause und Eigenlob, wie gut wir doch sind, geht es weiter. Langsam geht die Sonne auf und es wird zunehmend wärmer. Gut, dass wir schon so früh los sind und nicht die ganze Zeit in der Wärme der Sonne laufen mussten. Nach weiteren zwei Stunden kommen wir endlich oben an und wir sind nicht so sehr am schnaufen wie manch andere! Ein super Gefühl, wenn man um acht Uhr morgens am Canyon steht und weiß, der schwerste Teil für heute ist geschafft! Mit Schmerzen in den Beinen, die man vorher noch nicht so kannte (zumindest Josi), machen wir uns zurück in die Stadt, um unsere Sachen zu holen und unser zweites Frühstück zu genießen. Wieder erwarten, treffen wir direkt auf den Hausherren. Nachdem wir noch kurz mit ihm gequatscht haben, fragte er uns was wir für Musik hören und so kamen wir auf das Thema Rammstein. Ja auch hier sind sie sehr bekannt, nur ihr spanisches Lied "Te quiero puta" (die Übersetzung könnt ihr gerne selbst vornehmen) kennt er nicht und will es sich aber anhören. Nachdem wir uns verabschiedet haben, gehen wir noch schnell nebenan für unser Frühstück einkaufen und es schäppert aus der Kneipe unseres Hausherren Rammstein. Mit breitem Lächeln steht er da und hat die Musik so laut aufgedreht, dass es die gesamte Nachbarschaft hört. Also haben wir wieder einmal etwas Deutsches Kulturgut hier gelassen. 
Straßen von Cabanaconde
Am Hauptplatz nehmen wir dann unser zweites Frühstück ein. Was gibt es? Natürlich Schrippe mit Avocado! So genießen wir die warmen Sonnenstrahlen, bis wir um 9.30 mit dem Bus zurück nach Arequipa fahren. Hier gönnen wir uns wieder einen entspannten Tag im Mango B&B und nehmen am kommenden Tag den Nachtbus nach Cusco.